{"id":15000,"date":"2022-03-23T10:18:48","date_gmt":"2022-03-23T09:18:48","guid":{"rendered":"https:\/\/crossculture-academy.com\/?p=15000"},"modified":"2024-09-18T12:25:05","modified_gmt":"2024-09-18T12:25:05","slug":"britische-geschaeftssprache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/britische-geschaeftssprache\/","title":{"rendered":"Britische Gesch\u00e4ftssprache"},"content":{"rendered":"\r\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/crossculture-academy.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Britische-Geschaeftssprache-300x209-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-15001\" title=\"\"><figcaption><\/figcaption><\/figure>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Complete Oxford Dictionary beinhaltet 500.000 Worte, wohingegen die deutsche Sprache ein Vokabular von nur 185.000 Worten (daf\u00fcr aber sehr lange) zu bieten hat. Daraus kann man leicht schlie\u00dfen, dass das Repertoire des sprachlichen Ausdrucks im Englischen weitaus differenzierter und vielf\u00e4ltiger ist. Hinzu kommt, dass&nbsp;heute ungef\u00e4hr 340 Millionen Menschen weltweit Englisch als Muttersprache sprechen, ganz zu schweigen von all denen, die Englisch als Zweitsprache beherrschen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kein Wunder, dass sich Briten, die quasi die ganze Welt bereisen k\u00f6nnen und sich weiterhin in ihrer Muttersprache verst\u00e4ndigen d\u00fcrfen, aufgrund dieser Tatsache sehr comfy (behaglich) f\u00fchlen. Sicherlich kann man davon ein nicht zu verkennendes Ma\u00df an Selbstsicherheit der britischen Seele ableiten, denn die linguistischen Fakten sprechen f\u00fcr sich. Und da das Gef\u00fchl der Behaglichkeit in Gro\u00dfbritannien ein sehr beliebtes ist, hat man in der Kommunikation eine ganze Bandbreite an M\u00f6glichkeiten f\u00fcr ein side stepping (Ausweichen) parat, um unangenehmen Angelegenheiten sprachlich aus dem Weg gehen zu k\u00f6nnen. So gibt es f\u00fcr den Gang zur Toilette nettere Umschreibungen, wie \u203acomfort break\u2039, \u203amake use of the facilities\u2039 oder wohlklingendere Vorw\u00e4nde, wie \u203awash hands\u2039 oder \u203aanswer the call\u2039.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Viele Wege f\u00fchren nach Rom<\/h4>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Briten sind in ihrem Inneren Individualisten. Sie m\u00f6gen Flexibilit\u00e4t, sie m\u00f6gen es, die Wahl zu haben, sie m\u00f6gen Optionen. Das spiegelt sich auch in der Kommunikation wider. Briten halten sich selten in einem Schwarz-Wei\u00df-, sondern eher in Graubereichen auf. Sie m\u00f6chten nicht in die Ecke gedr\u00e4ngt und auch nicht unter Druck gesetzt werden, sie lassen sich ungern auf die Ewigkeit festlegen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbst wenn Sie eine feste Vorstellung von etwas haben, stellen Sie diese in der Kommunikation nicht so sehr in den Vordergrund. Zeigen Sie sich im Denken und Handeln beweglich. Haben Sie m\u00f6glichst mehrere Optionen parat und investieren Sie zu Beginn nicht so viel Zeit in die feine Ausarbeitung Ihrer festen Vorstellung. F\u00fchlen Sie erst einmal in Gespr\u00e4chen vor, wie Ihre Idee so ankommt, ohne gleich zu verraten, dass das Ihr Nonplusultra ist. Wenn Sie mehrere Optionen anbieten, werden Sie mit gro\u00dfer Sicherheit gefragt werden, welche Option Sie bevorzugen w\u00fcrden? Dann ist der Moment gekommen, Ihre Tendenz sichtbar zu machen. Aber bitte auch dann noch keine \u00dcberdosis: Je kr\u00e4ftiger Sie argumentieren und \u00fcberzeugen wollen, umso skeptischer wird Ihr britisches Gegen\u00fcber. Weniger ist mehr!