Interkulturelle Kompetenz – warum überhaupt? (Definition, Beispiele, Modelle)

In einer Welt der zunehmenden Globalisierung wird die Fähigkeit, interkulturelle Kompetenzen zu erwerben, immer wertvoller.

Immer häufiger kommt es im Business-Kontext zur Kommunikation und Zusammenarbeit mit ausländischen Personen. Hier zählt oft die Kenntnis über die Kultur der anderen Länder sehr viel. Gerade beim Austausch mit Ländern mit einem völlig anderen kulturellen Kontext – wie z. B. Japan – ist es wichtig, das Gegenüber nicht durch das eigene Verhalten zu verunsichern, sondern Offenheit zu bekunden, wenn es um kulturelle Unterschiede geht und Verständnis zu zeigen, wenn der andere anders reagiert, als man denkt.

Hier kommt das Thema der interkulturellen Kompetenz ins Spiel. Dies ist keine Fertigkeit, die uns in die Wiege gelegt wird, aber sie kann erlernt und genutzt werden, um in verschiedenen internationalen Situationen erfolgreich(er) zusammenzuarbeiten.

Interkulturelle Kompetenz aufbauen

Definition: Was ist interkulturelle Kompetenz?

Interkulturelle Kompetenz bezieht sich auf die Fähigkeit, Menschen aus anderen Kulturen zu verstehen und effektiv mit ihnen umzugehen.

Die Befähigung, mit Menschen aus anderen Kulturen zu kommunizieren und zu arbeiten, wird immer wichtiger. Menschen reisen, gehen auf andere Personen zu und tauschen sich mit ihnen aus wie nie zuvor. Sie tun es zum Vergnügen, aber auch aus beruflichen Gründen. Daraus kann sich eine interkulturelle “Bindung” entwickeln. In allen Fällen erfordert interkultureller Erfolg folglich den Aufbau einer gewissen Beziehung. Und das bedeutet oft, eine kulturelle Kluft zu überbrücken.

Von grundlegender Bedeutung ist die Tatsache, dass die Identität eines Menschen nicht nur durch seine Herkunft aus einem bestimmten Land festgelegt wird, sondern durch eine Reihe unterschiedlicher “Kulturen” und Merkmale (z. B. Geschlecht, Ausbildung und Beruf, Alter, Geburts- und Wohnort, Nationalität(en) der Eltern, politische Ansichten oder sexuelle Orientierung). Interkulturelle Kompetenz bedeutet, empfänglich für die Ansichten und Wertesysteme anderer zu sein und sich gleichzeitig des eigenen kulturellen Kontextes bewusst zu sein – und die Fähigkeit zu besitzen, ihn kritisch zu reflektieren.

Interkulturelle Kompetenz Definition:

Am Arbeitsplatz bedeutet interkulturelle Kompetenz, dass Mitarbeiter die Fähigkeit haben, Menschen aus anderen Kulturen zu verstehen, mit ihnen zu kommunizieren und erfolgreich und selbständig mit ihnen zu interagieren, sei es mit Kollegen, Kunden, Klienten oder Lieferanten.

Ein Beispiel, um das Ganze weniger abstrakt zu halten:

Ein Online-Meeting mit Geschäftspartnern aus den USA und Italien steht an. Die Zusammenarbeit hat gerade erst begonnen und zu Beginn des Meetings – kurz nach der Begrüßung – entwickelt sich ein Gespräch, das völlig am eigentlichen Thema der Arbeit vorbeigeht. Das Meeting ist offiziell nur für eine Stunde angesetzt und die Partnerin aus Italien hat sich auch 5 Minuten nach Beginn noch nicht eingeloggt. Während also der Amerikaner zu Beginn den Smalltalk übernimmt, denkt sich die deutsche Mitarbeiterin (die bereits 5 Minuten zu früh online war), “wann können wir denn nun endlich starten, die Zeit läuft”. Gerade als sich das Gespräch zum Geschäftlichen wendet, kommt die Italienerin dazu und die beiden tauschen sich nun wieder über allerlei Dinge aus, die nichts mit der Arbeit zu tun haben. Langsam wird die deutsche Kollegin ungeduldig und unterbricht die anderen.

