{"id":15149,"date":"2022-03-23T15:54:27","date_gmt":"2022-03-23T14:54:27","guid":{"rendered":"https:\/\/crossculture-academy.com\/?p=15149"},"modified":"2024-09-18T12:13:26","modified_gmt":"2024-09-18T12:13:26","slug":"kulturelle-unterschiede-usa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/kulturelle-unterschiede-usa\/","title":{"rendered":"Kulturelle Unterschiede USA"},"content":{"rendered":"\r\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/crossculture-academy.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Kulturelle-Unterschiede-USA-300x199-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-15150\" title=\"\"><figcaption><\/figcaption><\/figure>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Treffen Deutsche und Amerikaner zu Gesch\u00e4ftsverhandlungen das erste Mal aufeinander, fallen in der Regel ihre unterschiedlichen Kommunikationsstile am deutlichsten ins Gewicht. W\u00e4hrend die Deutschen Freude am Diskutieren haben, kann dies von Amerikanern bereits als aggressiv interpretiert werden. Nicht zu Unrecht gelten die Amerikaner als die Experten des unverf\u00e4nglichen Small Talks, der erst einmal eine harmonische Stimmung schaffen soll, bevor es ins Detail geht. Dazu wird auch mal leichtfertig eine Einladung zum Essen ausgesprochen, die einen Deutschen nicht dazu veranlassen sollte, sofort Datum und Ort festlegen zu wollen. Diese wiederum typisch deutsche Art, gleich mit der T\u00fcr ins Haus zu fallen, wird in den USA h\u00e4ufig als unangenehm aufdringlich empfunden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Ein Konzept erstellen<\/h4>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>\u00c4hnliches gilt f\u00fcr den deutschen Hang zu \u201ekonstruktiver Kritik\u201c. W\u00e4hrend Deutsche bereits zu einem recht fr\u00fchen Zeitpunkt ihrem Gespr\u00e4chspartner mit kritischen Fragen begegnen, treten Amerikaner erst sehr viel sp\u00e4ter in eine Gespr\u00e4chsphase der offenen Kritik \u00fcber. So wird in einem amerikanischen Meeting ein neues Konzept Schritt f\u00fcr Schritt durch einzelne Vorschl\u00e4ge der Kollegen aufgebaut, wobei st\u00e4ndige Zustimmung und Begeisterung zum guten Ton geh\u00f6ren. In Deutschland stellt hingegen meist eine Person ein Gesamtkonzept vor, das die Kollegen mit ernster Mine durch kritische Anmerkungen zerlegen, bis ein brauchbares Ger\u00fcst \u00fcbrig bleibt, das alle zufrieden stellt. Sieht sich ein Amerikaner mit dieser Vorgehensweise konfrontiert, glaubt er zun\u00e4chst, alle Anwesenden hielten seine Idee f\u00fcr unbrauchbar, da ja so viel Kritik ge\u00e4u\u00dfert wird. Hinzu kommt, dass in den USA ein direktes \u201eNein\u201c meist zugunsten eines freundlichen \u201eYes, but&#8230;\u201c oder einer im ersten Moment \u00fcberaus positiv klingenden Umschreibung vermieden wird. Beachten Sie daher bei der Vorbereitung eines Meetings die amerikanischen Umgangsformen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Lange Rede, kurzer Sinn<\/h4>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Auch der Umfang der vermittelten Informationen f\u00e4llt bei amerikanischen bzw. deutschen Pr\u00e4sentationen oder Vortr\u00e4gen sehr unterschiedlich aus. Amerikaner bringen meist die wesentlichen Dinge auf den Punkt und verteilen dazu ein zusammenfassendes Handout. In Deutschland ist es hingegen nicht selten \u00fcblich, erst einmal ausf\u00fchrlich die Hintergr\u00fcnde, die Fragestellung und die Vorgehensweise zu erl\u00e4utern, bevor man sich dem Kern der Sache n\u00e4hert. Diese Vortragsweise stellt amerikanische Zuh\u00f6rer meist auf eine harte Geduldsprobe.