{"id":9564,"date":"2021-05-17T16:49:43","date_gmt":"2021-05-17T14:49:43","guid":{"rendered":"https:\/\/crossculture-academy.com\/?p=9564"},"modified":"2024-03-07T22:27:08","modified_gmt":"2024-03-07T22:27:08","slug":"kulturelle-unterschiede-singapur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/kulturelle-unterschiede-singapur\/","title":{"rendered":"Kulturelle Unterschiede Singapur"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/crossculture-academy.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Kulturelle-Unterschiede-Singapur_778144_s.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9565\" title=\"\"><figcaption><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>An erster Stelle steht dabei ein kollektivistisches Denken, das vor allem darin Ausdruck findet, dass sich der Einzelne nicht so sehr als Individuum, sondern st\u00e4rker als Teil einer gr\u00f6\u00dferen Gruppe definiert. Gegenseitiges Vertrauen und die Pflege pers\u00f6nlicher Beziehungen bilden daher die Basis einer jeden Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit. Gesch\u00e4fte machen Singapurer mit bekannten Gesichtern innerhalb ihres Netzwerkes (=Gruppe), nicht mit fremden Au\u00dfenstehenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Einer der wichtigsten Hinweise, die unsere Trainer den Teilnehmern in <a href=\"https:\/\/crossculture-academy.com\/interkulturelle-trainings\/\">interkulturellen Trainings<\/a> mit auf den Weg geben ist: F\u00fcr eine erste Kontaktaufnahme mit einem singapurischen Unternehmen ist es f\u00fcr Deutsche f\u00f6rderlich, sich m\u00f6glichst durch eine heimische Kontaktperson empfehlen oder vermitteln zu lassen. Oft \u00fcbernehmen diese Aufgabe \u00f6ffentliche Institutionen oder Business-Berater. Der auf diese Weise mit auf den Weg gegebene Vertrauensvorschuss ist unbezahlbar. Einfach auf gut Gl\u00fcck eine Anfrage per E-Mail zu schicken, reicht in Singapur meist&nbsp;nicht aus. Rufen Sie potenzielle Gesch\u00e4ftspartner zumindest an, sprechen Sie mit jedem pers\u00f6nlich \u2013 mehrfach und regelm\u00e4\u00dfig.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit aus Fremden schlie\u00dflich Netzwerk-Freunde werden, genie\u00dfen Gesch\u00e4ftsessen in Singapur einen hohen Stellenwert. Mittels einer gro\u00dfz\u00fcgigen Gastfreundschaft wird nach und nach eine tragf\u00e4hige&nbsp;Vertrauensbasis geschaffen, ehe schlie\u00dflich Gesch\u00e4ftliches angegangen werden kann. W\u00e4hrend es anfangs beim Essen noch sehr formell zugeht, sollte sich im Laufe der Zeit&nbsp;zeigen, dass die Chemie zwischen beiden Seiten stimmt. Das erreicht man in Singapur aber nicht unbedingt durch private, eher pers\u00f6nliche Themen oder humorvolle Bemerkungen. Zielen Sie darauf ab, als langfristig verl\u00e4sslicher Gesch\u00e4ftspartner einen guten Eindruck zu machen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kommunikation \u2013 Sanft und mit Bedacht<\/h4>\n\n\n\n<p>Ob chinesischer, indischer oder malaiischer Abstammung, wie alle Asiaten bevorzugen auch Singapurer eine eher indirekte Kommunikation. Es ist hier nicht \u00fcblich, die Dinge unmissverst\u00e4ndlich beim Namen zu nennen. Vieles wird eher umschrieben und angedeutet. Viele Kontextfaktoren tragen dazu bei, einzelne Gespr\u00e4chselemente wie ein Mosaik zusammenzuf\u00fcgen. Vor allem negative Dinge werden nicht direkt angesprochen, sondern