{"id":15363,"date":"2022-06-07T16:55:00","date_gmt":"2022-06-07T14:55:00","guid":{"rendered":"https:\/\/crossculture-academy.com\/?p=15363"},"modified":"2024-09-18T12:27:11","modified_gmt":"2024-09-18T12:27:11","slug":"polnische-flexibilitaet-hoch-drei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/polnische-flexibilitaet-hoch-drei\/","title":{"rendered":"Polnische Flexibilit\u00e4t hoch drei"},"content":{"rendered":"\r\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/crossculture-academy.com\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Polnische-Flexibilitaet-300x199-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-15364\" title=\"\"><figcaption><\/figcaption><\/figure>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Es ist ein sch\u00f6ner frostiger Wintertag in Krakau. Ich soll um 9:00 Uhr ein interkulturelles Training f\u00fcr ein polnisch-franz\u00f6sisches Team durchf\u00fchren. Um kurz nach 8:30 Uhr stehe ich am Empfang des Auftraggebers, ein polnisches mittelst\u00e4ndisches Unternehmen. Eine junge Mitarbeiterin der Firma begr\u00fc\u00dft mich mit einem freundlichen L\u00e4cheln und f\u00fchrt mich in den Seminarraum.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Chinesen im polnisch-franz\u00f6sischen Seminar<\/h4>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Der Small Talk \u2013 eigentlich ein Big Talk \u2013 mit dem Projektleiter ist sehr angenehm und nebenbei, w\u00e4hrend ich die Technik ausprobiere, kl\u00e4rt er kurz mit den Teilnehmenden ein paar Details. \u201eDie Multitasking-F\u00e4higkeit ist etwas Tolles!\u201c, sage ich. \u201eAllerdings besteht immer die Gefahr, dass man die Zeit dabei vergisst,\u201c erg\u00e4nzt er. \u201eSehen Sie, alle sind rechtzeitig da: die Franzosen, die Deutschen, die Chinesen. Nur meine polnischen Mitarbeiter schaffen es nicht rechtzeitig, zwei Stockwerke nach unten zu kommen. K\u00f6nnten Sie bitte das Thema &#8222;Zeit&#8220; w\u00e4hrend des Seminars ansprechen?\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Dass die Uhren in unterschiedlichen Kulturkreisen anders ticken, erl\u00e4utere ich in interkulturellen Seminaren immer an Beispielen, die f\u00fcr viel gute Laune sorgen. Allerdings frage ich mich gerade, was die Chinesen und die Deutschen bei dem polnisch-franz\u00f6sischen Training zu suchen haben? Willkommen in der polnischen Realit\u00e4t, wo nicht nur Zeitangaben flexibel gehandhabt werden, sondern die Flexibilit\u00e4t das Leben bestimmt! Ich hatte schon Sehnsucht nach Improvisation!<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Drei Tage vor Seminarbeginn hatte ich von den Organisatoren erfahren, dass neben den polnischen und franz\u00f6sischen Teilnehmenden, auch die deutschen Mitarbeiter anwesend sein werden. Von den Chinesen war jedoch keine Rede gewesen. Kurz vor 9:00 Uhr frage ich also, ob ich die \u201eunerwarteten G\u00e4ste\u201c aktiv einbeziehen soll? Da ich keine eindeutige Antwort bekomme, frage ich am Anfang des Seminars, ob sie lieber eine Beobachterrolle einnehmen oder aktiv teilnehmen m\u00f6chten? Alle sind hochmotiviert und entscheiden sich f\u00fcr die zweite Alternative.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Gegen 9:15 Uhr sind schlie\u00dflich alle da. Lingua franca des Trainings ist Englisch, aber die informellen Gespr\u00e4che und zum Teil auch die Gruppenarbeiten f\u00fchre ich auf Deutsch, Franz\u00f6sisch und Polnisch durch, um sicherzugehen, dass erstens die Atmosph\u00e4re nett ist und zweitens alles richtig verstanden wird. Flexibilit\u00e4t hoch drei.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Durchgewirbelte Agenda<\/h4>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Gegen 9.30 Uhr kommt ein Teilnehmer zu mir und fragt, ob wir p\u00fcnktlich Schluss machen werden? \u201eJa, klar!\u201c, versichere ich. \u201eIch wohne seit \u00fcber zehn Jahren in Deutschland\u201c, schiebe ich noch scherzhaft hinterher. Dann nennt er eine Uhrzeit, die zwei Stunden sp\u00e4ter als der geplante Schluss ist und geht. \u201eMoment mal!\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Sp\u00e4ter spreche ich mit dem Projektleiter und stelle fest, dass meine Agenda von der polnischen Firma ganz an den Rhythmus des Unternehmens angepasst worden ist, ohne dass mich irgendjemand vorher informiert hat. Das Problem ist, dass ich im Anschluss noch ein Treffen habe und rechtzeitig Schluss machen musst. Daraufhin schlage ich vor, dass wir die Lunchpause nach hinten verschieben, sodass ich p\u00fcnktlich weg kann. \u201eIch bin flexibel\u201c, sage ich. &#8222;Aber auch meine Flexibilit\u00e4t hat ihre Grenzen&#8220;, denke ich insgeheim.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>An diesem Tag haben wir das Training, wie geplant, um \u201emeine Uhrzeit\u201c beendet. Die Teilnehmenden haben sich sogar sehr gefreut, weil sie dadurch noch ein bisschen Zeit gewonnen haben, um an ihrem gemeinsamen Projekt zu arbeiten. Nach der Feedbackrunde habe ich mich bei den Polen, Franzosen, Deutschen und Chinesen f\u00fcr ein tolles interkulturelles Training bedankt. Ich habe viel gelernt &#8230;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong><em>Autorin:<\/em><\/strong><em> Johanna Sell &#8211; Johanna Sell stammt aus Polen und ist interkulturelle Trainerin. Sie ist spezialisiert auf die interkulturelle Sensibilisierung im europ\u00e4ischen Raum. Dar\u00fcber hinaus ist sie Autorin und gibt Vorlesungen an der Leibniz Universit\u00e4t in Hannover und Hildesheim.<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist ein sch\u00f6ner frostiger Wintertag in Krakau. Ich soll um 9:00 Uhr ein interkulturelles Training f\u00fcr ein polnisch-franz\u00f6sisches Team durchf\u00fchren. Um kurz nach 8:30 Uhr stehe ich am Empfang des Auftraggebers, ein polnisches mittelst\u00e4ndisches Unternehmen. 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