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Klar strukturierte Kommunikationskan\u00e4le<\/h4>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>F\u00fcr die amerikanische Businesskultur typisch sind klar definierte Kommunikationswege. So werden beispielsweise in einem Unternehmen f\u00fcr jede Information Memos verfasst, die einen stetigen Informationsfluss bilden. Auch in einem Meeting nimmt die vorab festgelegte Agenda eine unumst\u00f6\u00dfliche Stellung ein. Alles, was diskutiert werden soll, muss vorher aufs Papier gebracht und eingereicht worden sein. Daf\u00fcr genie\u00dft das geschriebene Wort auch eine h\u00f6here G\u00fcltigkeit, so dass beispielsweise einmal aufgestellte Zeitpl\u00e4ne m\u00f6glichst genau verfolgt werden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Offenheit versus Privatsph\u00e4re<\/h4>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>W\u00e4hrend sich Deutsche zu Beginn einer Unterhaltung eher zur\u00fcckhaltend geben, demonstrieren die Amerikaner vom ersten Augenblick an ihre Offenheit. Sie sprechen ihr Gegen\u00fcber mit dem Vornamen an und unterbreiten Vorschl\u00e4ge f\u00fcr gemeinsame Unternehmungen. Dies wird von deutscher Seite sehr h\u00e4ufig \u00fcberbewertet, d.h. man l\u00e4sst sich leicht zu der Annahme verleiten, gerade einen Freund f\u00fcrs Leben gefunden zu haben.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Deutsche treffen sich gerne auch mal nur, um sich einfach gut miteinander zu unterhalten. Diese deutsche &#8222;Gem\u00fctlichkeit&#8220; ist den Amerikanern vergleichsweise fremd. Stattdessen wird eine gemeinsame Aktivit\u00e4t bevorzugt. So erfolgt beispielsweise auch bei einer Dinnerparty nach dem Kaffee \u2013 also nach der gemeinsamen Aktivit\u00e4t des Essens \u2013 meist gleich der allgemeine Aufbruch. Letztlich hat dies aber nichts damit zu tun, dass Amerikaner keine tiefgr\u00fcndigen Gespr\u00e4che f\u00fchren wollen, sondern die von Deutschen und Amerikanern als passend empfundenen Zeitpunkte f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch oder eine gemeinsame Unternehmungen unterscheiden sich einfach. Soziale Anerkennung und das Schlie\u00dfen von Kontakten nehmen sowohl im Privat- als auch im Gesch\u00e4ftsleben der Amerikaner einen sehr hohen Stellenwert ein. Erzielt werden sie aber in erster Linie durch gemeinsame Unternehmungen. Echte Freundschaften wiederum brauchen wohl in beiden Kulturen gleich viel Zeit.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Im Gegensatz zur amerikanischen Offenheit steht die Empfindlichkeit gegen\u00fcber einer Einmischung in die eigenen Angelegenheiten. Die Privatsph\u00e4re und die eigene Individualit\u00e4t gelten in den USA als heilig. Deutsche neigen hingegen sehr leicht dazu, Ratschl\u00e4ge zu erteilen. Dies wird von Amerikanern schnell als Eindringen in die Privatsph\u00e4re empfunden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>In einem amerikanischen Unternehmen werden daher Einzelb\u00fcros bevorzugt \u2013 allerdings stehen die T\u00fcren meist offen, was auch die Offenheit als festen Bestandteil des Betriebsklimas unterstreicht. Wird eine T\u00fcr jedoch ausnahmsweise geschlossen, gilt sie im wahrsten Sinne des Wortes als unantastbar. Trotz eines offenen und lockeren Miteinanders bestehen auch hier deutliche Grenzen gegen\u00fcber Privatsph\u00e4re und H\u00f6flichkeit, die f\u00fcr einen Ausl\u00e4nder oft nicht gleich ersichtlich sind.