{"id":9515,"date":"2021-05-17T16:06:09","date_gmt":"2021-05-17T14:06:09","guid":{"rendered":"https:\/\/crossculture-academy.com\/?p=9515"},"modified":"2024-03-07T22:27:08","modified_gmt":"2024-03-07T22:27:08","slug":"wie-gelingt-die-projektkooperation-mit-briten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/wie-gelingt-die-projektkooperation-mit-briten\/","title":{"rendered":"Wie gelingt die Projektkooperation mit Briten?"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/crossculture-academy.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/rawpixel-698599-unsplash_Team_333.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9516\" title=\"\"><figcaption><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Sind die ersten Wochen nach Start eines binationalen Projektes vergangen und auf beiden Seiten die ersten Fragezeichen aufgetaucht, dauert es meist nicht mehr lange, ehe sich ernste Konflikte am Horizont auftun. Meist wird zun\u00e4chst davon ausgegangen, dass es sich um rein zwischenmenschliche Probleme handelt, dass gewisse Menschen einfach nicht so gut miteinander k\u00f6nnen. Schlie\u00dflich stellt man jedoch fest, dass man es nicht mit Einzelf\u00e4llen zu tun hat, sondern dass&nbsp;ja alle im Projektteam so \u203akomisch\u2039 sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Und schnell ist man bei einer sehr negativen Beurteilung der Nachbarkultur angelangt. Die Situation ist zunehmend verfahren und deutliche Reibungsfl\u00e4chen, gerade in der Projektarbeit, sind nicht mehr zu verkennen. Projekte schlagen fehl, da man in unterschiedliche Richtungen strebt. Ein ziemlich kostspieliges Unterfangen &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Die folgenden interkulturellen Faktoren sind f\u00fcr das Gelingen einer binationalen Projektarbeit mit Briten besonders entscheidend:<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Informationsfluss<\/h4>\n\n\n\n<p>Am Anfang einer guten Projektkommunikation steht der Informationsfluss. Briten lassen Informationen besonders dann gut flie\u00dfen, wenn die pers\u00f6nliche Ebene im Team stimmt. Daf\u00fcr muss man nicht beste Freunde sein, aber man sollte einen freundlichen, h\u00f6flichen Umgangston pflegen, nicht zu sehr auf seine eigene Meinung pochen und sich auf sanfte Weise kompromissbereit zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Informationswege sind in britischen Unternehmen nicht so sehr an Hierarchien gebunden, sondern dienen dazu, Menschen, die miteinander arbeiten, zusammenzuf\u00fchren. So verlaufen die Wege in vielf\u00e4ltige Richtungen und nicht nur von oben nach unten.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Informationsbeschaffung geht man proaktiv vor und erwartet nicht, dass die anderen die ben\u00f6tigten Informationen automatisch liefern. Ebenso wird ein vorfiltriertes Weiterleiten von Informationen nicht so gerne gesehen. Briten entscheiden lieber selbst, welche Information f\u00fcr sie wichtig ist und welche nicht. Sie lehnen es nahezu ab, dass andere f\u00fcr sie mitdenken und setzen lieber ihren eigenen, individuellen Kopf daf\u00fcr ein. Prinzipiell kann man hier, wie in vielen anderen Kulturen auch, von einer Informationsholschuld sprechen, wohingegen man im deutschsprachigen Raum eher von einer Bringschuld ausgeht.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese unterschiedliche Erwartungshaltung in der Informationsbeschaffung ist oft die Ursache von Konflikten<br>in der binationalen Projektarbeit. Auf deutschsprachiger&nbsp;Seite kann schnell der Eindruck entstehen, von den Briten nie korrekt informiert zu werden. Oder man verf\u00e4llt sogar der sch\u00e4dlichen Mutma\u00dfung, sie w\u00fcrden mit Informationen absichtlich hinter dem Berg halten. Dass sich aufgrund dessen schnell die Vertrauensfrage stellt, liegt auf der Hand.