{"id":16721,"date":"2023-05-24T14:49:08","date_gmt":"2023-05-24T12:49:08","guid":{"rendered":"https:\/\/crossculture-academy.com\/?p=16721"},"modified":"2024-09-18T12:34:12","modified_gmt":"2024-09-18T12:34:12","slug":"als-expat-im-ausland-erfolgreich-wie-die-rueckkehr-leichter-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/als-expat-im-ausland-erfolgreich-wie-die-rueckkehr-leichter-wird\/","title":{"rendered":"Als Expat im Ausland erfolgreich &#8211; Interview: Wie die R\u00fcckkehr leichter wird."},"content":{"rendered":"\r\n<p><strong>Das Thema R\u00fcckkehr haben die wenigsten Expats auf dem Schirm. Man kommt ja nach Hause \u2013 darauf muss man sich nicht vorbereiten. Eine absolute Fehleinsch\u00e4tzung. Ohne rechtzeitige Vorbereitung ist der Aufprall im Heimatland h\u00e4ufig und unerwartet hart. Um diesen abzumildern, f\u00fchrt Karin Busch R\u00fcckkehrseminare f\u00fcr Expats, deren Partnerinnen* und Familien \u2013 auch f\u00fcr die crossculture academy \u2013 an. Im Gespr\u00e4ch schildert sie den Prozess, den Expats durchlaufen, und wie ein Coaching hilft, wieder in der Heimat anzukommen.<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Frau Busch, bevor Expats ins Ausland gehen, haben sie jede Menge um die Ohren und denken verst\u00e4ndlicherweise nicht an die R\u00fcckkehr. Auch im Zielland haben sie mit den unterschiedlichsten Herausforderungen zu tun. Nichtsdestotrotz sollten sie sich Ihrer Meinung mit dem Thema besch\u00e4ftigen. Ab wann?<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Karin Busch: Gerade bei Familien etwa 9 bis 10 Monate bevor es wieder zur\u00fcckgeht. Das w\u00e4re ideal. Ich sehe da aber auch die Entsendeunternehmen in der F\u00fcrsorgepflicht, denn inzwischen ist klar, dass die R\u00fcckkehr in die scheinbar vertraute Heimat oft mehr Probleme mit sich bringt als die Entsendung.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Inwiefern?<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Karin Busch: Fr\u00fcher war man der Meinung, dass der Expat ja nach Hause kommt und alles beim alten ist. Er spricht die Sprache, kennt das Land, das Unternehmen. Man hat aber v\u00f6llig untersch\u00e4tzt, wie sehr sich der Expat durch die Zeit im Ausland ver\u00e4ndert hat und wie ihm das scheinbar Vertraute mit der Zeit fremd geworden ist. Versetzen Sie sich in die Situation des Expats und stellen Sie sich vor, dass Sie mit Ihrer Familie 3 Jahre im Ausland waren. Sie hatten eine wichtige Position im Unternehmen, einen entsprechenden beruflichen Status und haben in der Regel eine hohe soziale Akzeptanz erfahren. Sie konnten Projekte initiieren und realisieren, hatten deutlich gr\u00f6\u00dfere Entscheidungskompetenzen und Personalverantwortung. Ihre Familie hat sich gut eingelebt und Sie hatten eine gemeinsame sch\u00f6ne Zeit im Ausland. Dann kommen Sie zur\u00fcck, mit all dem reflektierten Wissen und Erfahrungen, neuen Sichtweisen und stehen vor einem Berg mit unerwarteten Schwierigkeiten. Das ist eine extreme Belastung, sei es als Single oder Familie.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Welche Schwierigkeiten sind das?<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Karin Busch: Es geht los mit der Wohnungs- bzw. Haussuche. Dann ist oft unklar, ob der Expat eine Stelle im Unternehmen bekommt, die seiner Expertise entspricht. Wie sieht\u2019s aus mit Versicherungen, Auto, einem Kitaplatz f\u00fcr die Kinder? Der Expat und seine Familie m\u00fcssen sich um alles allein k\u00fcmmern. Bis das einigerma\u00dfen in geraden Bahnen l\u00e4uft, vergehen 3 bis 4 Monate.