{"id":15180,"date":"2022-03-24T15:31:23","date_gmt":"2022-03-24T14:31:23","guid":{"rendered":"https:\/\/crossculture-academy.com\/?p=15180"},"modified":"2024-09-18T12:09:03","modified_gmt":"2024-09-18T12:09:03","slug":"kulturelle-unterschiede-ostafrika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/kulturelle-unterschiede-ostafrika\/","title":{"rendered":"Kulturelle Unterschiede Ostafrika"},"content":{"rendered":"\r\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/crossculture-academy.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Flag-East-African-Community.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-15181\" title=\"\"><figcaption><\/figcaption><\/figure>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>In ostafrikanischen L\u00e4ndern wie Tansania, Kenia, Uganda, Burundi, Ruanda und Malawi ist es essentiell, sich bei der Projektanbahnung gen\u00fcgend Zeit zu lassen. Um eine gewisse Vertrauensbasis herzustellen, ist es nicht ungew\u00f6hnlich, mit potenziellen Gesch\u00e4ftspartnern erst einmal ausgiebig \u00fcber Privates zu sprechen. Die Familie ist in ostafrikanischen Gesellschaften sehr wichtig und wird daher gerne zum Gespr\u00e4chsthema erhoben. Gemeinsam Essen gehen und sich gegenseitig Besuchen sind weitere probate Mittel, um sich gegenseitig besser kennenzulernen. Achten Sie generell darauf, nicht nach deutscher Art mit der T\u00fcr ins Haus zu fallen, sondern ausreichend Zeit vergehen zu lassen, bis man nach und nach zum Gesch\u00e4ftlichen \u00fcbergeht.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Ausf\u00fchrliche Begr\u00fc\u00dfung<\/h4>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Vor diesem Hintergrund gilt es, die Begr\u00fc\u00dfung potenzieller Gesch\u00e4fts- und Projektpartner angenehm zu gestalten. Eine lange, ausf\u00fchrliche Begr\u00fc\u00dfung ist f\u00fcr Ostafrikaner sehr wichtig. Es gilt als h\u00f6flich, nach der Familie, dem Haus, dem Wetter, der Anreise und dem Allgemeinzustand zu fragen. Um von Anfang an eine Br\u00fccke zu schlagen, ist es besonders empfehlenswert, zumindest ein paar Swahili-Floskeln zu lernen und damit das Gespr\u00e4ch zu er\u00f6ffnen. Im weiteren Verlauf kann dann die Sprache gewechselt werden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Besonders in Tansania, Burundi, Ruanda, Malawi und Uganda sollten Sie unbedingt darauf achten, welchen Rang und welchen Alters die Person ist, mit der Sie sprechen. Besonderer Respekt und H\u00f6flichkeit gegen\u00fcber \u00e4lteren und\/oder um Rang h\u00f6heren Menschen ist \u00e4u\u00dferst wichtig. Ein Versto\u00df gegen das geltende Seniorit\u00e4tsprinzip kann sehr br\u00fcskieren.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Dar\u00fcber hinaus macht ein kr\u00e4ftiger Handschlag einen guten Eindruck. Ideal ist es, wenn die Hand des Gegen\u00fcbers mit beiden H\u00e4nden umfasst wird. Frauen sollten darauf achten, M\u00e4nnern nicht zu stark in die Augen zu sehen, da das schnell falsch verstanden werden kann. Ostafrikanische Frauen senken meist M\u00e4nnern gegen\u00fcber ihren Blick. Das wird von europ\u00e4ischen Frauen zwar nicht erwartet, ein zu starkes &#8222;Starren&#8220; kann aber verunsichern.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h4 class=\"wp-block-heading\">F\u00fchrungskr\u00e4fte haben in Meetings das letzte Wort<\/h4>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Nach einer langen Begr\u00fc\u00dfung m\u00fcssen Sie sich auch auf lange dauernde Meetings einstellen. Dies ist teilweise der Tatsache geschuldet, dass Ostafrikaner sehr indirekt kommunizieren. Vor allem kritische Punkte m\u00fcssen sehr sachlich und h\u00f6flich ge\u00e4u\u00dfert werden. Westliche Manager gelten wegen ihres vergleichsweise sehr direkten Kommunikationsstils daher oft als zu &#8222;draufg\u00e4ngerisch&#8220; und unh\u00f6flich.