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Hohe Mobilit\u00e4t<\/h4>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Weitere bezeichnende Merkmale f\u00fcr die amerikanische Kultur sind die hohe Mobilit\u00e4t und Flexibilit\u00e4t. Statistiken zeigen, dass Mitarbeiter eines Unternehmens im Durchschnitt etwa alle zwei bis drei Jahre versetzt werden. Zudem gilt es durchaus als normal, h\u00e4ufig das Unternehmen zu wechseln, um sein Gehalt zu steigern oder eine Stufe der Karriereleiter empor zu klettern. Der f\u00fcr Deutschland typische negative Beigeschmack der mangelnden Loyalit\u00e4t bzw. fehlenden Mitarbeiterbindung ist dabei kaum vorhanden. In den USA soll jeder nach seinem eigenen Gl\u00fcck streben.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Leistung durch Wettbewerb<\/h4>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die amerikanische Gesch\u00e4ftskultur wird durch eine hohe Arbeitsmoral und einen harten Wettbewerb gepr\u00e4gt. Bereits w\u00e4hrend der High-School-Zeit stehen laufend sportliche Wettk\u00e4mpfe auf der Tagesordnung. Das berufliche Leben tr\u00e4gt \u00e4hnliche Z\u00fcge: Jeder Mitarbeiter erh\u00e4lt regelm\u00e4\u00dfig ein schriftliches Feedback zu seinen Leistungen, in dem er auch mit anderen verglichen wird. Dadurch wei\u00df er immer genau, wo er steht. Bei vielen amerikanischen Gesch\u00e4ftsleuten ist daher ein ausgepr\u00e4gtes Selbstbewusstsein zu beobachten, was noch durch eine optimistische Grundhaltung unterst\u00fctzt wird. \u201eI can make it!\u201d lautet meist die Devise. Mit dem amerikanischen Sportgeist gewinnen aber auch Fairness und Teamgeist eine besondere Bedeutung in den allgemeinen Verhaltensregeln.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h4 class=\"wp-block-heading\">\u201eWas Du heute kannst besorgen&#8230; \u201c<\/h4>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>In den USA herrscht generell eine stark ausgepr\u00e4gte Gegenwartsbezogenheit. Dies hat zur Folge, dass man im Gesch\u00e4ftsalltag grunds\u00e4tzlich auf Ergebnisse nicht lang warten m\u00f6chte und lieber hier und jetzt zu einem Entschluss kommt. W\u00e4hrend die Deutschen ein Projekt meist langfristig durchplanen und dazu Leitlinien und umfassende Businesspl\u00e4ne erarbeiten, wird in den USA weitaus weniger Energie in die ferne Zukunft investiert. Schnelle Antworten und L\u00f6sungen z\u00e4hlen, denn \u201eTime is money!\u201d<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Feine Unterschiede in den Umgangsformen ersp\u00fcren<\/h4>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>W\u00e4hrend aus amerikanischer Sicht die Deutschen h\u00e4ufig nicht offen und freundlich genug erscheinen, k\u00f6nnen sie die in ihren Umgangsformen eigentlich so locker wirkenden Amerikaner leicht durch ihre direkte Vorgehensweise schockieren. Daher sollten Deutsche in den USA einerseits auf eine positive Ausstrahlung achten und andererseits die Grenzen zwischen Offenheit und Privatsph\u00e4re oder auch zwischen Informalit\u00e4t und Direktheit genau ersp\u00fcren. Und nie vergessen: You can make it!<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong><em>Autorin<\/em><\/strong><em>: Katrin Koll Prakoonwit<\/em>\u00a0\u2013\u00a0<em>Bevor sie sich als Journalistin selbst\u00e4ndig machte, schrieb\u00a0Katrin Koll Prakoonwit\u00a0L\u00e4nderanalysen f\u00fcr die FAZ. Heute arbeitet sie f\u00fcr Publikationen verschiedener Beratungsunternehmen und Verlage. Frau Koll Prakoonwit lebt in Reading, Berkshire, bei London.<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Treffen Deutsche und Amerikaner zu Gesch\u00e4ftsverhandlungen das erste Mal aufeinander, fallen in der Regel ihre unterschiedlichen Kommunikationsstile am deutlichsten ins Gewicht. W\u00e4hrend die Deutschen Freude am Diskutieren haben, kann dies von Amerikanern bereits als aggressiv interpretiert werden. 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