Kulturelle Unterschiede Saudi-Arabien

Saudi-Arabien basiert auf einem Sozialsystem, das von Gemeinschaft und Tradition geprägt ist. Im Kern befindet sich die Familie. Alle Werte, die im gesellschaftlichen Leben eine wichtige Rolle spielen, sind auch in der Geschäftswelt entscheidend. Großzügigkeit, Fürsorge und gegenseitiger Respekt sind daher Eigenschaften, die Sie in der geschäftlichen Zusammenarbeit mit Saudis unbedingt zeigen sollten.

Daneben entscheiden Status und Alter über die Position eines jeden. In Saudi-Arabien werden einem Dinge aufgrund persönlicher Verbindungen oder der Seniorität zugesprochen. Daher ist es empfehlenswert, dass Sie bei der ersten Anbahnung eines Geschäftsvorhabens von einem erfahrenen Vermittler vorgestellt und eingeführt werden. So wird sein hoher Status auf Sie übertragen. Anerkennung für eigene Leistungen müssen Sie sich in der späteren Zusammenarbeit verschaffen.

Dresscode

Von Ausländern wird nicht erwartet, dass sie den saudischen Kleidervorschriften Folge leisten. Deshalb ist für Geschäftsmänner ein Business-Anzug mit Hemd und Krawatte – trotz der hohen Temperaturen – akzeptiert. Für Frauen gilt die Faustregel: Verdecken Sie mehr, als Sie zeigen. Wählen Sie beispielsweise einen langen Rock oder einen Hosenanzug mit einer langen Jacke.

Berücksichtigen Sie auch, dass Ihr Erscheinungsbild und Ihr Kleidungsstil Ihren sozialen Status widerspiegeln. Teure Markenlabels unterstreichen somit Ihr Erscheinungsbild als erfolgreicher Geschäftsmann/frau.

Timing

Die Arbeitswoche läuft in Saudi-Arabien von Sonntag bis Donnerstag, während die täglichen Arbeitszeiten eher flexibel betrachtet werden. Es ist jedoch ratsam, keine wichtigen Treffen oder Termine während des Ramadans oder kurz vor einem der drei Feiertage Eid-Al-Fitr, Eid-Al-Adha und dem Nationalfeiertag am 23. September anzusetzen. Während der langen Pilgerfahrt (Hadsch) und der kurzen Pilgerfahrt (Amra) reisen Tausende Muslime nach Saudi-Arabien, was die lokale Infrastruktur extrem belastet. Auch in dieser Zeit sollten Sie geschäftliche Aktivitäten und Reisen reduzieren.

Verlassen Sie sich jedoch nicht darauf, von Ihren saudischen Partnern über diese religiösen Ereignisse informiert zu werden, sondern schauen Sie besser selbst in einem Kalender nach. Aber nutzen Sie die Wochen vor den genannten Tagen, denn oft geht dann alles schneller als sonst, weil jeder seine Arbeit rechtzeitig vor den Feiertagen zu Ende bringen möchte!

Begrüßung und Vorstellung

Bei einem ersten Geschäftstreffen erfolgt die gegenseitige Begrüßung streng nach der Hierarchie: Bieten Sie Ihre Hand also immer zuerst der Person an der Spitze der saudischen Firma an. Und spielen Sie nicht „den starken Mann“, indem Sie einen möglichst festen Händedruck demonstrieren. Eine sanfte Berührung der Hände gilt in Saudi-Arabien als ein Zeichen des gegenseitigen Respekts. Oftmals kann dies ein eher langwieriges Verfahren sein: Als Gast sollten Sie auf keinen Fall als Erster die Hand wieder wegziehen. Einfach abwarten, bis Ihr saudischer Gastgeber dem langen Händereichen ein Ende setzt. Alles in allem sollten Sie bei der Begrüßung in Saudi-Arabien immer etwas Zurückhaltung zeigen und sich nicht zu sehr in den Mittelpunkt stellen. Nachdem sich alle besser kennen, werden die Saudis Sie vielleicht sogar mit einem Kuss auf die Wange begrüßen.

