{"id":15006,"date":"2022-03-23T10:25:26","date_gmt":"2022-03-23T09:25:26","guid":{"rendered":"https:\/\/crossculture-academy.com\/?p=15006"},"modified":"2024-03-07T22:27:41","modified_gmt":"2024-03-07T22:27:41","slug":"kulturelle-unterschiede-grossbritannien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/kulturelle-unterschiede-grossbritannien\/","title":{"rendered":"Kulturelle Unterschiede Gro\u00dfbritannien"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/crossculture-academy.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Kulturelle-Unterschiede-Grossbritannien-300x199-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-15007\" title=\"\"><figcaption><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die feine englische Art ist weltweit bekannt und wird vor allem mit respektvollem, zur\u00fcckhaltendem Verhalten gleichgesetzt. Mit dazu geh\u00f6rt auch eine uneingeschr\u00e4nkte H\u00f6flichkeit in jeder Lebenslage. Gef\u00fchlsausbr\u00fcche jeglicher Art werden als peinlich und blo\u00dfstellend empfunden. Jeder, der eine einigerma\u00dfen gute Erziehung genossen hat, wei\u00df, wie man Haltung bewahrt.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Small Talk f\u00fcr die Gesch\u00e4ftsanbahnung<\/h4>\n\n\n\n<p>Die englische Kultur schreibt au\u00dferdem vor, stets f\u00fcr eine angenehme Atmosph\u00e4re zu sorgen. Daher sind die Engl\u00e4nder Meister im Small Talk. Besonders bemerkenswert ist ihre F\u00e4higkeit, selbst \u00fcber Nichtigkeiten ein angeregtes Gespr\u00e4ch zu f\u00fchren. Vieles, was Deutsche f\u00fcr nicht erw\u00e4hnenswert halten, bildet hier die Grundlage f\u00fcr einen Gespr\u00e4chsanfang. Weil kein gesch\u00e4ftliches Treffen ohne diese Kunst der unverf\u00e4nglichen Gespr\u00e4chsf\u00fchrung auskommt, sollten sich Deutsche unbedingt ein wenig im Small Talk \u00fcben. Ziel ist dabei der Aufbau einer guten allgemeinen Stimmung und einer pers\u00f6nlichen Beziehungsebene, bevor man zum eigentlichen Gesch\u00e4ft kommt. Ein ruhiges und gleichm\u00e4\u00dfiges Sprechen, ohne wildes Gestikulieren und gegebenenfalls mit der ber\u00fchmten &#8222;stiff upperlip&#8220;&nbsp;wird besonders gesch\u00e4tzt.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Humor \u00f6ffnet alle T\u00fcren<\/h4>\n\n\n\n<p>Trotz einer gewissen Steifheit, die man den Engl\u00e4ndern gerne nachsagt, ist ihr Humor unschlagbar. Dabei gibt es nur wenige Tabus. Und vieles, \u00fcber das die Engl\u00e4nder herzlichen lachen k\u00f6nnen, geht den Deutschen einfach zu weit. Nicht umsonst hei\u00dft es daher bei Engl\u00e4ndern gleich \u201eDon\u2019t mention the war!\u201c, sobald ein Deutscher den Raum betritt. Und auch am Humor der Deutschen hegen viele Engl\u00e4nder insgesamt so ihre Zweifel. In der Regel basieren englische Witze auf gekonnten Sprachspielen oder allt\u00e4glichen Begebenheiten, die ins Extreme \u00fcberzeichnet werden. Dabei wird vorausgesetzt, dass der Zuh\u00f6rer mitdenkt. Die Pointe ist also nicht immer so offensichtlich, wie bei deutschen Witzen. Lachen k\u00f6nnen, notfalls auch \u00fcber Makabres, die eigenen Schw\u00e4chen und die Deutschen an sich, ist also immer gut f\u00fcr die Gesch\u00e4ftsbeziehungen. Allerdings d\u00fcrfen Sie die Balance zwischen h\u00f6flichem Verhalten und englischem Humor niemals verlieren.