h\u00f6chstens hinter freundlichen Worten verschleiert. Unsere deutsche Art, Probleme oder Kritikpunkte offen anzusprechen, ruft in Singapur schnell Befremden hervor. Vergessen Sie nicht, dass man in Singapur keine politische Meinungsfreiheit genie\u00dft. Eine Kultur der sozialen Kontrolle und \u00dcberwachung pr\u00e4gt den Kommunikationsstil. Zu viel Offenheit irritiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten Singapurer unter 40 Jahren sprechen sehr gut Englisch. Allerdings handelt es sich h\u00e4ufig um&nbsp;einen Mix aus Englisch und den lokal gesprochenen Sprachen und wird deshalb gerne als Singlish (Sino-English) bezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Verhandlungsgespr\u00e4che nur mit&nbsp;Verst\u00e4rkung<\/h4>\n\n\n\n<p>Verhandlungen werden in Singapur meist zwischen Gruppen und nicht zwischen einzelnen F\u00fchrungskr\u00e4ften gef\u00fchrt. Sitzt ein Verhandlungspartner ohne Begleitung am Konferenztisch, wird diesem wahrscheinlich ein Mangel an Status und Unterst\u00fctzung im eigenen&nbsp;Team zugeschrieben, was seine Position im Verhandlungsgespr\u00e4ch massiv schw\u00e4cht.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Seniorit\u00e4t spielt im stark hierarchisierten Singapur eine gro\u00dfe Rolle. Daher ist es empfehlenswert, zu Beginn eines Verhandlungsgespr\u00e4chs m\u00f6glichst keine Unsicherheit zu zeigen. Ein konsequentes Auftreten l\u00e4sst keinen Zweifel daran, dass man berechtigt ist, diese Verhandlung zu f\u00fchren. Insbesondere gegen\u00fcber \u00e4lteren Gesch\u00e4ftspartnern kann es von Bedeutung sein, erst einmal eine starke Pr\u00e4senz zu zeigen. Ein aussagekr\u00e4ftiger Titel auf der Visitenkarte kann hier besonders hiflreich sein, denn er hebt den pers\u00f6nlichen Status. Dar\u00fcber hinaus ist Markenkleidung ein Muss, denn sie spiegelt Reichtum und damit pers\u00f6nlichen Erfolg wider.<\/p>\n\n\n\n<p>Zeigen Sie \u00e4lteren Gesch\u00e4ftspartnern gegen\u00fcber Respekt, beispielsweise indem Sie ihre Visitenkarte achtsam und aufmerksam studieren und nicht etwa ungesehen in die Sakkotasche gleiten lassen. Dies ist \u00fcbrigens \u00fcberall in Asien empfehlenswert. Daneben sollte nie vergessen werden, dass den Rangh\u00f6heren stets die Rangniedrigen vorgestellt werden. Lassen Sie \u00e4ltere Gespr\u00e4chspartner immer ausreden und antworten Sie erst nach einer kurzen Pause, in der Sie das Gesagte nachklingen lassen. Widerworte sollten Sie m\u00f6glichst vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gilt ohnehin der Grundsatz, dass auch in angeregten Verhandlungen alle jederzeit ihr Gesicht wahren. Wutausbr\u00fcche oder dergleichen sind verp\u00f6nt. Selbst bei gro\u00dfen Meinungsverschiedenheiten unterbricht man den anderen nicht mitten im Satz, sondern wartet geduldig und tr\u00e4gt das Gegenargument ohne emotionale Entgleisung vor.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungen im Konsens<\/h4>\n\n\n\n<p>Sehr asiatisch mutet in der gesamten singapurischen Businesswelt auch das stetige Streben nach Harmonie an. So werden beispielsweise Entscheidungen auf der entsprechenden Managementebene im Konsens getroffen. Stellen Sie sich daher darauf ein, dass Sie am Verhandlungstisch engagierten Partnern gegen\u00fcbersitzen, die Entscheidung aber letztlich an anderer Stelle getroffen wird. Es kann eine Weile dauern, bis hinter verschlossenen