{"id":14994,"date":"2022-03-23T10:03:38","date_gmt":"2022-03-23T09:03:38","guid":{"rendered":"https:\/\/crossculture-academy.com\/?p=14994"},"modified":"2024-09-18T12:25:23","modified_gmt":"2024-09-18T12:25:23","slug":"i-see-where-you-are-coming-from","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/i-see-where-you-are-coming-from\/","title":{"rendered":"I see where you are coming from&#8230;"},"content":{"rendered":"\r\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/crossculture-academy.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/I-see-where-you-are-coming-from-300x240-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14995\" title=\"\"><figcaption><\/figcaption><\/figure>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Satz &#8222;I see where you are coming from &#8230;&#8220; ist nicht nur ein Beipiel f\u00fcr sprachliche Unterschiede, sondern vor allem auch f\u00fcr die kulturellen. Und diese beginnen gleich vor der Haust\u00fcr. Wir wissen alle, dass der Menschenschlag in Bayern ein anderer ist als der in Norddeutschland \u2013 so ist es eigentlich kein Wunder, dass unsere britischen Nachbarn auch anders ticken als wir. Nicht wahr?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Auf die Verpackung kommt es an<\/h4>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kommunikation verl\u00e4uft in Gro\u00dfbritannien wesentlich indirekter als in Deutschland. In Gespr\u00e4chen werden Konfrontationen gemieden und unangenehme Botschaften so verpackt, dass niemand sein Gesicht verliert und man sich jederzeit neutral wieder begegnen kann. Gerade diese &#8222;Verpackung&#8220; macht vielen Deutschen in ihrem Gesch\u00e4ftsalltag zu schaffen. Oft empfinden Deutsche die Aussagen ihrer britischen Kollegen und Kunden als wishy-washy, unpr\u00e4zise, nichtssagend und diffus. Besonders in Situationen, in denen Probleme angegangen werden m\u00fcssen, versch\u00e4rft sich dieser Eindruck noch.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ist es nun also besser, Unangenehmes zu verpacken oder sollte man die Dinge beim Namen nennen? Diese Frage wird mehrheitlich, je nach Land, anders beantwortet. Kein Wunder, denn wirft man einen Blick auf die kulturellen Grundwerte &#8211; die Antreiber des Denkens und Handelns- so stellt man fest, dass die deutsche Ehrlichkeit der britischen H\u00f6flichkeitsetikette gegen\u00fcbersteht. Hier gilt es demzufolge nicht zu entscheiden, was besser ist, sondern sich dieser Unterschiede und ihren Auswirkungen bewusst zu werden und einen ad\u00e4quaten Umgang damit zu finden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So ist es in der britischen Kultur auch Gang und G\u00e4be, die &#8222;Schuld&#8220; bei sich selbst zu suchen und nicht bei seinem Gegen\u00fcber. S\u00e4tze wie &#8222;It\u2019s probably me&#8230;&#8220; oder &#8222;I\u2019m not sure whether I understood all the details&#8220; sind Beispiele daf\u00fcr, wie ein Brite indirekt auf die Unzul\u00e4nglichkeiten seines Gespr\u00e4chspartners hindeuten m\u00f6chte. Er erhofft sich dadurch, dass das Gegen\u00fcber seinen Fehler selbst erkennt und darauf reagiert, z. B. mit &#8222;Oh no, it must have been me\u2026&#8220; oder &#8222;I\u2019m sorry, I think I didn\u2019t make myself clear enough&#8220;.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Au\u00dferdem ist es im&nbsp;Business mit Briten wichtig, optimistisch zu bleiben. Kritik alleine kommt niemals gut an, sie sollte immer nur in Verbindung mit einem konkreten L\u00f6sungsvorschlag angesprochen werden und, wie gesagt, nett &#8222;verpackt&#8220; sein.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Wie small ist der talk?