Wenn Frauen in der saudischen Delegation vertreten sind, sollten Sie als Mann Ihre Hand nicht als Erster anbieten. In der islamischen Kultur ist es nicht angebracht, dass sich Männer und Frauen in der Öffentlichkeit berühren. Überlassen Sie es der saudischen Geschäftsfrau, ob sie während der Grußworte ihre Hand ausstreckt oder nicht. Als ausländische Geschäftsfrau sollten Sie ebenfalls darauf vorbereitet sein, dass Ihr saudischer Geschäftspartner Ihnen seine Hand aus religiösen Gründen nicht anbietet.

Visitenkarten

Visitenkarten werden mit einem gewissen Grad an Respekt ausgetauscht. Bei der Übergabe einer Visitenkarte sollten Sie darauf achten, nur die rechte Hand zu benutzen – das Gleiche gilt für die Entgegennahme einer Visitenkarte.

Ihre Visitenkarten sollten auf Englisch und/oder Arabisch verfasst sein. Es ist wichtig, dass durch die Nennung Ihrer Funktion Ihr Ansehen in der Firma und Ihre Entscheidungsbefugnisse abgeleitet werden können.

Schenken Sie den Namen und Titeln Ihrer neuen saudischen Kontakte große Aufmerksamkeit, wenn Sie Visitenkarten annehmen! Achten Sie besonders auf den Status und Rang jeder Person, denn später müssen Sie dafür Sorge tragen, dass immer Vertreter der gleichen hierarchischen Ebene miteinander sprechen.

Namen und Anrede

Im arabischen Raum ist es generell üblich, Personen mit ihrem Vornamen anzusprechen, z.B. Mr Mohammed. Titel werden ebenfalls verwendet.

Geschäftliche Beziehungen aufbauen

Der Aufbau neuer Geschäftskontakte in Saudi-Arabien bedeutet, dass man vor Ort in eine bestehende Gemeinschaft aufgenommen werden will. Saudis legen großen Wert auf eine stabile persönliche Verbindung. Sie wollen spüren, dass sie einem neuen Geschäftspartner wirklich vertrauen können. Deshalb ist ihnen das gute gegenseitige Kennenlernen extrem wichtig.

Dies wird als wasta bezeichnet. Es bedeutet grob „Verbindungen“ oder „Einfluss“ und wird manchmal auch als „Vitamin W“ bezeichnet. Die Wasta-Tradition hat ihren Ursprung in den Stammesfamilien. Saudis bilden starke soziale und geschäftliche Netzwerke, und werden alles in ihrer Macht Stehende tun, um Familienmitgliedern und Freunden in diesen Netzwerken bestmöglich zu dienen.

Für Saudis ist Wasta oft auch wichtiger als das Befolgen von Regeln. Daher werden auch schon einmal Regeln gebrochen, um einer vertrauten Person einen Gefallen zu tun. Angenommen, Sie benötigen ein bestimmtes Dokument. Es gibt zwar Vorschriften, wie man dieses bekommt. Aber das Verfahren ist eher inkonsistent. So haben Sie vielleicht bei der zuständigen Behörde einige Formulare ausgefüllt, aber dann werden Sie nach anderen Formularen gefragt. Dieses Hin und Her kann Wochen oder Monate dauern, ohne signifikante Ergebnisse.

In solch einer Situation hilft nur Wasta: Greifen Sie zum Telefonhörer und sprechen Sie mit jemandem, der jemanden kennt, der jemanden genau in dieser Behörde kennt. Und plötzlich ist alles in 30 Minuten erledigt.

Während es in fast jedem Land oder in jeder Gesellschaft vorteilhaft ist, ein starkes Netzwerk im Rücken zu haben, können die richtigen Verbindungen in Saudi-Arabien alles entscheidend sein, um überhaupt etwas erreichen zu können.

Natürlich gibt es auch eine negativere Seite von Wasta, zum Beispiel wenn unqualifizierte Bewerber einen Job erhalten oder Stipendien an leistungsschwache Studenten vergeben werden. Aber für den Erfolg im saudischen Geschäftsleben ist es definitiv empfehlenswert, sich ein Netzwerk aus Personen aufzubauen, die Ihnen helfen oder Dinge für Sie organisieren können.

Aber wie macht man das?