<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Coded speech<\/h4>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von viel weitreichender Bedeutung ist das direkte Konfrontationsverbot! Briten m\u00f6chten sich auch noch bei Meinungsverschiedenheiten wohlf\u00fchlen k\u00f6nnen und sich bei einem nachfolgenden Treffen zumindest in einer neutralen Atmosph\u00e4re wiederfinden. Eigentlich ist dies nichts anderes als eine Form des Gesichtwahrens, wie man es in deutlich ausgepr\u00e4gterer und vielf\u00e4ltigerer Form im asiatischen Kulturraum vorfindet. Man m\u00f6chte, dass sprachlich alles glatt l\u00e4uft, keine Wellen schlagen, niemandem auf die F\u00fc\u00dfe treten \u2013 und deshalb wird Unangenehmes freundlich \u203averpackt\u2039! Diese Kommunikationsart wird als coded speech bezeichnet.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Peaches and Coconuts<\/h4>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Modell Peaches and Coconuts von Susanne Zaninelli beschreibt urspr\u00fcnglich die kommunikativen Unterschiede zwischen Deutschen und US-Amerikanern. Es l\u00e4sst sich jedoch auch sehr gut auf die Kommunikationsunterschiede zwischen Deutschsprachigen und Briten anwenden. Beginnen wir mit der Betrachtung der peaches (Pfirsiche). Sie sind au\u00dfen weich, riechen s\u00fc\u00df, sind eher klein und haben einen harten Kern. Die coconuts (Kokosn\u00fcsse) hingegen sind au\u00dfen hart, wirken durch die \u00e4u\u00dfere Schale sehr schroff, sind im Vergleich gr\u00f6\u00dfer und innen nicht nur weich, sondern flie\u00dfend (Kokosnussmilch). Die peaches (Briten) sind auf den ersten Blick in der Kommunikation leicht zug\u00e4nglich, h\u00f6flich, freundlich, aber an den inneren Kern kommt man nicht so recht heran. So greifen sie z. B. z\u00fcgig zu der Bezeichnung \u203aFreund\u2039. Die coconuts (Deutschsprachige) hingegen sind im Vergleich zun\u00e4chst schroff und verschlossen. Hat man die harte Schale aber erst mal geknackt, so hat man eine Verbindung f\u00fcrs Leben gefunden. Man ist an tief gehenden, pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4chen interessiert. Deshalb f\u00e4llt auch der Begriff \u203aFreund\u2039 erst viel sp\u00e4ter. Mit diesem Modell vor Augen f\u00e4llt die Erkenntnis nicht schwer, dass sich Briten in der Kommunikation (peach style) mit Deutschsprachigen (coconut style) schnell unbehaglich f\u00fchlen k\u00f6nnen: Entweder ist ihnen ein Gespr\u00e4ch zu rude (schroff) oder zu intim und damit peinlich. F\u00fcr Deutschsprachige ist eine Unterhaltung mit Briten hingegen oft zu weichgesp\u00fclt, unkonkret, wischiwaschi und nicht ernsthaft genug.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kommunikationstipps<\/h4>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier nun ein paar konkrete Kommunikationstipps, wie Sie im Umgang mit Briten den richtigen Ton treffen:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">M\u00f6chten Sie einen Termin lieber etwas nach hinten verschieben, helfen die folgenden Formulierungen:<br>\u203aI think Monday is a bit too optimistic. Tuesday is more like it.\u2039<br>\u203aI can do Tuesday instead. How does that sound to you?\u2039<br>\u203aI\u2019ve been tied up with a computer course all week. Would this coming Monday be possible for you?\u2039<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ganz gleich, woran Sie jemanden erinnern m\u00fcssen, ob an eine noch ausstehende Antwort, an einen Bericht, an eine f\u00e4llige Geldzahlung, an einen Termin \u2012 eine wunderbare Methode ist, Fragen zu stellen, statt direkte Aussagen zu treffen. Bieten Sie au\u00dferdem rein aus H\u00f6flichkeit Ihre Hilfe an:<br>\u203aWe\u2019re looking forward to your visit tomorrow. Is there anything, you would like us to prepare for you?