<\/h4>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Small talk ist ein wichtiges Kommunikationsinstrument, um sich auf lockere Art und Weise n\u00e4herzukommen. Es wird sehr h\u00e4ufig als Eisbrecher eingesetzt und dient auch immer gerne als Auftakt in Besprechungen oder der Beziehungspflege zwischendurch. Small talk hat einen angesehenen Stellenwert in Gro\u00dfbritannien, wer ihn beherrscht, ist deutlich im Vorteil. Dabei wird man nicht zu pers\u00f6nlich, sondern versucht sich auf einer neutralen Ebene zu bewegen. Man sucht nach Solidarit\u00e4t bzw. Gemeinsamkeiten und keinesfalls nach abweichenden Meinungen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Understatement<\/h4>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Briten nehmen sich selbst nach au\u00dfen hin nicht so wichtig. So ist die Verwendung des Vornamens, auch bei Menschen, die man gesch\u00e4ftlich vorher noch nie getroffen hat, an der Tagesordnung. Titel werden im pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch nicht genannt. Understatement bedeutet beispielsweise auch, dass man im Gespr\u00e4ch die eigenen Zweifel an einem Vorhaben herunterspielt, mit S\u00e4tzen wie &#8222;That might be a bit tricky&#8220; oder &#8222;Well, we quite like that, however\u2026&#8220;<br>Auch in den schwierigsten Situationen werden die meisten Briten ihre Contenance bewahren und sich nur selten zum Jammern und Beklagen hinrei\u00dfen lassen. Kurzum: Ein k\u00fchler Kopf kommt immer gut an wie auch eine unauff\u00e4llige, zur\u00fcckhaltende Art (low key).<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Aber bitte mit Humor<\/h4>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der britische schwarze Humor ist weit \u00fcber seine Landesgrenzen hinweg bekannt. Darin spiegelt sich viel britische Seele wider. Humor ist auch im Gesch\u00e4ftsleben verbreitet und sorgt insbesondere in ernsten Situationen f\u00fcr Leichtigkeit und eine positive Atmosph\u00e4re. Wer \u00fcber sich selbst lachen kann, sammelt Pluspunkte. Wenn Sie zu &#8222;serious&#8220; wirken, verbindet der Brite damit Unbeweglichkeit und Spa\u00dflosigkeit. Eine bessere \u00dcbersetzung f\u00fcr das deutscheWort &#8222;seri\u00f6s&#8220; sind \u00fcbrigens &#8222;trustworthy&#8220;, &#8222;respectable&#8220; oder &#8222;reliable\u201c. Auch sollten Sie wissen, dass man mit dem Spruch &#8222;same procedure as last year&#8220; nur fragende Blicke ernten wird statt Gel\u00e4chter. Dinner for one ist eine Fernsehproduktion des NDR aus dem Jahr 1963 und in Gro\u00dfbritannien v\u00f6llig unbekannt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h4>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer die britische Gesch\u00e4ftswelt verstehen will, sollte \u00f6fter mal die Perspektive wechseln. Im internationalen Gesch\u00e4ft geht es ohnehin nicht darum zu entscheiden, wer Recht hat \u2013 sondern darum, zu akzeptieren, dass es m\u00f6glicherweise noch andere Arten gibt, \u00fcber die Welt zu denken, als die unsere!<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Autorin<\/em><\/strong><em>: Iris Engler &#8211; Iris Engler ist auf dem Entsendungsgebiet eine sehr erfahrende und gefragte Expertin. Die Vermittlung interkultureller Kompetenz ist dabei eines ihrer Fachgebiete. Auf Grund ihrer zahlreichen internationalen Reisen und langj\u00e4hrigen Aufenthalte in anderen L\u00e4ndern, kennt sie die Kundenbed\u00fcrfnisse ausgesprochen gut.<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Satz &#8222;I see where you are coming from &#8230;&#8220; ist nicht nur ein Beipiel f\u00fcr sprachliche Unterschiede, sondern vor allem auch f\u00fcr die kulturellen. Und diese beginnen gleich vor der Haust\u00fcr. 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