Zunächst einmal sollten Sie viel Zeit mit Ihren saudischen Kontakten verbringen, um sie auf einer persönlicheren Ebene kennenzulernen. Daher laufen Geschäftssituationen in Saudi-Arabien auch meist nicht in der formellen oder strukturierten Weise ab, die Sie vielleicht erwarten. Steht z.B. ein Meeting an, bereiten Sie sich darauf vor, dass Ihre saudischen Partner mit einer Tasse Kaffee in der Hand hereinschlendern und über Familie, Reisen, Sport, Hobbys, das Wetter usw. plaudern wollen, aber so gut wie gar nicht über das Geschäft oder Projektvorhaben. Sie wollen sich einfach mit Ihnen treffen.

Lassen Sie sich darauf ein, bringen Sie sich ein und denken Sie daran, dass der Aufbau einer guten Beziehung voraussetzt, dass es sowohl auf privater als auch geschäftlicher Ebene möglichst viele Überschneidungen gibt. Versuchen Sie, auf Fragen offen zu antworten und zögern Sie nicht, im Gegenzug ebenfalls viele Fragen zu stellen. Das zeugt von Interesse. Fragen Sie jedoch nicht zu speziell nach der Frau Ihres saudischen Gesprächspartners, das könnte leicht missverstanden werden.

Neben dieser besonders umfangreichen Form des Small Talks ist ein gemeinsames Essen der beste Weg, eine Brücke zu schlagen. Sie werden schnell feststellen, dass Saudis sehr großzügige und gastfreundliche Menschen sind. Sie werden Ihnen ständig Essen anbieten. Auch wenn Sie keinen Hunger oder keine Zeit zum Essen haben, sollten Sie immer etwas von den angebotenen Speisen annehmen und gegebenenfalls sagen, dass Sie es später essen werden. Zeige Sie Ihre Wertschätzung.

Versuchen Sie einfach, immer „teilzunehmen“: Nehmen Sie Einladungen zu Geschäftsessen an, machen Sie gemeinsam eine Kaffeepause, essen Sie gemeinsam Mittag, bringen Sie selbst Essen zum Teilen mit anderen mit.

Last but not least: Versuchen Sie, ein paar Worte auf Arabisch zu sprechen. Ihre Geschäftspartner werden dies sofort zu schätzen wissen.

Bauen Sie langsam und stetig Ihr persönliches Netzwerk in Saudi-Arabien auf.

Kommunikationsstil

Die große Bedeutung persönlicher Beziehungen zeigt sich auch in jeder Geschäftskommunikation. So stehen Saudis während eines Gesprächs in der Regel sehr nahe beieinander und neigen dazu, ihre Gesprächspartner zu berühren oder als Zeichen des gegenseitigen Vertrauens näher heranzuziehen. Selbst wenn Sie sich mit dieser Nähe unwohl fühlen, wäre es ziemlich unhöflich, einen Schritt rückwärts zu gehen, um den gewohnten persönlichen Abstand zurückzugewinnen.

Daneben bestimmen in Saudi-Arabien Hierarchie und sozialer Status, wer mit wem redet. Sprechen Sie beispielsweise immer zuerst den ranghöchsten Saudi an. Stellen Sie zudem sicher, dass sich Gesprächspartner immer auf ähnlicher hierarchischer Stufe befinden.

Noch wichtiger ist jedoch, zu beachten, dass Saudis sehr diplomatisch und indirekt kommunizieren. Man ist in der arabischen Welt immer sehr darauf bedacht, nicht durch harte Worte oder negative Aussagen zu beleidigen. Die goldene Regel lautet, jedem zu erlauben, sein Gesicht zu wahren, indem man sich so geschickt und positiv wie möglich ausdrückt.

Muss jemand beispielsweise eine Anfrage ablehnen, wäre eine direkte negative Antwort aus saudischer Sicht beleidigend. Ein „Nein“ bringt die Beziehung in Gefahr. Daher werden saudische Gesprächspartner eher mit „Kein Problem“ antworten, auch wenn die gestellte Forderung nicht erfüllt werden kann. Ein arabisches „Ja“ ist also nicht immer als „Ja“ im westlichen Sinne zu verstehen, sondern drückt oft nur die allgemeine Bereitschaft aus, es zu versuchen.

Oftmals werden Metaphern und Umschreibungen verwendet, um kein direktes „Nein“ aussprechen zu müssen. Gestik und Mimik, wie das Anheben der Augenbrauen oder ein gelangweilter Blick, können Hinweise auf die wahre Antwort bieten. Wenn Ihr saudischer Gesprächspartner sich nicht konkret mit Ihrer Anfrage beschäftigt, sondern das Thema wechselt oder sich sehr allgemein ausdrückt, ist das als negatives Signal zu interpretieren. Aussagen wie „Ich werde darüber nachdenken“ oder „Mal sehen, was passiert“ bedeuten im Allgemeinen „Nein“.