T\u00fcren alle Beteiligten geh\u00f6rt worden sind. Daf\u00fcr werden die Ergebnisse von allen am Entscheidungsprozess beteiligten Personen getragen, was letztlich zu effizienten und schnell umgesetzten Ergebnissen f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf eine Zu- oder Absage aus Singapur m\u00fcssen Sie daher&nbsp;geduldig warten. Aber Vorsicht: Absagen werden meist ausweichend erteilt, um die zwischenmenschliche Harmonie nicht zu gef\u00e4hrden. Jegliche weitere Nachfragen Ihrerseits&nbsp;werden geflissentlich ignoriert werden, was das zuvor indirekt vermittelte \u201eNein\u201c weiter untermauert.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Zielstrebige Projektmeetings<\/h4>\n\n\n\n<p>Meetings und Gespr\u00e4che in der sp\u00e4teren Projektzusammenarbeit verlaufen hingegen sehr zielstrebig. Letztlich entscheidet aber immer der aktuelle Status der pers\u00f6nlichen Beziehung zwischen den Projektpartnern \u00fcber den weiteren Erfolg des angestrebten Vorhabens. Deshalb zielt man in Konfliktgespr\u00e4chen immer auf eine Win-Win-Situation ab \u2013 in Singapur geht man eine langfristige Kooperation ein, die m\u00f6glichst \u00fcber ein einzelnes Projekt hinaus Bestand hat. Das setzt ein kooperatives Verhalten voraus! Unstimmigkeiten lassen sich hier nicht per Vertragsklausel und Anwalt, sondern nur \u00fcber die Beziehungsebene l\u00f6sen. Eine starke Beziehung zum singapurischen Gesch\u00e4ftspartner bietet einen weitaus besseren Schutz als ein juristisch ausget\u00fcfftelter Vertrag.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Ordnung ist nicht gleich&nbsp;Planung<\/h4>\n\n\n\n<p>Der asiatische Stadtstaat besticht durch ein klares Regelsystem, das von nahezu allen befolgt wird. Auf Singapurs Stra\u00dfen wie auch in Geb\u00e4uden und Organisationen herrscht Ordnung. P\u00fcnktlichkeit ist im Business ein Muss. Allerdings trifft&nbsp;die deutsche Planungsgenauigkeit deshalb noch lange nicht&nbsp;auf fruchtbaren Boden. Singapurer nehmen die Dinge gerne wie sie sind und reagieren auf Unw\u00e4gsamkeiten lieber spontan. Man macht sich bei Projektstart daher eher wenige Gedanken \u00fcber m\u00f6gliche Eventualit\u00e4ten. Einzelne Projektschritte werden nur grob geplant und je nach Bedarf auch kurzfristig angepasst. Man geht davon aus, dass es stets verschiedene L\u00f6sungsalternativen gibt und fasst die Dinge&nbsp;dementsprechend pragmatisch auf.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Loyale Beziehungen im Team<\/h4>\n\n\n\n<p>In der binationalen Projektzusammenarbeit tun deutsche Gesch\u00e4ftsleute gut daran, sich genau \u00fcber Gruppenbildung und Hierarchien im singapurischen Partnerunternehmen zu informieren. Meist bilden dort Chef und Team die f\u00fcr alle richtungsweisende Gruppe. Diese fu\u00dft auf einer wechselseitigen, engen &nbsp;Beziehung: Der Chef ist f\u00fcr das Wohl seiner Mitarbeiter verantwortlich, im Gegenzug bringt ihm sein Team Respekt und eine uneingeschr\u00e4nkte Loyalit\u00e4t entgegen. Anders als beispielsweise in Indonesien oder Malaysia ist dieses durch moralische Verpflichtungen gepr\u00e4gte Verh\u00e4ltnis allerdings rein auf den Arbeitsplatz beschr\u00e4nkt. Privat besteht zwischen Chef und Mitarbeitern wenig Kontakt. Hier greifen andere Gruppenzugeh\u00f6rigkeiten, wie etwa Gro\u00dffamilie oder Freundeskreis. In Singapur wird daher klar zwischen Berufs- und Privatleben unterschieden, was in anderen s\u00fcdostasiatischen L\u00e4ndern eher nicht der Fall ist.