Ist das der richtige Umgang?

Für Deutsche zählt vor allem, auf den Punkt zu kommen und im Sinne des Unternehmens zu handeln – wobei der Fokus natürlich auf der Arbeit liegt. Deutsche möchten im beruflichen Kontext oft gar nicht so viel von ihrem Gegenüber erfahren. Sie ziehen es vor, Arbeit und Privatleben getrennt zu halten.

Für den Amerikaner hingegen kann es ganz normal sein, zu erzählen, wie er sein Wochenende verbracht hat und was sein deutsches Lieblingsbier ist.

Die Italienerin hätte sich natürlich auch schon früher einloggen können, hat sich aber zuerst noch ganz in Ruhe einen Espresso gegönnt und lässt sich nicht stressen.

Wenn man hier als Deutscher seine interkulturelle Kompetenz unter Beweis stellen möchte, dann lässt man sich gerne auf den Smalltalk ein, kalkuliert von Anfang an etwas mehr Zeit ein und leitet nach einiger Zeit gekonnt zum eigentlichen Thema – nämlich der Arbeit – über.

Doch das ist oft leichter gesagt als getan und dieses Beispiel zeigt: Interkulturelle Kompetenz will gelernt sein!

Eigenkulturelles und Fremdkulturelles

Ein interkultureller “Zwischenraum” entsteht aus dem Aufeinandertreffen des Eigenkulturellen und des Fremdkulturellen. Die Unwissenheit über alles Fremde führt zu Konfliktpotenzial. Hier gilt es nun, offen für neue Erfahrungen zu sein und sich kulturell weiterzubilden – über den eigenen Tellerrand hinaus. Durch interkulturelles Know-how passen sich die Menschen aneinander an und dies führt dann im besten Fall zu einer positiven Gestaltung von kulturellen Überschneidungssituationen.

Interkulturelle Kompetenz ist notwendig, um die Schnittmenge zwischen eigener und fremder Kultur positiv zu gestalten.

Eine Person gilt daher als interkulturell kompetent, wenn sie bereit ist, sich Wissen über die andere Kultur anzueignen und im Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen wirkungsvoll kommunizieren kann.

Modelle interkultureller Kompetenzen

Um ein so komplexes Thema wie interkulturelle Kompetenz leichter erklärbar zu machen, sind verschiedene Modelle ausgearbeitet worden, die die einzelnen Komponenten und Handlungsfelder kategorisieren.

Listenmodell

Die wichtigsten Faktoren (= Schlüsselkompetenzen) zum Erwerb interkultureller Kompetenz können in einer Liste dargestellt werden:

  • Einfühlungsvermögen
  • Toleranz
  • Offenheit bzw. Unvoreingenommenheit
  • Kommunikative Fähigkeiten
  • Flexibilität
  • Mut zum Perspektivenwechsel
  • Lernbereitschaft
  • Anpassungsfähigkeit

Zur Entwicklung einer interkulturellen Kompetenz sind neben der naheliegenden Offenheit für Neues und Fremdartiges, Empathie, Lernwilligkeit und Anpassungsvermögen ebenso wichtig.

Strukturmodell

In einem Strukturmodell werden diese individuellen Kompetenzen in drei Bereiche unterteilt, die miteinander interagieren: die affektive (Emotionen), die kognitive (Wissen) und die konative (Verhalten) Dimension.

  • Affektive Dimension ➡️ (z. B.) Toleranz, Sensibilität, Empathie
  • Kognitive Dimension ➡️ (z. B.) Sprachkenntnisse, landesspezifisches Wissen, internationale Kulturkonzepte
  • Konative Dimension ➡️ (z. B.) Kommunikative Fähigkeiten, Konfliktbewältigung

Prozessmodell

Im Prozessmodell werden die Dimensionen aus dem Strukturmodell miteinander in Verbindung gebracht und durch methodische und fachliche Handlungskompetenzen ergänzt.

Die Schnittmenge aus der affektiven, der kognitiven und der konativen Dimension ergibt die interkulturelle Kompetenz.

