{"id":9507,"date":"2021-05-17T16:02:30","date_gmt":"2021-05-17T14:02:30","guid":{"rendered":"https:\/\/crossculture-academy.com\/?p=9507"},"modified":"2024-03-07T22:27:08","modified_gmt":"2024-03-07T22:27:08","slug":"ueber-das-gute-gelingen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/ueber-das-gute-gelingen\/","title":{"rendered":"\u00dcber das gute Gelingen &#8211; Unterschiedliche Wege zum Ziel: Deutschland und Indien"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/crossculture-academy.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Ueber-das-gute-Gelingen-51875328_s.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9508\" title=\"\"><figcaption><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Chaos pur! Um Himmels willen, was ist da los? So ist die Stimmung ein paar Stunden vor Messeer\u00f6ffnung. Wir Aussteller hatten die M\u00f6glichkeit, uns am Nachmittag vor Messebeginn zu registrieren und den Stand vorzubereiten. Soweit die Theorie.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Registrierung klappte. Wunderbar, Haken dran. Den Stand zu dekorieren \u2013 ein Ding der Unm\u00f6glichkeit. Es wurde noch ges\u00e4gt, gestrichen und gel\u00f6tet, gro\u00dfe Rollen an Kabel verlegt. Die St\u00e4nde im Rohbau. Ger\u00fcste standen im Weg. Vom Teppichboden fehlte jede Spur. Ein bei\u00dfender Geruch aus Farben f\u00fcllte die Halle, dazu ohrenbet\u00e4ubender Baul\u00e4rm.<\/p>\n\n\n\n<p>Hunderte von Arbeitern wuselten herum, schufteten und machten das Unm\u00f6gliche dann irgendwie m\u00f6glich. Jugaad! Hei\u00dft das indische Zauberwort daf\u00fcr, in letzter Sekunde f\u00fcr ein Wunder sorgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer zum ersten Mal auf einer Messe in Indien ausstellt, dem stockt bei diesem Anblick der Atem. O Gott, was geht da ab. Das klappt ja nie. Indienkenner lassen sich davon nicht mehr aus der Ruhe bringen. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass am Ende alles irgendwie gut ausgeht.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Zielerreichung auf unterschiedlichen Wegen<\/h4>\n\n\n\n<p>Indien denkt vom Ziel her. Dieses gilt es zu erreichen. Daf\u00fcr wird alle Anstrengung auf sich genommen. Nachtschichten wie im Falle der Messe inklusive. Das Ziel vor Augen werden die \u00c4rmel hochgekrempelt und angepackt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir hingegen machen als erstes einen Plan, wie wir unser Ziel erreichen. Schritt f\u00fcr Schritt, ganz genau \u00fcberlegt und durchgetaktet. Wir rechnen mit Unw\u00e4gbarkeiten und bauen Puffer ein, sollte was Unerwartetes dazwischen kommen.Wir gehen es strukturiert an, definieren Meilensteine und Etappenziele. So gehen wir auf Nummer sicher, unser Ziel zu erreichen. In unseren Augen ist das effizient. &#8222;It is the German way of getting things done!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Indien ist da anders. Das Dazwischen ist nicht so wichtig. Wenn das Ziel klar ist, dann wei\u00df doch jeder, was zu tun ist. Warum soll da alles M\u00f6gliche eingeplant werden, was sein k\u00f6nnte, aber nicht sein muss. Irgendwie kommt es ja doch immer anders. Wichtig ist nur, dass am Ende alles klappt.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Auf kulturell bew\u00e4hrtes Handeln vertrauen<\/h4>\n\n\n\n<p>Ihr Ziel erreichen beide: Deutsche wie Inder. Nur anders eben.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den deutschen Kulturstandards geh\u00f6rt Struktur, Ordnung, Gr\u00fcndlichkeit, planvolles Handeln. All das, um auf Nummer sicher zu gehen und vor unliebsamen \u00dcberraschungen gefeit zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die indische Kultur jedoch hat andere St\u00e4rken. Sie geht viel flexibler mit kurzfristigen \u00c4nderungen um, hat ein entspannteres Verh\u00e4ltnis zu Unw\u00e4gbarkeiten und ist in h\u00f6herem Ma\u00dfe anpassungsf\u00e4hig. Wenn sich in letzter Sekunde etwas \u00e4ndert, ist das kein Drama, sondern Standard. Das wirft niemanden aus der Bahn.<\/p>\n\n\n\n<p>Begr\u00fcndet sind diese unterschiedlichen kulturgepr\u00e4gten Verhaltensmuster in verschiedenen Erfahrungen. Die Umst\u00e4nde machen es aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Tendenziell ist bei uns der Erfolg gr\u00f6\u00dfer, wenn wir planvoll-strukturiert vorgehen. Wir k\u00f6nnen das tun, weil in unserer Umgebung mehr Planungssicherheit herrscht. Die Koordinaten sind zuverl\u00e4ssiger, die Situationen berechenbarer.<\/p>\n\n\n\n<p>In Indien hingegen ist aus unserem Blickwinkel eher alles chaotisch. Der Stra\u00dfenverkehr ebenso wie das Gedr\u00e4nge vor Fahrkartenschaltern oder auch das Arbeiten. Indien ist hochgradig flexibel und passt sich ganz schnell an die jeweiligen Gegebenheiten an. Wer das nicht kann, macht eine Bruchlandung.<\/p>\n\n\n\n<p>Es sind zwei verschiedene Verhaltensmuster, die zum Erfolg f\u00fchren. Planen oder scheinbar einfach drauf los: Kein kulturelles Pr\u00e4gemuster ist besser, keines schlechter. Nur anders.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Messe konnte p\u00fcnktlich ihre T\u00fcren \u00f6ffnen und die Besucher in vollem Glanz empfangen. H\u00e4tte man es \u201e100% the German way\u201c gemacht, h\u00e4tte mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts geklappt.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit man in Indien in einer Situation wie der beschriebenen Messe nicht an den Rand eines Nervenzusammenbruchs kommt, muss man die kulturellen Unterschiede kennen und darauf vertrauen, dass kulturell bew\u00e4hrtes Handeln zuverl\u00e4ssig funktioniert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Chaos pur! Um Himmels willen, was ist da los? So ist die Stimmung ein paar Stunden vor Messeer\u00f6ffnung. Wir Aussteller hatten die M\u00f6glichkeit, uns am Nachmittag vor Messebeginn zu registrieren und den Stand vorzubereiten. Soweit die Theorie. Die Registrierung klappte. Wunderbar, Haken dran. Den Stand zu dekorieren \u2013 ein Ding der Unm\u00f6glichkeit. 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