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Engmaschige Hierarchien<\/h4>\n\n\n\n<p>Neben dem Gruppendenken sind in singapurischen Unternehmen die Hierarchien sehr klar definiert. Jeder nimmt seinen Platz im Gef\u00fcge ein, die Macht ist an der Spitze der Pyramide konzentriert. Arbeitnehmer erwarten von ihren Vorgesetzten klare Anweisungen. Eine regelm\u00e4\u00dfige Kontrolle ihrer&nbsp;Arbeit wird nicht negativ aufgefasst, sondern mehr als ein Zeichen daf\u00fcr gewertet, dass sich der Chef um seine Mitarbeiter k\u00fcmmert und sich f\u00fcr ihre Arbeit interessiert. Diese kontinuierliche Begleitung der eigenen Arbeit ist ausdr\u00fccklich erw\u00fcnscht &#8211; was ausl\u00e4ndische F\u00fchrungskr\u00e4fte in Singapur h\u00e4ufig \u00fcbersehen. Mit einem zu gro\u00dfen Handlungs- und Entscheidungsspielraum k\u00f6nnen singapurische Mitarbeiter ohne gro\u00dfe Erfahrung mit westlichen Managementstilen nicht immer gut umgehen. Versucht der Chef zu viele Aufgaben an seine Mitarbeiter zu delegieren, wird das nicht etwa als gut gemeinter Vertrauensvorschuss begr\u00fc\u00dft, sondern als eklatante F\u00fchrungsschw\u00e4che verachtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Seinen Platz in der Hierarchie erreicht man in der singapurischen Gesch\u00e4ftskultur durch Leistung und F\u00e4higkeiten, nicht etwa durch Status wie Familienzugeh\u00f6rigkeit oder Reichtum. Daraus folgt, dass trotz hoher Loyalit\u00e4t zu Vorgesetzten das Hinterfragen von Entscheidungen und Handlungen auf einem rein fachlichen Level durchaus m\u00f6glich ist. Hierarchiedenken und Loyalit\u00e4tsbeziehungen sind hier nicht mit blindem&nbsp;Gehorsam gleichzusetzen!<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kooperativ und ambitioniert<\/h4>\n\n\n\n<p>Statusunterschiede werden akzeptiert und bereiten in der Zusammenarbeit meist keine Probleme. Jeder ordnet sich mit einer gewissen Nat\u00fcrlichkeit ein oder unter. Mit Blick auf das Wohl der Organisation (=Gruppe) zeigen singapurische Mitarbeiter eine besonders hohe Kooperationsbereitschaft und stellen eigene Interessen zugunsten der anderen zur\u00fcck. Querulanten werden hingegen schnell ausgegrenzt, da sie die Harmonie st\u00f6ren und der Gruppe schaden. Ein gutes Betriebsklima ist daher im kollektivistischen Singapur ein wichtiger Motivationsfaktor. Stimmt das Verh\u00e4ltnis zwischen Mitarbeitern und Chef bzw. innerhalb eines Teams nicht, leiden darunter meist auch Prozesse und Abl\u00e4ufe.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig besteht in den meisten Unternehmen eine hohe Strebsamkeit, stets H\u00f6chstleistungen zu erbringen &#8211; und das m\u00f6glichst in Rekordzeit, um im Wettbewerb zu bestehen. Ein umgangssprachliches chinesisches Lehnwort bedeutet w\u00f6rtlich \u00fcbersetzt \u201eAngst vor dem Verlieren\u201c. Ein freundliches L\u00e4cheln \u00fcberdeckt die in Singapur immer gef\u00fchlte Eile. Davon sollten Sie sich aber nicht t\u00e4uschen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An erster Stelle steht dabei ein kollektivistisches Denken, das vor allem darin Ausdruck findet, dass sich der Einzelne nicht so sehr als Individuum, sondern st\u00e4rker als Teil einer gr\u00f6\u00dferen Gruppe definiert. 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