Beispiele interkultureller Unterschiede, in denen interkulturelle Kompetenzen notwendig sind

Interkulturelle Kompetenz hat viele Facetten. Im geschäftlichen Kontext sind bestimmte Bereiche besonders wichtig. Wir möchten Ihnen nun anhand einiger Beispiele ein besseres Verständnis von interkultureller Kompetenz im Alltag vermitteln.

Unterhaltungen

Bereits bei der Begrüßung gibt es einige Aspekte, die in verschiedenen Kulturen unterschiedlich gehandhabt werden.

  • In Japan und China gibt man sich nicht die Hand, sondern verbeugt sich. Dort ist das nur eine angedeutete Verbeugung, in Japan ist sie viel tiefer. Danach wird in beiden Ländern die ranghöchste Person zuerst gegrüßt und Visitenkarten werden mit beiden Händen überreicht und entgegengenommen.
  • Während in asiatischen Ländern der Blickkontakt eher vermieden wird, ist in arabischen Ländern ein sanfter Händedruck und Blickkontakt erwünscht. Hier wird zuerst der Gastgeber gegrüßt, dann der Älteste. Männer begrüßen Frauen nicht mit einem Händedruck.
  • In den USA gibt man sich kurz die Hand und begrüßt sein Gegenüber mit “How are you?”. Dies ist eine Floskel, im Anschluss ist daher keine Erörterung des Gemütszustandes erwünscht. Ein “Good, thanks, and you?” ist ausreichend.

Essen

Sobald man die Begrüßung gemeistert hat, kommt es oft bereits zum heikelsten Teil des Treffens: dem Geschäftsessen. Hier kann derjenige, der sich bereits über die Gepflogenheiten im Ausland informiert hat, sein Verhalten an die jeweiligen Konventionen anpassen und brillieren.

  • In Japan und China spielen Essstäbchen eine große Rolle. Man sollte sie nicht in das Essen stecken, auf andere Menschen zeigen oder gar damit herumfuchteln. Außerdem sollte das Essen nicht mit den Essstäbchen aufgespießt werden. Auch das Schnäuzen am Tisch oder in der Öffentlichkeit ist ein absolutes No-Go.
  • In arabischen Ländern wird das Essen nur mit der rechten Hand gegessen, da die linke als unrein gilt. Anstelle von Besteck wird in der Regel Brot verwendet, und ein Geschäftsessen mit muslimischen Kunden, das Schweinefleisch beinhaltet, ist undenkbar. Schweinefleisch gilt in der muslimischen Welt als unrein. Das schließt auch Gummibärchen mit Gelatine aus.

Riten

Wenn Sie sich zum Essen hinsetzen, wird höchstwahrscheinlich etwas Smalltalk stattfinden. Auch hier gibt es ein paar Dinge zu beachten, um nicht gleich ins Fettnäpfchen zu treten!

  • In vielen asiatischen Ländern widmet man sich beim Essen wirklich nur der Nahrungsaufnahme. Geschäfte und Smalltalk werden erst nach dem Essen begonnen. In China sind übrigens auch private Angelegenheiten Teil des Gesprächs! In Japan werden sehr gerne Komplimente verteilt.
  • Auch in Frankreich und vielen südeuropäischen Ländern ist das Essen ausschließlich eine Zeit für Smalltalk. Erst danach, z. B. beim Dessert, kommt man zum Geschäftlichen.
  • In den USA sollten Sie darauf achten, keine Tabuthemen anzusprechen. Das sind Themen wie Religion, Rasse, Geschlecht oder Politik. Andererseits sollten Sie nicht mit Komplimenten geizen und es ist besser, einmal zu oft Danke zu sagen als zu wenig.

Ähnliches

Natürlich gibt es auch Gemeinsamkeiten und Sie können in der Regel davon ausgehen, dass sich Ihr Gegenüber ebenso häufig in einem internationalen Kontext bewegt und dementsprechend Fähigkeiten in interkultureller Kompetenz und Kommunikation über die eigene Kultur hinaus erworben hat.