\u2039<br>\u203aOnly one week to go, so this is just to ask you, if everything is on track?\u2039<br>\u203aHR need the report tomorrow. Do you think you can get it to them on time, or is there anything, I could do?\u2039<br>\u203aI am not sure, but didn\u2019t you want to get that document to me by Friday? If you need further details, please let me know.\u2039<br>\u203aI just wanted to check, whether you have everything you need to provide the necessary information?\u2039<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Bezug auf Meinungs\u00e4u\u00dferungen erfreut sich die deutsche Direktheit im britischen K\u00f6nigreich leider keiner gro\u00dfen Beliebtheit. Und so sollten Sie Ihre Meinung besser nicht wie ein Fakt in den Raum stellen, sondern lieber abmildernd formulieren.<br>Statt \u203aI find, that \u2026\u2039 oder \u203aMy opinion is, that \u2026\u2039 sagen Sie besser:<br>\u203aPerhaps we should consider\u2026\u2039<br>\u203aCould I propose, that we \u2026\u2039<br>\u203aCould I suggest, that we take a devil\u2019s advocate position and consider doing exactly the opposite?\u2039<br>Wie man im letzten Beispielsatz erkennen kann, suchen sich Briten z. B. auch gerne eine fiktive dritte Person (hier: des Teufels Advokat), die ihre Einw\u00e4nde vorbringt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In puncto Kritik h\u00e4lt man sich ebenfalls entsprechend bedeckt. Vielmehr soll sich das Gegen\u00fcber behaglich f\u00fchlen, und deshalb nutzt man die eine oder andere \u203aVerpackung\u2039, um negatives Feedback zu \u00fcbermitteln. Da es in Gro\u00dfbritannien verp\u00f6nt ist, anderen die Schuld zuzuweisen, sucht man zudem oft rein rhetorisch bei sich selbst nach dem Fehler.<br>Typische Satzanf\u00e4nge bei Kritik\u00e4u\u00dferungen sind:<br>\u203aIt\u2019s probably me, \u2026\u2039<br>\u203aI might be wrong, \u2026\u2039<br>\u203aI see where you are coming from \u2026 \u2039<br>\u203aGood point. Have you also thought of \u2026\u2039<br>\u203aI might not be up to date \u2026\u2039<br>\u203aI can\u2019t find the sales figures in your report.\u2039<br>\u203aIs there any reason why \u2026 hasn\u2019t been done?\u2039<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie sollten aber auch m\u00f6glichst h\u00e4ufig Ihre positive Meinung \u00e4u\u00dfern. Wenn z. B. ein Meeting gut verlaufen ist, tun Sie dies zum Abschluss mit einem netten Satz kund:<br>\u203aWell, I think our session was quite productive. What do you think, James?\u2039<br>\u203aI certainly think my trip has been worthwhile. Do you feel we\u2019ve left anything uncovered?\u2039<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Generell wird in Gro\u00dfbritannien gerne und oft gelobt. Lob dient in jeder Lage als Motivation, und man bringt nur wenig Verst\u00e4ndnis auf f\u00fcr den deutschen Spruch: \u203aNichts gesagt ist Lob genug.\u2039<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Autorin: <\/em><\/strong><em>Iris Engler &#8211; Iris Engler ist auf dem Entsendungsgebiet eine sehr erfahrende und gefragte Expertin. Die Vermittlung interkultureller Kompetenz ist dabei eines ihrer Fachgebiete. Auf Grund ihrer zahlreichen internationalen Reisen und langj\u00e4hrigen Aufenthalte in anderen L\u00e4ndern, kennt sie die Kundenbed\u00fcrfnisse ausgesprochen gut.<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Complete Oxford Dictionary beinhaltet 500.000 Worte, wohingegen die deutsche Sprache ein Vokabular von nur 185.000 Worten (daf\u00fcr aber sehr lange) zu bieten hat. Daraus kann man leicht schlie\u00dfen, dass das Repertoire des sprachlichen Ausdrucks im Englischen weitaus differenzierter und vielf\u00e4ltiger ist. 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