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Ist der R\u00fcckkehrprozess dann abgeschlossen?<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Karin Busch: Nein, \u00fcberhaupt nicht! Mit dem Begreifen des R\u00fcckkehrprozesses und seinen privaten wie beruflichen wechselseitigen Einfl\u00fcssen werden die Problemfelder deutlich und sind eine Belastung. H\u00e4ufig kommt es vor, dass es im Unternehmen niemanden interessiert, welche Erfahrungen der Expat im Ausland gesammelt hat, geschweige denn, wie er sein Wissen einbringen kann. Manche Kollegen sind wom\u00f6glich neidisch, was sich negativ auf die Arbeitsatmosph\u00e4re auswirkt. Die K\u00fcndigungsrate ist bei Expats hoch: Jeder vierte verl\u00e4sst das Unternehmen ein Jahr nach seiner R\u00fcckkehr, weil er sich nicht gesehen und allein gelassen f\u00fchlt. Was f\u00fcr ein Verlust an Kompetenzen!<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/crossculture-academy.com\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Illustration-1-1024x724.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16724\" title=\"\"><figcaption><\/figcaption><\/figure>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Welche Themen gibt es im privaten Leben?<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Hier kommt hinzu, dass die Partnerin ebenfalls eine schwierige Phase durchlebt: Sie sucht vielleicht einen neuen Job, k\u00fcmmert sich parallel um die Kinder, den Haushalt und organisiert das Familienleben. Nicht zu vergessen die allt\u00e4glichen Dinge, an die sich der Expat und seine Familie wieder gew\u00f6hnen m\u00fcssen: Verkehr, Klima, Essen, Leute, Schule bzw. Kita, die Art der hier gelebten Kommunikation, Umgang mit Hierarchien. Keiner hat Zeit f\u00fcr sich, sondern funktioniert nur. Das harmonische Familienleben, das der Expat im Ausland hatte, gibt es pl\u00f6tzlich nicht mehr. Gleichgesinnte fehlen h\u00e4ufig. Das verursacht f\u00fcr die ganze Familie unglaublich viel Stress. So wie sie einen Kulturschock im Zielland erlebt haben, erleben sie nun einen Reentry-Schock.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Was macht das Ihrer Erfahrung nach mit den Paaren?<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Karin Busch: Ich erlebe, dass die Partner, die beide in ganz unterschiedlich belastenden Situationen stecken, sich anfangen zu schonen. Sie sprechen nicht \u00fcber ihre Probleme und Sorgen, sind nicht mehr aufrichtig zueinander. Keiner m\u00f6chte den anderen belasten. Eine unheilvolle Dynamik. Die spiegelt sich auch in der Scheidungsrate, die bei Expats und ihren Partnerinnen zwei Drittel h\u00f6her ist als im bundesweiten Durchschnitt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Was ist mit den Kindern?<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Karin Busch: Kinder erleben die Reentry-Phase ebenfalls. Die zeigt sich beispielsweise, indem sie pl\u00f6tzlich wieder ins Bett n\u00e4ssen oder nur bei Licht schlafen wollen. Deutlicher Leistungsabfall in der Schule und Stimmungsschwankungen sind ebenfalls Anzeichen daf\u00fcr. Ein Elternpaar berichtete mir von Verhaltensauff\u00e4lligkeiten ihres 8-j\u00e4hrigen Sohnes. Sie fanden es \u00e4u\u00dferst befremdlich, dass er sich wie ein kleiner Hund verhielt, der gef\u00fcttert und gestreichelt werden wollte. Als ich ihnen sagte, dass das eine ganz normale Reaktion auf eine anormale Situation sei, fiel ihnen ein riesengro\u00dfer Stein vom Herzen. Sie verstanden, dass&nbsp; sich ihr Sohn \u00fcber diese Rolle genau das holte, was er brauchte, n\u00e4mlich Zuwendung und Liebe. Und ihnen wurde klar, dass es nicht an ihnen, sondern an den Umst\u00e4nden liegt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Es w\u00e4re also hilfreich, wenn die Eltern diese Prozesse kennen w\u00fcrden und im Vorfeld w\u00fcssten, was auf sie zukommt?