Müssen Sie selbst eine negative Antwort geben, versuchen Sie, diese hinter ebenso wohlwollenden Worten zu verbergen. Saudis werden in der Lage sein, Ihre wahre Aussage zu entschlüsseln und genau zu verstehen, was gemeint ist. Sie sind darauf trainiert, da sie im Allgemeinen eine ziemlich blumige Sprache verwenden und sehr artikuliert sind.

Kritik äußern ohne zu beschämen

Ebenso indirekt und positiv sollten Sie jede Form von Kritik vorbringen. Möchten Sie die Arbeit oder einen Vorschlag eines Saudis kritisieren, sollten Sie sicherstellen, dass er/sie nicht das Gesicht verliert. Beginnen Sie damit, viele positive Aspekte aufzuführen, bevor Sie vorsichtig Punkte nennen, die verbessert werden könnten. Lassen Sie sich am Anfang des Gesprächs viel Zeit für Small Talk, um die Beziehung aufzubauen und damit sich alle wohlfühlen. Denken Sie daran: Es ist wichtiger, die Harmonie und die gute Beziehung zu wahren, als jemanden bloß zu stellen, die Schuld zuzuschreiben oder Rechenschaft für einen Fehler einzufordern.

Geben Sie niemals innerhalb einer Gruppe von Personen kritisches Feedback. Saudis mögen es nicht, vor anderen zurechtgewiesen zu werden. Sie werden schnell das Gefühl haben, dass ihre Würde und Ehre beleidigt wurden und sich schämen. Wenn Sie überhaupt Kritik äußern, sollten Sie dies individuell und unter vier Augen tun. Selbst wenn Sie nur jemanden daran erinnern wollen, etwas zu tun, könnte dies bereits als Kritik aufgefasst werden und beschämen.

Scham ist in Saudi-Arabien allgemein ein schwieriges Thema. So schrieb beispielsweise ein US-amerikanischer Manager einmal an einen saudischen Geschäftspartner, der nicht an einem Meeting hatte teilnehmen können: „Es ist so schade, dass Sie nicht beim Meeting waren. Ich fasse nun die Dinge zusammen, über die wir gesprochen haben“. Natürlich meinte der Manager damit: „Schade, dass Sie nicht hier waren, wir haben Sie vermisst. Aber ich informiere Sie am besten über was wir gesprochen haben.“ Der Saudi verstand jedoch so etwas wie: „Schämen Sie sich, dass Sie nicht beim Meeting waren.“ Die saudische Wahrnehmung war, dass der US-amerikanische Manager ihn kritisiert und angeprangert hat.

Und ein weiteres Beispiel: Ein US-Amerikaner, der in einem Labor in Saudi-Arabien arbeitete, ließ öfters mal seine Instrumente auf dem Tisch verteilt liegen. Seine saudischen Kollegen kamen gelegentlich herein, nahmen ein Instrument, benutzten es und brachten es dann nicht wieder zurück. Also sagte er in einem Meeting: „Ich wünschte, die Leute würden aufhören, ständig meine Instrumente zu klauen.“ Er verwendete dabei das Wort „klauen“ wie „nehmen“, deutete aber keinesfalls ein kriminelles Vergehen an. Aber in Saudi-Arabien ist Stehlen ein sehr schweres Verbrechen. Demensprechend waren die saudischen Kollegen über seine Aussage zutiefst getroffen und verletzt.

Geschäftskorrespondenz

Saudis kommunizieren alles persönlich – von Angesicht zu Angesicht. Auf einen Brief oder eine E-Mail werden sie hingegen kaum reagieren – oder es wird zumindest Wochen dauern, bis sie antworten.

Wenn Sie also etwas brauchen oder wissen möchten, sollten Sie den Hörer in die Hand nehmen oder persönlich hingehen. Setzen Sie sich mit Ihrem saudischen Partner oder Kollegen zusammen. Trinken Sie einen Kaffee, unterhalten Sie sich locker und unbeschwert – und fragen Sie dann, was Sie wissen oder haben wollen. Dies kostet Zeit und kann frustrierend sein, wenn man es eher gewohnt ist, schnell eine E-Mail zu versenden und fast sofort eine Antwort zu erhalten.

