{"id":15379,"date":"2022-11-01T17:13:00","date_gmt":"2022-11-01T16:13:00","guid":{"rendered":"https:\/\/crossculture-academy.com\/?p=15379"},"modified":"2024-09-18T12:28:11","modified_gmt":"2024-09-18T12:28:11","slug":"religion-im-indien-geschaeft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/religion-im-indien-geschaeft\/","title":{"rendered":"Religion im Indien-Gesch\u00e4ft"},"content":{"rendered":"\r\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/crossculture-academy.com\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Religion-im-Indien-Geschaeft-300x233-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-15380\" title=\"\"><figcaption><\/figcaption><\/figure>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Eigentlich wollten Sie den tollen Gesch\u00e4ftsabschluss feiern und haben dazu schon den Champagner kalt stellen lassen. Allerdings kommt es bei Ihren Gesch\u00e4ftspartnern gar nicht gut an, dass Sie mit Alkohol ansto\u00dfen m\u00f6chten. Dabei hat alles so sch\u00f6n begonnen und jetzt sind Sie in ein kulturelles Fettn\u00e4pfchen getappt, bevorzugt man in Indien mehrheitlich nicht-alkoholische Getr\u00e4nke.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die Businesskultur macht da kaum eine Ausnahme. Religi\u00f6se Vorschriften sind die Ursache f\u00fcr dieses Verhaltensmuster. Gut, schon wieder was gelernt, denken Sie. Religion muss in Indien trendy sein. Denn wie w\u00e4re es sonst zu erkl\u00e4ren, dass der Vertrag an einem ganz bestimmten Tag zu einer ganz bestimmten Zeit unterschrieben werden musste, weil die Sterne da besonders g\u00fcnstig stehen. Obwohl Sie dar\u00fcber irritiert waren, willigten Sie ein. Schlie\u00dflich sollte dem Gesch\u00e4ftserfolg nichts im Wege stehen. Klar, Sie gingen auch mit in den Tempel, weil Ihrem Gesch\u00e4ftspartner der g\u00f6ttliche Segen wichtig ist. Kann nicht schaden, den Beistand von Oben zu erbitten, sagten Sie sich und lie\u00dfen die Zeremonie \u00fcber sich ergehen. Sie konnten nichts verstehen, fanden es aber interessant, das mitzuerleben. Tolle Atmosph\u00e4re, einmal was ganz anders, und die vielen G\u00f6tter. Wer ist da \u00fcberhaupt wer? In Indien scheint das Motto zu gelten: \u201eViel hilft viel\u201c. Warum g\u00e4be es sonst so viele G\u00f6ttinnen und G\u00f6tter? Die G\u00f6tterbilder im B\u00fcrokomplex fallen Ihnen ein, besonders der elefantenk\u00f6pfige Ganesha mit dem dicken Bauch. Bunt und geschm\u00fcckt mit Blumengirlanden. Selbsterkl\u00e4rend ist das alles nicht. Vieles erscheint Ihnen unglaublich und Sie sagen sich: \u201eDas ist eben Incredible India!\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Religion ist pr\u00e4sent<\/h4>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Ja, es stimmt. Religion ist in Indien wichtig. Sie ist pr\u00e4sent, offenkundig und wird sichtbar zelebriert. Indien atmet Spiritualit\u00e4t. Religion bestimmt den Alltag der Menschen und ist \u00f6ffentlich. Der Hinduismus, dessen verschiedenen Richtungen (z.B. Anh\u00e4nger Shivas, Vishnus, Krishnas, Kalis etc.) 80,5 Prozent der Inder angeh\u00f6ren, formt als Mehrheitsreligion das Verhalten der Menschen und pr\u00e4gt seit Jahrtausenden die Kultur. Kunst ist in Indien urspr\u00fcnglich religi\u00f6se Kunst. Musik, Tanz, Architektur, Malerei und Bildhauerei z.B. dienen zur Freude der G\u00f6tter. F\u00fcr s\u00e4kular sozialisierte Menschen aus dem Westen sind bisweilen sowohl die \u00f6ffentliche Pr\u00e4senz als auch das selbstverst\u00e4ndlich demonstrierte religi\u00f6se Bekenntnis irritierend. Gerade in Europa ist die Mehrheit der Ansicht, dass Religion Privatsache sei und &#8211; mit Ausnahme der institutionell verfassten Religionsgemeinschaften (z.B. Kirchen als Arbeitgeber) &#8211; im Gesch\u00e4ftsleben keinerlei Rolle spielen d\u00fcrfe.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Spiritualit\u00e4t und religi\u00f6se Lebensweisheit waren und sind ein wichtiges indisches Pr\u00e4gemuster und vielfach sogar ein finanziell lukratives Exportgut. Schauen wir kurz auf die Szene: Yoga ist absolut im Trend. Rund um den Globus \u00fcben Millionen von Menschen nicht nur die richtigen K\u00f6rperhaltungen (asanas), sondern erfahren auch, dass der belebende Atem kosmische Kraft ist, der in der Wiederholung der Heiligen Ursilbe \u201eAum\u201c nachzusp\u00fcren ist. Gurus treffen mit ihren Weisheiten den wunden Punkt bei Stressgeplagten wie Sinnsuchenden, denen sie nicht selten die Rezitation bestimmter Mantras empfehlen, um body, mind and soul in Balance zu bringen. Den Tod des philanthropischen Bhagwan Sri Sathya Sai Baba (1926-2011) betrauerten weltweit mehr als 25 Millionen Anh\u00e4nger. Oshos Lebensratgeber stehen als internationale Bestseller in den Esoterikabteilungen der Buchhandlungen und ein retreat im Ashram ist f\u00fcr viele mittlerweile ein angesagtes Lifestyle-Produkt. Alles made in India.