<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Karin Busch: Auf jeden Fall! Mein Motto lautet: Aufkl\u00e4rung, Aufkl\u00e4rung, Aufkl\u00e4rung, und zwar rechtzeitig. Eine R\u00fcckkehr-Begleitung sollte Pflicht sein und zum Standard geh\u00f6ren, denn sie ist sehr wirksam \u2013 nicht nur f\u00fcr die Paare bzw. Familien, sondern auch f\u00fcr die Unternehmen. Die Expats verf\u00fcgen \u00fcber ein enormes Wissen sowie \u00fcber ausgepr\u00e4gte soziale und interkulturelle Kompetenz. Da sollte es im Interesse jedes Unternehmens sein, diese hochkompetenten Mitarbeiter zu halten, f\u00fcr deren Entsendung sie sehr viel Geld ausgegeben haben.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Sind sich die Expats ihrer F\u00e4higkeiten bewusst?<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Karin Busch: Oftmals nicht. Deswegen erarbeiten wir im Coaching, welche Kompetenzen sie durch den Auslandsaufenthalt entwickelt haben und wie sie diese in ihren neuen Arbeitsalltag \u00fcbertragen k\u00f6nnen. Darin steckt unglaublich viel Potenzial, das leider viel zu wenig genutzt wird.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Sie sprachen anfangs von einem R\u00fcckkehrprozess. Wann ist der abgeschlossen?<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Karin Busch: Das h\u00e4ngt von mehreren Faktoren ab, zum Beispiel vom Alter und der Pers\u00f6nlichkeitsstruktur, von der Aufenthaltsdauer im Gastland und den kulturellen Unterschieden. Wer 2 Jahre im Ausland war, braucht erfahrungsgem\u00e4\u00df ein Jahr, um wieder im Heimatland anzukommen. Das potenziert sich, je l\u00e4nger man fort war. Bei mir hat es 4 Jahre gedauert, denn ich habe 16 Jahre in unterschiedlichen Teilen der Welt gelebt. Ich kann auf jedem Fall nur die Empfehlung geben: Stecken Sie nicht soviel Energie an die Anpassung hier! Finden Sie einen Weg, all das Gelernte und Erfahrene in Ihre Lebensbiografie zu integrieren und bleiben Sie somit authentisch!<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Von 1980 bis 1994 lebte und arbeitete Karin Busch kontinuierlich in verschiedenen L\u00e4ndern im europ\u00e4ischen, arabischen und afrikanischen Raum. Sie war unter anderem viele Jahre lang als Projektleiterin im Rahmen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit t\u00e4tig. Seit 1995 lebt Karin Busch wieder in Deutschland. Sie arbeitet freiberuflich als Beraterin, Supervisorin und Trainerin im internationalen Kontext.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>*Da es zu 95 % Frauen sind, die als Begleitung mit ins Ausland gehen, sprechen wir im Text von \u201ePartnerin\u201c. Begleitende Partner sind selbstverst\u00e4ndlich mit angesprochen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Thema R\u00fcckkehr haben die wenigsten Expats auf dem Schirm. Man kommt ja nach Hause \u2013 darauf muss man sich nicht vorbereiten. Eine absolute Fehleinsch\u00e4tzung. Ohne rechtzeitige Vorbereitung ist der Aufprall im Heimatland h\u00e4ufig und unerwartet hart. 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