Aber in Saudi-Arabien kann man nicht erwarten, dass etwas ohne persönlichen Kontakt getan wird. Also, senden Sie die gewohnten E-Mails, aber rufen Sie immer auch an oder gehen Sie hin und beziehen Sie sich in einem persönlichen Gespräch auf Ihre zuvor versandte E-Mail. Sonst dauert es insgesamt noch länger!

Sie werden auch feststellen, dass es oft schwierig ist, Informationen auf Papier zu finden, da alles mündlich weitergegeben wurde. Das bedeutet, dass Sie in Meetings oder informellen Zusammenkünften Informationen einzeln einsammeln müssen. Setzen Sie das Mosaik nach und nach zusammen bis ein schlüssiges Bild entsteht.

Meetings

Meetings in Saudi-Arabien werden höchstwahrscheinlich nicht Ihren Erwartungen entsprechen. Zunächst einmal haben Ihre saudischen Geschäftspartner ein lockeres Zeitgefühl. Wenn sie also nicht rechtzeitig zum Meeting im Konferenzraum erscheinen, ist das kein Zeichen von Desinteresse oder Respektlosigkeit. Auch kurzfristige Absagen sind normal. Zeit ist in der arabischen Welt elastisch und zudem eher unwichtig.

Am besten ist es, den angesetzten Termin kurz vorher telefonisch zu bestätigen, aber trotzdem mit einer verspäteten Ankunft Ihrer saudischen Geschäftspartner zu rechnen. Zeigen Sie keine Ungeduld oder Wut, dadurch würden Sie nur Ihr Gesicht verlieren. Man würde auch nicht verstehen, warum Sie sich aufregen.

Zu spät oder nicht, nach saudischer Auffassung ist immer genügend Zeit zum Plaudern. Der Versuch, schnell zur Sache zu kommen und die Verspätung wieder wettzumachen, kann sich äußerst negativ auswirken. Die persönliche Beziehung muss immer erst aufgefrischt werden, bevor man bereit ist, Geschäfte miteinander zu machen. Als Faustregel gilt daher: Überspringen Sie niemals den Small Talk!

Erwarten Sie auch keine Agenda, die im Meeting genau verfolgt wird. Die Themen werden so diskutiert, wie sie aufkommen. Bringen Sie daher genügend Zeit und Geduld für lange Exkursionen mit. Die intensive verbale arabische Kommunikation spielt in jedem Meeting eine wichtige Rolle.

Saudis werden in Meetings oft gleichzeitig reden. Sie zeigen ihr Engagement und ihr Interesse an einer Sache, indem sie sich häufig gegenseitig unterbrechen, um den Dialog aktiv voranzubringen.

Ziel ist es jedoch immer, sich harmonisch auf ein gemeinsames Vorgehen zu einigen. Das gibt den Grundton für jedes Meetings vor. Vorsicht ist daher immer eine gute Strategie. Nehmen Sie sich die besonderen Eigenschaften des saudischen Kommunikationsstils zu Herzen.

Meetings mit saudischen Geschäftspartnern werden oft durch Telefonate oder unerwartete Besucher unterbrochen. Dadurch ziehen sich Meetings für ausländische Geschäftspartner oft unerträglich lange hin. Unterbrechungen sollten jedoch nicht mit Unhöflichkeit oder mangelnder Professionalität verwechselt werden. Ihrer Auffassung entsprechend, dass gute Beziehungen immer Vorrang haben, werden Saudis ihren Gesprächspartnern alle Zeit der Welt schenken, auch demjenigen, der mitten im Meeting anruft. Es gibt nur eines, was hier hilft: endlose Geduld und große Flexibilität.

Präsentationen

Status und Prestige spielen in Saudi-Arabien generell eine bedeutsame Rolle. Vor diesem Hintergrund sollten Ihre Präsentationsmaterialien von hoher Qualität und mit gutem Design sein. Verwenden Sie viele visuelle Elemente wie Filme, Bilder und Grafiken. Auch viel Farbe kommt gut an.