  • Das bedeutet, dass man in Asien oft die “Ausländerkarte” ziehen kann. Vor allem wenn man nicht asiatisch aussieht, werden einem kleine “Sünden” – wie Fehler bei der Begrüßung – verziehen.
  • Schicke und hochwertige Kleidung kommt überall gut an. Ganz nach dem Motto: Kleider machen Leute. Dies ist besonders wichtig, um einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen und das eigene Unternehmen oder Land nach außen hin bestmöglich zu repräsentieren.
  • Obwohl Englisch in den meisten Fällen die Verkehrssprache sein wird, zeugt es von Interesse und interkultureller Kompetenz, sich zumindest die Begrüßungsfloskeln in der Landessprache zu merken.

Interkulturelle Kompetenz erlernen – wo?

Wenn man sich für interkulturelle Kommunikation interessiert und das eigene Vermögen zur interkulturellen Kompetenz entwickeln möchte, ist die erste Anlaufstelle das Internet. Falls man sich besonders für die Zusammenarbeit auf interkultureller Ebene interessiert und wirklich lernen möchte, wie man mit internationalen Situationen umgeht, lohnt sich oft auch ein Blick in die entsprechende Fachliteratur.

Wer einen umfassenden Einblick in das Arbeiten im internationalen Kontext gewinnen oder sich gezielt auf einen Auslandseinsatz oder ein Leben im Ausland vorbereiten möchte, für den könnten die interkulturellen Trainings der Crossculture Academy genau das Richtige sein.

Unsere Trainings konzentrieren sich nicht nur auf die “Dos and Don’ts” des richtigen Verhaltens in anderen kulturellen Kontexten. Wir bieten Handwerkszeug, das den Kursteilnehmern hilft, mit Irritationen und Hindernissen umzugehen und sie als Chance zu sehen. So bleiben sie in der Lage, in ungewohnten und mehrdeutigen Situationen angemessen zu reagieren und weiterhin konstruktiv zu handeln.

Im Mittelpunkt unseres Angebots steht die Aneignung einer persönlichen Haltung, die einen Orientierungspunkt angesichts sehr ungewohnter Herausforderungen bietet. Denn Aufgeschlossenheit und die Bereitschaft, sich auf Unterschiede einzulassen, sind die Voraussetzungen, um gemeinsam mit anderen etwas Neues zu entwickeln.

Fazit

Einzelpersonen und Organisationen profitieren gleichermaßen von interkulturellen Kompetenzen. Die Menschen gewinnen Fähigkeiten und Selbstvertrauen in vielen wichtigen Verantwortungsbereichen, einschließlich Leistungsmanagement, Teamkommunikation und Problemlösung. Die Lernenden erhalten auch die Möglichkeit, ihre eigene Anpassungsfähigkeit besser zu verstehen und Strategien zur Förderung dieser wichtigen Kompetenz zu entwickeln.

Unternehmen wiederum profitieren von diesem Kompetenzaufbau, da das Engagement der Mitarbeiter maximiert, die Kommunikation optimiert und den Mitarbeitern dabei geholfen wird, den Wert verschiedener Perspektiven zu schätzen. Ihr Betrieb wird florieren, wenn er integrativer wird und die Fähigkeit der Organisation, Probleme zu lösen, neue Ideen zu identifizieren und Innovationen zu fördern, verbessert wird.

FAQ – Interkulturelle Kompetenz aufbauen

Wie wichtig ist die interkulturelle Kompetenz?

Interkulturelle Kompetenz ist ein wertvolles Gut in einer zunehmend globalisierten Welt, in der man immer häufiger mit Menschen aus verschiedenen Kulturen und Ländern zu tun hat, die von unterschiedlichen Werten, Überzeugungen und Erfahrungen geprägt sind.

Kann man interkulturelle Kompetenz lernen?

Interkulturelle Kompetenz kann man sich recht gut selbst aneignen, wenn man sich im Internet informiert. Um ein umfassendes interkulturelles Verständnis zu entwickeln, lohnt es sich jedoch, ein interkulturelles Training zu besuchen. Diese bereiten vor allem Beschäftigte auf Auslandseinsätze vor.

Wie kann man interkulturelle Kompetenz fördern?

Der erste Schritt: Interkulturelle Kompetenz als Differenzierungsfaktor für den Erfolg in multikulturellen Teams zu erkennen. Dann kann das Bewusstsein für mögliche Unterschiedlichkeiten durch verschiedene Initiativen, Trainings und Workshops geschaffen werden.

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