<\/p>\n\n\n\n<p>Gehen Sie prinzipiell gerne proaktiv auf Ihre britischen Kollegen zu, am besten leibhaftig. Damit f\u00f6rdern Sie nicht nur die gute Beziehung, Sie bekommen auch automatisch die f\u00fcr Sie wichtigen Informationen zu einem Zeitpunkt, den Sie selbst bestimmen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Fristen und Termine<\/h4>\n\n\n\n<p>Sicher ist das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Notwendigkeit von Fristen und Terminen in der britischen Gesch\u00e4ftskultur nicht so grundlegend anders. Die Frage ist vielmehr, zu welchem Preis? So bevorzugen Briten eher einen flexiblen Weg bis zum Erreichen der Deadline. Es gibt h\u00e4ufige&nbsp;Zusammenk\u00fcnfte, um zu sehen, wie weit man ist, um sich neu zu orientieren, um ein Gef\u00fchl daf\u00fcr zu bekommen, ob die gesetzten Termine noch realistisch sind, ob man nicht eventuell das Aufgabenvolumen herunterschraubt, um Termine einhalten zu k\u00f6nnen etc. Durch den Ideen und Perspektivenaustausch erhofft man sich ein umfassenderes Bild der Gesamtsituation und damit auch eine genauere Einsch\u00e4tzung der Terminsetzung, -einhaltung&nbsp;oder gar -verschiebung.<\/p>\n\n\n\n<p>Man hat es hier mit Gemeinschaftsprojekten zu tun, die vom Gedankenaustausch leben und aus Zwischenetappen bestehen, die gerne mit ein paar Guinnessrunden gefeiert werden. Im deutschsprachigen Raum hingegen hat jedes Teammitglied seine genau definierte Rolle, verbunden mit dem entsprechenden tiefgr\u00fcndigen Fachwissen. Ein h\u00e4ufiger&nbsp;Austausch mit Nicht-Experten wird eher als Einmischung empfunden, die zeitraubend und wenig zielf\u00fchrend ist.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Umgang mit Problemen<\/h4>\n\n\n\n<p>Das Zitat \u203aOur team is well balanced. We have problems everywhere.\u2039 stammt nicht von einem Briten, sondern von<br>dem amerikanischen Football-Coach Tommy Prothro&nbsp;(1920\u20121995). Es l\u00e4sst sich aber wunderbar nutzen, um die britische Haltung Problemen gegen\u00fcber zu verdeutlichen. Denn es zeigt eine fehlerfreundliche Einstellung und die<br>Art des Humors gleich mit.<\/p>\n\n\n\n<p>So ist es im britischen Arbeitsleben nicht verwerflich, Fehler zu machen, solange man sie erkennt, dazu steht und<br>daraus lernt. Erkennt man den Fehler eines Kollegen, macht man h\u00f6chstens indirekt darauf aufmerksam, man erhebt keine Anklage. Ein Konfrontationskurs ist ein absolutes No-Go. Das Potenzial, aus Fehlern zu lernen, steht f\u00fcr jeden Einzelnen im Vordergrund.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Autorin <\/em><\/strong><em>Iris Engler: Iris Engler ist auf dem Entsendungsgebiet eine sehr erfahrende und gefragte Expertin. Die Vermittlung interkultureller Kompetenz ist dabei eines ihrer Fachgebiete. Auf Grund ihrer zahlreichen internationalen Reisen und langj\u00e4hrigen Aufenthalte in anderen L\u00e4ndern, kennt sie die Kundenbed\u00fcrfnisse ausgesprochen gut. <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sind die ersten Wochen nach Start eines binationalen Projektes vergangen und auf beiden Seiten die ersten Fragezeichen aufgetaucht, dauert es meist nicht mehr lange, ehe sich ernste Konflikte am Horizont auftun. Meist wird zun\u00e4chst davon ausgegangen, dass es sich um rein zwischenmenschliche Probleme handelt, dass gewisse Menschen einfach nicht so gut miteinander k\u00f6nnen. 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