Versuchen Sie zudem, auf eine lebendige und unterhaltsame Weise zu präsentieren! Geben Sie nur so viele „trockene“ Fakten, wie nötig sind, um Ihr Thema klar und deutlich darzustellen. Zeigen Sie nur einige wenige, aber aussagekräftige Folien. Setzen Sie Tabellen, Statistiken oder Rechenbeispiele nur sparsam ein. In Saudi-Arabien wird das gesprochene Wort mehr geschätzt als das geschriebene!

Konzentrieren Sie sich immer auf die konkreten Vorteile für Ihre saudischen Geschäftspartner. Und beachten Sie die Hierarchieebenen der Anwesenden, wenn Sie die Teilnehmer direkt und individuell ansprechen.

Es ist ein entscheidender Vorteil, zumindest einen Teil des Materials nicht nur auf Englisch, sondern auch auf Arabisch präsentieren zu können.

Verhandlungen und Verträge

Eine gute Vorbereitung auf Verhandlungen in Saudi-Arabien ist unerlässlich. Stellen Sie sicher, dass Sie genau wissen, wer anwesend sein wird, wer welche Entscheidungsbefugnisse inne hat und wie die hierarchischen Stufen des saudischen Unternehmens funktionieren.

Um den gegenseitigen Respekt zu wahren, stellen Sie außerdem sicher, dass Personen in korrespondierenden hierarchischen Positionen anwesend sind. Daher ist es eine gute Idee, das hierarchische Gefüge in der Sitzordnung am Verhandlungstisch zu spiegeln. Wenn z.B. der saudische Firmeninhaber selbst verhandelt, sollte der Eigentümer oder der Top-Manager auf Ihrer Seite vertreten sein und ihm gegenüber sitzen.

Verwechseln Sie die oft blumige, sanfte Sprechweise Ihrer saudischen Verhandlungspartner nicht mit Naivität oder Schwäche. Saudis sind in der Regel wirklich harte Verhandlungsführer. Sie werden daher viel Zeit wie auch einen guten Verhandlungsspielraum benötigen, damit Sie nach und nach viele Zugeständnisse machen und Rabatte geben können.

Während des Verhandlungsprozesses kann es durchaus immer wieder zu Phasen großer Unsicherheit kommen. Drängen Sie Ihre saudischen Partner nicht, pochen Sie nicht zu sehr auf jedes Detail, das aus Ihrer Sicht zu klären wäre, sondern gehen Sie einfach mit dem Fluss.

Vergessen Sie nicht, dass in Saudi-Arabien die gute persönliche Beziehung das alles Entscheidende ist. Nur wasta funktioniert wirklich! Wenn Ihre saudischen Partner Ihr Unternehmen respektieren und von Ihnen als zukünftigem Geschäftspartner überzeugt sind, wird auch in den Verhandlungen letztlich alles klargehen. Die beste Verhandlungsstrategie kann daher sein, einen saudischen Relationship-Manager an Bord zu haben, der zu einer angesehenen Familie oder einem Stamm gehört.

Vor diesem Hintergrund fallen schriftliche Verträge in Saudi-Arabien nicht so detailliert aus wie in Deutschland. Saudis denken einfach nicht über viele mögliche Szenarien und Absicherungen nach, denn aus ihrer Sicht zählt bei der zukünftigen Zusammenarbeit die persönliche Beziehung viel mehr als jedes schriftliche Dokument. Stimmt die Beziehung, wird man auch mit allen Szenarien klarkommen.

Arbeitsstil

In der Projektkooperation werden Sie schnell feststellen, dass Ihre saudischen Kollegen oder Geschäftspartner nicht so gut organisiert sind und bei der Arbeit vorankommen, wie Sie es aus Ihrer Sicht sein sollten. In Saudi-Arabien gehen die Uhren langsamer. Die Produktivität an einem Acht-Stunden-Tag entspricht eher drei oder vier Stunden.

Im Allgemeinen sind Saudis multi-aktiv. Das bedeutet, dass sie oft mehrere Dinge auf einmal tun, anstatt eine Sache nach der anderen abzuarbeiten. Sie planen Projekte auch nicht Schritt für Schritt im Voraus, sondern reagieren flexibel oder improvisieren, wenn nötig.

Ein weiterer Faktor ist, dass in der saudischen Kultur das Arbeitsleben meist keine Priorität im Leben hat. Die beiden wichtigsten Lebensbereiche sind die Familie und der Islam. Wer noch Single ist, wird vielleicht im Job glänzen wollen und Überstunden machen, aber Saudis mit Familien sehen die Arbeit nur als einen Teil ihres Lebens an.