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Daneben sind in den Gespr\u00e4chen die jeweiligen Hierarchiestufen der einzelnen Teilnehmer zu beachten. Generell gilt: F\u00fchrungskr\u00e4fte bekommen das erste und das letzte Wort. Es ist dennoch wichtig, alle Teilnehmenden eines Meetings ausreichend zu Wort kommen zu lassen, auch wenn die letztendliche Entscheidung beim Rangh\u00f6chsten liegt. Pr\u00e4sentationen sollten vor allem nutzenorientiert ausfallen.<br>Zu sp\u00e4t kommen darf bei einem Meeting der, der den h\u00f6heren Rang hat. Von allen anderen wird P\u00fcnktlichkeit erwartet, auch wenn man dann gegebenenfalls warten muss.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die Kleidung ist in Meetings generell von entscheidender Bedeutung. Achten Sie auf eine formelle Businesskleidung. Frauen sollten unbedingt knielange R\u00f6cke und keine eng anliegenden Hosen tragen. Zu legere Kleidung kommt einer pers\u00f6nlichen Beleidigung gleich!<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Freundliche Verhandlungen<\/h4>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Ostafrikaner verhandeln gut und gerne. Ihr Verhandlungsstil entspricht den Grunds\u00e4tzen der indirekten Kommunikation. Daher werden Sie beispielsweise kein direktes &#8222;Nein&#8220; h\u00f6ren, wenn ein Vorschlag auf Ablehnung st\u00f6\u00dft. Umgekehrt sollten auch Sie Angebote Ihrer ostafrikanischen Gesch\u00e4ftspartner nicht einfach mit einem beziehungsgef\u00e4hrdenden &#8222;Nein danke&#8220; abweisen. Besser ist es, m\u00f6gliche Alternativen vorzuschlagen. Versuchen Sie zudem, in Verhandlungen Ihre Emotionen zu kontrollieren, in jedem Fall freundlich zu reagieren und dem anderen stets zugewandt zu bleiben.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Paternalistische F\u00fchrung<\/h4>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>In der Projektzusammenarbeit oder bei einem l\u00e4ngeren Aufenthalt werden Sie ostafrikanische Unternehmen und Organisationen von innen kennenlernen. Ber\u00fccksichtigen Sie dabei, dass diese herrschenden gesellschaftlichen Normen entsprechend nach dem Modell der Familie gestaltet sind: Die Autorit\u00e4t ist in wenigen H\u00e4nden konzentriert, die Entscheidungshierarchie l\u00e4uft spitz zu. Der F\u00fchrungsstil ist vorzugsweise paternalistisch (oder regional auch maternalistisch). Ein Vorgesetzter tritt autorit\u00e4r auf und verlangt von seinen Mitarbeitern Gehorsam und Unterwerfung. Er muss klare Aufgabenstellungen und Anweisungen geben. Eine individuelle Handlungsfreiheit innerhalb eines abgesteckten Rahmens ist in Ostafrika wenig akzeptiert. Andererseits erwarten die Mitarbeiter von ihrem Chef, dass er f\u00fcr sie st\u00e4ndig erreichbar ist und ein freundliches, wenn auch distanziertes Verhalten an den Tag legt. Er soll sich k\u00fcmmern und den Mitarbeitern beispielsweise in famili\u00e4ren Angelegenheiten weiterhelfen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>In ostafrikanischen Unternehmen wird ein sehr indirekter Kommunikationsstil gepflegt. Zudem muss die soziale Distanz zwischen den einzelnen Hierarchiestufen gewahrt werden. Die Kommunikation zwischen F\u00fchrungskr\u00e4ften und Mitarbeitern ist daher in der Regel sehr formal und folgt streng der hierarchischen Struktur. Sollte beispielsweise die Zurechtweisung eines Mitarbeiters vonn\u00f6ten sein, so geschieht das in der Regel auf indirekte Weise \u00fcber &#8222;Vertraute&#8220;. Denn ein Manager darf einen Mitarbeiter