<\/p>\n\n\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Understatement statt sich beweisen<\/h4>\n\n\n\n<p>Eine weitere Kunst, die die Engl\u00e4nder meisterlich beherrschen, ist ein selbstbewusstes Understatement: Niemand stellt seine Position oder auch sein berufliches Know-how in den Vordergrund. Unternommene Anstrengungen, um eine Leistung zu erbringen, lassen sich Engl\u00e4nder keinesfalls anmerken. W\u00e4hrend Deutsche stets darauf bedacht sind zu zeigen, wie t\u00fcchtig sie sind, kann man in England mit solchen Demonstrationen nicht gl\u00e4nzen. Wahre Gr\u00f6\u00dfe hat man oder eben nicht, lautet hier das Motto. Im gesch\u00e4ftlichen Alltag m\u00fcssen Deutsche daher ganz genau zuh\u00f6ren k\u00f6nnen: Wei\u00df ein Engl\u00e4nder beispielsweise etwas besser als seine Kollegen oder Gesch\u00e4ftspartner, wird er in der gemeinsamen Diskussion nur ganz bescheiden einige wenige Zweifel am zuvor Gesagten anmelden. Mehr nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem der allgemeinen Bescheidenheit darf das Vorhandensein eines ausgepr\u00e4gten Klassenbewusstseins in England nicht untersch\u00e4tzt werden. F\u00fcr Deutsche gilt daher Vorsicht z.B. bei Bemerkungen \u00fcber die eigene Herkunft, die Schulzeit oder das Studium. Daraus k\u00f6nnen leicht falsche R\u00fcckschl\u00fcsse auf eine Klassenzugeh\u00f6rigkeit gezogen werden, die man mit seiner Aussage gar nicht beabsichtigt hat.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Auf Distanz bleiben<\/h4>\n\n\n\n<p>Ein Gentleman-likes Verhalten ist zudem immer darauf ausgerichtet, dem anderen nicht zu nahe zu treten \u2013 sowohl in physischer als auch pers\u00f6nlicher Hinsicht. Der in England notwendige soziale Abstand l\u00e4sst sich beispielsweise gut in der Londoner U-Bahn austangieren: Trotz Rushhour bem\u00fcht sich jeder, den anderen nicht zu ber\u00fchren oder direkt anzublicken. Sind mehrere Sitzpl\u00e4tze frei, w\u00e4hlt man grunds\u00e4tzlich den Platz, der die gr\u00f6\u00dfte Distanz zum Nachbarn gew\u00e4hrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesem Bild vor Augen sollte man auch den Schutz der englischen Privatsph\u00e4re zu beachten wissen. Denn hier kann es zwischen Deutschen und Engl\u00e4ndern schnell zu Missverst\u00e4ndnissen kommen: Einerseits ist f\u00fcr Engl\u00e4nder die Kontaktaufnahme mit Fremden \u00fcber den besagten Small-Talk etwas Selbstverst\u00e4ndliches. So wie einem auf der Stra\u00dfe sofort Hilfe angeboten wird, wenn man in einen Stadtplan blickt, berichten auch viele ausl\u00e4ndische Gesch\u00e4ftspartner, dass sie in England sehr leicht Kontakte gemacht haben. Eine Intensivierung der Beziehung ist aber h\u00e4ufig fehlgeschlagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hintergrund ist hier, dass die \u00fcberaus h\u00f6fliche und freundliche Art der Engl\u00e4nder die Deutschen zu schnell vermuten l\u00e4sst, eine pers\u00f6nliche Beziehung seien bereits geschaffen. Gehen sie dann einen Schritt weiter, beispielsweise mit einer pers\u00f6nlicheren Frage, dringen sie massiv in die Privatsph\u00e4re der Engl\u00e4nder ein und machen sich damit noch viel unbeliebter als dies auf den ersten Blick sp\u00fcrbar wird. Das Verst\u00e4ndnis der Privatsph\u00e4re wird in England sehr eng gefasst. Mit einbezogen werden nicht nur das Privat- und Familienleben, sondern auch pers\u00f6nliche \u00dcberzeugungen, Meinungen, Vorlieben oder auch die eigene Arbeitsweise.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Vorsicht mit Kritik<\/h4>\n\n\n\n<p>Kritik wird vor diesem Hintergrund ebenfalls nur sehr indirekt ge\u00e4u\u00dfert, um den anderen eben nicht in seiner Privatsph\u00e4re zu verletzen. Deutsche \u00fcbergehen im Kontakt mit englischen oder britischen Gesch\u00e4ftspartnern diese vorsichtig ge\u00e4u\u00dferten kritischen Hinweise sehr leicht und schockieren wiederum mit zu direkten kritischen Fragen und \u00c4u\u00dferungen. Daher ist es in Gespr\u00e4chen mit Engl\u00e4ndern ratsam, die eigenen Worte grunds\u00e4tzlich durch einen \u00fcberaus h\u00f6flichen Sprachstil abzuschw\u00e4chen. Auch Anweisungen m\u00fcssen stets in h\u00f6fliche Bitten umgem\u00fcnzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gesch\u00e4ftsleben kann die vergleichsweise eng gefasste Privatsph\u00e4re der Engl\u00e4nder au\u00dferdem zur Konsequenz haben, dass gut gemeinte Ratschl\u00e4ge der deutschen Seite beispielsweise zur Organisation eines gemeinsamen Projekts sehr viel schneller als Einmischung in die eigene Arbeit oder den eigenen Verantwortungsbereich empfunden werden als hierzulande. Grunds\u00e4tzlich gilt, dass in Bezug auf Arbeitsthemen h\u00f6chstens Anregungen unterbreitet werden, es aber niemals zur Debatte dar\u00fcber kommt, was richtig oder falsch, besser oder schlechter ist. Unbedingt wichtig ist es jedoch, gute Ansichten oder eine gute Vorarbeit ausreichend zu loben!<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Englischer Verhandlungsstil<\/h4>\n\n\n\n<p>Auch in Verhandlungen gilt es f\u00fcr Deutsche, sehr genau hinzuh\u00f6ren. Denn Engl\u00e4nder zeigen nur wenige Reaktionen, wenn sie mit etwas nicht einverstanden sind und werden ihre Ablehnung auch nicht weiter ausf\u00fchren. Ihre Ansichten zu einem unterbreiteten Vorschlag \u00e4u\u00dfern sie zwar einerseits durchaus direkt, andererseits aber meist eher ruhig und subtil. Bevor sie einem Angebot zustimmen und die n\u00e4chste Rund der Verhandlungen eingel\u00e4utet werden kann, werden sich Engl\u00e4nder tendenziell sehr viel Zeit nehmen, alle vorgebrachten Argumente genau abzuw\u00e4gen. Ungeduldig werdende Deutsche sollten dann nicht den Fehler begehen, mit zus\u00e4tzlichen Verkaufstaktiken Druck auszu\u00fcben. Das f\u00fchrt nur in den seltensten F\u00e4llen zum Erfolg. Viel besser ist es, seine Verkaufsargumente sachlich und pragmatisch weiter zu untermauern. Es gilt, Vertrauen zu schaffen und mit guten Informationen zu \u00fcberzeugen. Die Entscheidung selbst wird dann in der Regel auf der h\u00f6chsten F\u00fchrungsebene getroffen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Die richtige Mischung<\/h4>\n\n\n\n<p>Auch wenn sich deutsche Gesch\u00e4ftsreisende in England bzw. Gro\u00dfbritannien nicht auf einen Schlag zum perfekten Gentleman \u2013 oder zur perfekten Lady \u2013 wandeln k\u00f6nnen, bauen H\u00f6flichkeit, Kompromissf\u00e4higkeit und Toleranz immer eine Br\u00fccke, um harmonische Gesch\u00e4ftsbeziehungen aufzubauen. Deutsche tun daneben gut daran, sich zudem im entsprechenden Understatement zu \u00fcben, um die zur\u00fcckhaltenden englischen Gesch\u00e4ftspartner nicht zu \u00fcberfahren oder gar mit zu direkten Worten zu vergraulen. Eine gut gelungene Mischung zwischen einer \u00fcber Small Talk aufgebauten Beziehungsebene und einer angemessenen Sachorientierung f\u00fchren hier mit Sicherheit am besten zum Ziel.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Autorin<\/em><\/strong><em>: Katrin Koll Prakoonwit<\/em>\u00a0\u2013\u00a0<em>Bevor sie sich als Journalistin selbst\u00e4ndig machte, schrieb\u00a0Katrin Koll Prakoonwit\u00a0L\u00e4nderanalysen f\u00fcr die FAZ. Heute arbeitet sie f\u00fcr Publikationen verschiedener Beratungsunternehmen und Verlage. Frau Koll Prakoonwit lebt in Reading, Berkshire, bei London.<\/em><\/p>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die feine englische Art ist weltweit bekannt und wird vor allem mit respektvollem, zur\u00fcckhaltendem Verhalten gleichgesetzt. Mit dazu geh\u00f6rt auch eine uneingeschr\u00e4nkte H\u00f6flichkeit in jeder Lebenslage. Gef\u00fchlsausbr\u00fcche jeglicher Art werden als peinlich und blo\u00dfstellend empfunden. 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