Da die Familie so wichtig ist, werden saudische Mitarbeiter öfters einmal aufgrund familiärer Probleme oder Ereignisse nicht zur Arbeit kommen. Das hat auch damit zu tun, dass Saudis in der Regel große Familien haben. Ihr Verständnis von Familie umfasst auch Cousins, Tanten und Onkel oder andere Verwandte, die wir eher nicht als direkte Familienmitglieder betrachten würden. So gibt es im Leben eines Saudis sehr häufig familiäre „Notfälle“: In der einen Woche liegt ein Bruder im Krankenhaus, in der nächsten Woche bekommt eine Cousine ein Baby. Selbst Begründungen wie „Oh, ich konnte nicht zur Arbeit kommen, weil meine Frau Kopfschmerzen hatte und ich besorgt war“, werden in saudischen Unternehmen weitgehend akzeptiert.

Daneben beeinflusst die Religion die Arbeit, da die meisten saudischen Muslime fünfmal am Tag beten. Ist es Gebetszeit, unterbrechen sie die Arbeit oder ein Meeting und gehen zum Gebet. Dies dauert nur ein paar Minuten und dann geht die Arbeit weiter. Als westlicher Projektpartner sollten Sie definitiv nicht sagen, dass man ja später genauso gut beten könnte. Laden Sie sich besser eine kostenlose Gebets-App herunter, damit Sie wissen, wann die Gebetszeiten sind (Diese variieren je nach Sonnenuntergang etc.) und stellen Sie sich entsprechend darauf ein.

Saudis verwenden gerne den Ausdruck „Insha-allah“, was mit „So Gott will “ übersetzt werden kann: „Bis morgen, Insha-allah!“ oder „Kannst du das für morgen vorbereiten?“ „Ja, mache ich, Insha-allah“.

Sie nehmen dies sehr ernst und sind beleidigt, wenn Ausländer darüber lachen oder andeuten, dass sie nur eine Ausrede suchen. Also sagen Sie niemals so etwas wie: „Ah, Insha-allah, bedeutet das nun, dass du es machen wirst oder eher nicht“? Aber auch Saudis selbst sagen, dass es durchaus verschiedene Ebenen von „Insha-allah“ gibt: Wenn sie es ihren Eltern gegenüber sagen, meinen sie, dass sie etwas wirklich versuchen werden. Wenn sie es zu ihren Freunden sagen, klingt es oft eher wie „Mal sehen, ob ich Zeit habe…“. Aber auch dann gilt: Mach Sie sich nicht lustig darüber, sondern akzeptieren Sie es einfach!

Fazit ist: Tragen Sie Ihren saudischen Kollegen oder Projektpartnern nicht einfach eine Aufgabe auf und erwarten dann, dass diese sofort erledigt wird. Stattdessen sollten Sie am Ball bleiben und regelmäßig auf eine sehr nette Art und Weise nach dem Stand der Dinge fragen. Saudis werden es jedoch nicht akzeptieren, dass man sie drängt und unter Druck setzt! Lassen Sie Ihre Nachfragen also nicht wie Drohungen klingen.

Darüber hinaus ist es immer am besten, die Arbeit mit der persönlichen Beziehungsebene zu verknüpfen. Wenn Sie erreichen möchten, dass eine Aufgabe ausgeführt wird, setzen Sie sich mit der betreffenden Person zusammen und trinken Sie gemeinsam einen Kaffee. Viele Saudis arbeiten nicht gerne alleine und geben auch nicht zu, dass sie mit einer Aufgabenstellung Probleme haben. Aber sobald Sie sie darauf ansprechen und sagen: „Hey, sollen wir das zusammen anschauen?“, wird es umgehend erledigt.

Treffen Sie also Ihre saudischen Kollegen auf der persönlichen Ebene. Sobald eine gute Beziehung aufgebaut ist oder sich sogar eine Freundschaft entwickelt hat, werden alle Dinge erledigt, und zwar weil man Ihnen persönlich damit helfen möchte.

Während des Ramadan

Während des gesamten Monats Ramadan haben muslimische Mitarbeiter in Saudi-Arabien einen verkürzten Arbeitstag bis 14 Uhr. Jeder Nicht-Muslim muss jedoch den ganzen Tag arbeiten.