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Teilhaben ist besser als ignorieren<\/h4>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>\u201eNichts f\u00fcr mich\u201c, sagen sich viele aus der Welt des Managements und denken, dass all das ziemlich ausgefallen sei und getrost ignoriert werden k\u00f6nnte. Doch so einfach ist es keineswegs: Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Sie \u00fcber Ihre indischen Gesch\u00e4ftspartner in Kontakt mit gelebter Religion und praktizierter Spiritualit\u00e4t kommen und sich irgendwie damit arrangieren m\u00fcssen. \u00c4u\u00dferst hilfreich ist es dabei, wenn Sie \u00fcber Basiswissen verf\u00fcgen und dieses einbringen und im Mit-Erleben vertiefen. Keine Angst: Niemand will Sie zu seiner Religion bekehren. Aber man m\u00f6chte Sie ein wenig teilhaben lassen an dem, was einem wichtig und selbstverst\u00e4ndlich ist. Entsprechend sch\u00e4tzen Ihre Gesch\u00e4ftspartner, wenn Sie sich f\u00fcr Religion und Spiritualit\u00e4t interessieren, an entsprechenden Zeremonien teilnehmen und Fragen stellen, was die Riten, Br\u00e4uche und Zeichen im Einzelnen bedeuten.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Religion und Spiritualit\u00e4t sind wichtige kulturbestimmende Faktoren in Indien, die sowohl offenkundig als auch subtil in die Businesswelt einflie\u00dfen. Allein schon der in Indien \u00fcbliche Gru\u00df \u201eNamaste\u201c oder \u201eNamaste ji\u201c ist daf\u00fcr ein Indikator. \u00dcbersetzt man diese Formulierung, so ist sie mit \u201eguten Tag\u201c oder \u201eWillkommen\u201c nicht richtig wiedergegeben. Vielmehr hei\u00dft es: \u201eDas G\u00f6ttliche in mir gr\u00fc\u00dft das G\u00f6ttliche in Dir!\u201c Das bayerische \u201eGr\u00fc\u00df Gott\u201c kommt in die N\u00e4he und deutet wie der indische Gru\u00df an, dass der andere, das Gegen\u00fcber, Sitz des G\u00f6ttlichen ist und entsprechend respektvoll, ehrw\u00fcrdig zu behandeln ist. Allein dies ist schon eine Information \u00fcber das Menschen- und Weltbild Indiens, das ohne das G\u00f6ttliche mit seinen vielen Namen nicht auskommt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>F\u00fcr Ihren Gesch\u00e4ftserfolg und nicht zuletzt das Feintuning in Sachen Mitarbeiterf\u00fchrung ist es hilfreich, den in Indien seit mehreren Jahrtausenden implementierten religi\u00f6sen Pr\u00e4gemustern erh\u00f6hte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, weil sie im Alltag leitend sind und das Denken und Handeln bestimmen. Und vielleicht finden Sie neben allem vorteilschaffenden Pragmatismus auch Interesse, der kulturformenden Spur des G\u00f6ttlichen in Indien nachzusp\u00fcren und auf diese Weise noch besser zu verstehen, wie die Menschen in Indien ticken.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Im nachfolgenden Beitrag Religion im Indien-Gesch\u00e4ft &#8211; Das richtige Verhalten finden Sie einen Guide f\u00fcr Gelegenheiten, bei denen Sie im Indien-Business mit Religion und Spiritualit\u00e4t in Ber\u00fchrung kommen k\u00f6nnen. Es wird erkl\u00e4rt, was Sie zu erwarten haben und wie Sie sich bei den jeweiligen Anl\u00e4ssen am besten verhalten.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong><em>Autorin:<\/em><\/strong><em> Prof. Dr. Simone Rappel \u2013Seit 1995 ist die Theologin und Religionswissenschaftlerin in der internationalen Zusammenarbeit t\u00e4tig und hat \u00fcber 20 Jahre Erfahrung als F\u00fchrungskraft und im Projektmanagement. Heute arbeitet sie u. a. als interkulturelle Trainerin mit Schwerpunkt auf indisch-deutsche Zusammenarbeit.<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich wollten Sie den tollen Gesch\u00e4ftsabschluss feiern und haben dazu schon den Champagner kalt stellen lassen. Allerdings kommt es bei Ihren Gesch\u00e4ftspartnern gar nicht gut an, dass Sie mit Alkohol ansto\u00dfen m\u00f6chten. Dabei hat alles so sch\u00f6n begonnen und jetzt sind Sie in ein kulturelles Fettn\u00e4pfchen getappt, bevorzugt man in Indien mehrheitlich nicht-alkoholische Getr\u00e4nke. 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