auf keinen Fall durch kritische Bemerkungen blo\u00dfstellen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Konflikte nicht offen austragen<\/h4>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Zwischen Mitgliedern einer sogenannten Ingroup (Teamkollegen, Mitarbeiter einer Abteilung etc.) wird es in ostafrikanischen L\u00e4ndern unter allen Umst\u00e4nden vermieden, Konflikte \u00fcberhaupt aufkommen zu lassen. Falls dennoch ein Konflikt entstehen sollte, erfolgt die Beilegung in der Regel auf indirektem Wege. Kommen Konflikte zwischen einem deutschen Manager und ostafrikanischen Mitarbeitern auf, m\u00fcssen Sie davon ausgehen, dass die Betriebsangeh\u00f6rigen auch sachlich gef\u00fchrte Kontroversen pers\u00f6nlich nehmen. Mit Konflikten ist daher immer auch ein Gesichtsverlust verbunden. Dieser kann wiederum zu Boykotten der gesamten Belegschaft f\u00fchren, die sich stillschweigend mit den Betroffenen verb\u00fcndet.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Um Konflikte zu vermeiden, sollte man daher als deutscher Manager versuchen, die eigenen Emotionen zu kontrollieren und sich sorgf\u00e4ltig und indirekt auszudr\u00fccken. Negatives Feedback darf nur unter vier Augen gegeben werden. Es ist jedoch in den meisten F\u00e4llen empfehlenswert, besser einen erfahrenen Vermittler zu Rate zu ziehen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kulturangepasstes Verhalten bei Gesch\u00e4ftsessen<\/h4>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>In der beziehungsorientierten ostafrikanischen Gesch\u00e4ftskultur sind gemeinsame Essen von gro\u00dfer Bedeutung. Wird eine Einladung ausgesprochen, so hat diese entweder einen offiziellen oder einen inoffiziellen Charakter. Es gilt als durchaus normal, einfach so bei jemandem vorbeizuschauen &#8211; unangemeldet.<br>Beiden Einladungsformen ist gemein, dass von G\u00e4sten erwartet wird, sich kulturangepasst zu verhalten. Eine angebotene Speise sollte nur mit einer guten Begr\u00fcndung abgelehnt werden, etwa weil der Magen nicht mitspielt oder weil man eine Allergie hat. Diese Ausreden werden nicht als &#8222;L\u00fcgen&#8220; aufgefasst, sondern als indirekte und gleichzeitig h\u00f6fliche Botschaft verstanden, dass man nichts des angebotenen Essens zu sich nehmen m\u00f6chte (weil man z.B. Vegetarier ist oder eine Speise als sehr ungew\u00f6hnlich empfindet).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Vorsicht vor Fettn\u00e4pfchen: Wir Deutschen haben beispielsweise die Angewohnheit, an Essen zu riechen und den Duft tief einzuatmen. Damit m\u00f6chten wir signalisieren, dass eine aufgetischte Speise gut riecht und wir uns darauf freuen. In Ostafrika gilt das als Fauxpas. Das Riechen an Essen wird mit Tieren assoziiert und gilt als sehr unzivilisiertes Verhalten.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Wichtig zu wissen ist auch, dass ostafrikanische Mitarbeiter von Europ\u00e4ern oft erwarten, dass sie f\u00fcr das gemeinsame Essen im Restaurant die Rechnung \u00fcbernehmen, vor allem dann, wenn sie das Essengehen selbst vorschlagen haben. Das liegt nicht etwa daran, dass der Europ\u00e4er mehr Geld hat, sondern dass generell von Vorgesetzten erwartet wird, dass sie sich auch finanziell und famili\u00e4r um ihre Mitarbeiter k\u00fcmmern.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em><strong>Autorin:<\/strong><\/em> <em>Tupoka Ogette<\/em><\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In ostafrikanischen L\u00e4ndern wie Tansania, Kenia, Uganda, Burundi, Ruanda und Malawi ist es essentiell, sich bei der Projektanbahnung gen\u00fcgend Zeit zu lassen. 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