Da sie tagsüber fasten, werden die meisten Saudis nachts sehr lange wach bleiben, um mit ihrer Familie zu essen. Vor Sonnenaufgang werden sie wieder aufstehen und noch einmal essen. Deshalb werden viele erst spät am Morgen ins Büro kommen und zu müde sein, um gut zu arbeiten. Alles verlangsamt sich.

Als Ausländer wird von Ihnen erwartet, dass Sie die Regeln des Ramadan einhalten. Alle Restaurants sind tagsüber geschlossen und Sie dürfen auch nicht Ihr eigenes Essen ins Büro mitbringen. Tragen Sie auch keine Wasserflasche mit sich herum. In vielen Büros gibt es jedoch einen ausgewiesenen Bereich für Ausländer bzw. Nicht-Muslime, die nicht fasten, z.B. eine Art Ramadan-Küche, in der man hinter verschlossenen Türen essen oder Tee trinken darf.

Geschäftsessen

Geschäftsessen bieten eine großartige Gelegenheit, geschäftliche Beziehungen aufzubauen. Spricht Ihr saudischer Geschäftspartner eine Einladung aus, sollten Sie diese unbedingt annehmen, aber nicht sofort! Die Höflichkeitsregeln besagen, dass man zunächst dankbar ablehnt und sagt, dass man dem anderen keine Umstände machen möchte.

Wenn Ihr Geschäftspartner die Einladung dann erneut ausspricht, bedanken Sie sich noch einmal für die großzügige Einladung und wiederholen Sie, dass Sie Ihrem Gastgeber nicht so viel Mühe machen möchten. Erst wenn er die Einladung ein drittes Mal wiederholt, sollten Sie diese der „Dreimalregel“ entsprechend annehmen! Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

Saudis unternehmen große Anstrengungen, um ihre Gastfreundschaft zu zeigen. Sie werden in erstklassige Restaurants eingeladen, wo eine gewisse Formalität zu erwarten ist. Lassen Sie Ihren Gastgeber über die Sitzordnung entscheiden, die sich nach dem hierarchischen Rang der Gäste richtet.

Bereiten Sie sich auf sehr üppige Mahlzeiten vor, die ziemlich spät beginnen (oft erst um 22 Uhr) und viele Stunden dauern. Zeige Sie Ihre Anerkennung für die – oft im Buffetstil – angebotenen Speisen und probieren Sie alles, auch wenn es etwas eher Ungewöhnliches ist.

Beachten Sie, dass Saudis bei Geschäftsessen nicht über die Arbeit sprechen, sondern über persönliche Interessen, um die Beziehung weiter auszubauen: Sport, Autos, Reisen oder Filme sind gute Themen. Auch allgemeine Fragen zur Familie sind willkommen. Politische Themen sollten hingegen vollständig ausgespart werden, ebenso wie jedes Thema, das mit den Regeln des Islams nicht konform ist.

Private Einladungen

Bei einer privaten Einladung sollten Sie einige grundlegende Verhaltensregeln beachten: Ziehen Sie Ihre Schuhe aus, wenn Sie das Haus betreten. Warten Sie, bis der Gastgeber Ihnen einen Platz zuweist. In der Regel sitzt man auf dem Boden. Achten Sie darauf, dass Sie niemandem Ihre nackten Fußsohlen entgegenstrecken. Stehen Sie auf, wenn neue Personen den Raum betreten.

Benutzen Sie beim Essen nicht die linke Hand, sie gilt als unrein. Probieren Sie alle Speisen, die Ihnen angeboten werden, und zeigen Sie Dankbarkeit, Freude und Wertschätzung. „Mashallah“ („Gott hat es gewollt“) ist ein Ausdruck, der oft als Lob verwendet wird.

Aber zeigen Sie nicht zu sehr, wenn Ihnen ein Gegenstand oder ein Bild im Haus gut gefällt, denn Saudis werden schnell das Gefühl entwickeln, dass sie es Ihnen schenken sollten. Und last but not least, sprechen Sie nicht zu lange mit dem anderen Geschlecht.

Vielleicht versuchen Sie sogar, eine Shisha zu rauchen. Sie enthält kein Marihuana und ist nicht so schädlich wie Zigaretten.

Mitarbeiterin der crossculture academy

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