{"id":4916,"date":"2016-12-12T23:22:15","date_gmt":"2016-12-12T22:22:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.crossculture-academy.com\/?p=4916"},"modified":"2024-03-07T22:27:05","modified_gmt":"2024-03-07T22:27:05","slug":"die-kunst-des-kleinen-gespraechs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/die-kunst-des-kleinen-gespraechs\/","title":{"rendered":"Die Kunst des kleinen Gespr\u00e4chs"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image is-style-default\"><a href=\"https:\/\/crossculture-academy.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Kinder-im-Ausland-zweisprachig-erziehen.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/crossculture-academy.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Kinder-im-Ausland-zweisprachig-erziehen-300x225.jpg\" alt=\"English language school and education concept with the letters Abc and the colors of The United Kingdom flag on white background.\" class=\"wp-image-1242\" title=\"\"><\/a><figcaption><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Wof\u00fcr ich die Briten am meisten bewundere, ist ihre F\u00e4higkeit, jeden mit Leichtigkeit in den Small Talk zu ziehen. Dies gelingt, indem am Gespr\u00e4chsanfang nach potenziellen Gemeinsamkeiten gesucht und das weitere Gespr\u00e4ch darauf aufgebaut wird. Uns Deutschen liegt das nicht besonders. Umso mehr macht es Sinn, diese britische Gabe genau zu studieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich lebe seit \u00fcber acht Jahren in England. Vor ein paar Tagen war ich auf einer christmas party &#8211; in diesem Fall ein kleiner Stehempfang &#8211; bei&nbsp;Philippa, einer \u00e4lteren Dame aus der Nachbarschaft. Dort hatte ich mal wieder die&nbsp;Gelegenheit, genau zu verfolgen, wie potenzielle Gemeinsamkeiten ins Gespr\u00e4ch f\u00fchren. Und manchmal wird dazu auch alles ein wenig zurechtgebogen. Denn es geht beim Small Talk nicht wirklich um die Inhalte des Gespr\u00e4chs, sondern einfach darum, eine positive Atmosph\u00e4re zu schaffen. Ist dies erreicht, kann man sich etwas ernsthafter unterhalten.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Let me introduce you to\u2026<\/h4>\n\n\n\n<p>Philippa: \u201cOh Katrin, darling, there you are. Come over here, let me introduce you to Elise. Elise is from Germany, too. She is from Strasbourg.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Philippa l\u00e4chelt mich erwartungsvoll an, ebenso wie Elise, die direkt neben ihr steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Verstand sagt mir sofort: Stra\u00dfburg ist in Frankreich. Gleichzeitig denke ich aber auch: Jetzt nicht gleich als besserwisserische Deutsche daherkommen. Ich entscheide mich f\u00fcr ein diplomatisches: \u201eOh, how wonderful.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist Philippa wohl noch nicht genug. Also schiebt sie nach: \u201cYou could speak German together! Isn\u2019t that great? Two Germans at my little christmas party.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Elise l\u00e4chelt und sagt: \u201eMais oui.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Verstand meldet: Das war Franz\u00f6sisch, nicht Deutsch. Ich lasse es auf sich beruhen und versuche, das Gespr\u00e4ch in sicherere Gefilde zu lenken: \u201eWhat brings you to England, Elise?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Philippa ist offensichtlich mit mir zufrieden. Sie sagt: \u201cI\u2019ll leave you two to share some memories.\u201d Dann schreitet sie davon, um weitere G\u00e4ste zu begr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Konversation mit Elise<\/h4>\n\n\n\n<p>Ich unterhalte mich weiter mit Elise, auch wenn ich Zweifel habe, dass wir gemeinsame Erinnerungen ausgraben werden. Es stellt sich heraus, dass sie vor rund zehn Jahren ein paar Monate in Deutschland gelebt hat und \u2013 auch bedingt durch ihr Aufwachsen in der N\u00e4he von Stra\u00dfburg \u2013 Els\u00e4ssisch und etwas (Hoch)Deutsch spricht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir bleiben trotzdem neutral beim Englischen, das scheint ihr angenehmer zu sein. Ich deute dezent an, dass Philippa da wohl etwas verwechselt hat. Elise lacht nur und sagt: \u201cI know, it doesn\u2019t matter really. Does it?\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Nein, eigentlich nicht. Solange der franz\u00f6sische Nationalstolz das aush\u00e4lt, soll es mir recht sein.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Reden ist Silber, Schweigen ist Gold<\/h4>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter \u2013 ich unterhalte mich mit ein paar weiteren Nachbarn&nbsp;\u2013 stehe ich mit dem R\u00fccken zu Philippa und Elise. Ich h\u00f6re Philippa rufen: \u201cFran\u00e7oise, do come here, Love. Let me introduce you to Elise. She is French as well! Isn\u2019t that wonderful? Two French ladies at my party.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Sie hat also Elises dezenten Hinweis \u201cMais oui\u201d (statt deutsch: \u201eAber ja\u201c) verstanden oder wei\u00df wahrscheinlich ohnehin selbst, dass Stra\u00dfburg in Frankreich liegt. Es w\u00e4re wirklich unn\u00f6tig besserwisserisch von mir gewesen, sie darauf hinzuweisen. Hauptsache, wir haben uns gut unterhalten. Und das haben wir.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Autorin<\/strong>: Katrin Koll Prakoonwit<\/em>\u00a0\u2013\u00a0<em>Bevor sie sich als Journalistin selbst\u00e4ndig machte, schrieb<em>\u00a0Katrin Koll Prakoonwit<\/em>\u00a0L\u00e4nderanalysen f\u00fcr die FAZ. Heute arbeitet sie f\u00fcr Publikationen verschiedener Beratungsunternehmen und Verlage. Frau Koll Prakoonwit lebt in Reading, Berkshire, bei London.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Bild: \u00a9 iStockphoto.com\/NiroDesign<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wof\u00fcr ich die Briten am meisten bewundere, ist ihre F\u00e4higkeit, jeden mit Leichtigkeit in den Small Talk zu ziehen. Dies gelingt, indem am Gespr\u00e4chsanfang nach potenziellen Gemeinsamkeiten gesucht und das weitere Gespr\u00e4ch darauf aufgebaut wird. Uns Deutschen liegt das nicht besonders. Umso mehr macht es Sinn, diese britische Gabe genau zu studieren. 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