{"id":14972,"date":"2022-03-23T09:07:39","date_gmt":"2022-03-23T08:07:39","guid":{"rendered":"https:\/\/crossculture-academy.com\/?p=14972"},"modified":"2024-03-07T22:27:39","modified_gmt":"2024-03-07T22:27:39","slug":"kulturelle-unterschiede-schweden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/kulturelle-unterschiede-schweden\/","title":{"rendered":"Kulturelle Unterschiede Schweden"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/crossculture-academy.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/iStock_000017383177XSmall-300x204-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14973\" title=\"\"><figcaption><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die geografische N\u00e4he zu Schweden verf\u00fchrt viele dazu, kulturelle Unterschiede zu untersch\u00e4tzen. Schweden ist ein modernes westliches Land, eine Demokratie, marktwirtschaftlich und verf\u00fcgt \u00fcber viele international erfolgreiche Unternehmen. Da kann es doch eigentlich nicht so viele Unterschiede geben. Aber doch, es kann: Sowohl deutsche als auch schwedische Unternehmen sind international erfolgreich, aber ihr Weg zum Erfolg ist unterschiedlich. Denn bedingt durch verschiedene Lebensbedingungen in Vergangenheit und Gegenwart unterscheiden sich Wertvorstellungen und L\u00f6sungsans\u00e4tze in der Gesellschaft &#8211; und nat\u00fcrlich in den Unternehmen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Andere Werte, andere Verhaltensweisen<\/h4>\n\n\n\n<p>Deutsche lernen zum Beispiel Werte wie P\u00fcnktlichkeit, Ordnung, Sauberkeit, Disziplin und Pflichtbewusstsein. Wir lernen einen h\u00f6flichen Umgang und feste gesellschaftliche Normen, lernen uns zu behaupten und uns trotz harter Konkurrenz durchzusetzen. Ob Schule, berufliche Ausbildung, die deutsche Gesch\u00e4ftskultur oder die Gesellschaft insgesamt \u2013 \u00fcberall gilt: der Beste gewinnt. Deutschland ist tendenziell eliteorientiert. Als Schutzmechanismus gegen diesen starken Leistungsdruck vermeiden Deutsche gerne Unsicherheit, etwa indem sie bis ins Detail planen und organisieren \u2013 dabei h\u00e4ufig den unternehmerischen Hierarchien folgend \u2013 alles schriftlich oder vertraglich fixieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Schweden lernen andere Dinge. Sie lernen zum Beispiel, dass jeder Mensch gleich (gut) ist. Schweden lernen, dass Demut auch in Ausbildung, Gesellschaft und Wirtschaft positiv ist. Sie lernen, dass es gut ist, umsichtig, r\u00fccksichtsvoll und wohlwollend miteinander umzugehen. Schweden wachsen unter einem geringeren Zeit- und Leistungsdruck auf. Vieles wird nicht verbissen, sondern stattdessen mit Gelassenheit gesehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Innere Haltung, Wertvorstellungen und gesellschaftliche Normen sind zwischen Deutschland und Schweden in Kernbereichen also nahezu gegens\u00e4tzlich. Und nat\u00fcrlich hat dies Auswirkungen auf das Gesch\u00e4ftsleben.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Schwedische versus deutsche F\u00fchrungskultur<\/h4>\n\n\n\n<p>Die unterschiedlichen Wertvorstellungen von Deutschen und Schweden werden im Arbeitsalltag zum Beispiel bei der Frage deutlich, was Aufgaben einer guten F\u00fchrungskraft sind. Auch wenn in Deutschland ein kooperativer F\u00fchrungsstil durchaus vorkommt, werden in Antworten auf diese Frage in aller Regel folgende Punkte genannt: Planung, Entscheidung, Aufgaben\u00fcbertragung und Kontrolle. Mit guter Planung, klaren Entscheidungen und eindeutigen Zust\u00e4ndigkeiten f\u00fchlen sich hierarchisch gepr\u00e4gte Deutsche wohl. Sie helfen ihnen, Unsicherheit zu vermeiden. Eine entsprechende Vorgehensweise wird hierzulande als richtig und gut empfunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Da Schweden davon ausgehen, dass alle Menschen im Gro\u00dfen und Ganzen gleich sind und \u201eDemut\u201c auch im Berufsleben positiv bewerten, kommen sie zu einer anderen Antwort auf die Frage, welche Aufgaben eine gute F\u00fchrungskraft zu erf\u00fcllen hat. In Schweden sollten F\u00fchrungskr\u00e4fte eher Coach bzw. Moderator ihres Teams sein, Entscheidungen im und mit dem Team treffen und verankern, das Potenzial ihrer Teammitglieder erkennen und f\u00f6rdern, f\u00fcr gute Arbeitsbedingungen sorgen und darauf achten, dass sich alle im Team wohlf\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Unterschiedliche Wege zur Entscheidungsfindung<\/h4>\n\n\n\n<p>Unter der Annahme, dass alle Menschen gleich (gut) sind, werden in Schweden Entscheidungen gemeinsam und im Konsens getroffen. Dazu wird in vergleichbar vielen Meetings viel gesprochen. Und da eine Entscheidung m\u00f6glichst im Einverst\u00e4ndnis getroffen werden sollte, kann dieser Prozess einige Zeit in Anspruch nehmen. Wenn n\u00f6tig, wird die Entscheidung vertagt und sp\u00e4ter noch einmal zu einem weiteren Meeting eingeladen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Vorgehensweise empfinden Deutsche am Verhandlungstisch mit Schweden in der Regel als ineffektiv. Das Vertagen einer Entscheidung wird sogar als Misslingen interpretiert. Da Deutsche eine sehr direkte Kommunikation, klar markierte Hierarchien und einen relativ autorit\u00e4ren F\u00fchrungsstil gewohnt sind, werden Entscheidungen hier h\u00e4ufig auf h\u00f6heren Ebenen getroffen und dann top-down mitgeteilt. Die Entscheidungsfindung scheint auf diese Weise schnell und effektiv zu funktionieren. Daher f\u00e4llt es Deutschen schwer, die schwedischen Verhaltensweisen in Entscheidungsfindungsprozessen richtig zu deuten.<\/p>\n\n\n\n<p>Schweden sehen in der gemeinsamen Entscheidungsfindung gro\u00dfe Vorteile. Das gemeinsame Ziel wird auch im Team verankert und von allen akzeptiert. Jeder wei\u00df, worum es geht, kann sich ganz einbringen. In Deutschland besteht hingegen das Risiko, dass die Entscheidung selbst und das mit ihr verbundene Ziel im Team tats\u00e4chlich unterschiedlich aufgefasst und nicht von allen mitgetragen werden. Es k\u00f6nnen unter Umst\u00e4nden sogar unterschiedliche (Unter-)Ziele verfolgt werden. Zeit, Energie und Ressourcen werden m\u00f6glicherweise vergeudet.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Schwedisches Projektmanagement<\/h4>\n\n\n\n<p>Der schwedischen F\u00fchrungskultur entsprechend l\u00e4uft auch das Projektmanagement teamorientierter als in Deutschland. In Schweden ist die Initialisierungsphase eines Projekts f\u00fcr den Erfolg von entscheidender Bedeutung. Vorgabe f\u00fcr das erste Meeting eines neu aufgestellten Projektteams ist lediglich der Projektauftrag. Auf dieser Grundlage formuliert das Team gemeinsam die mit dem Auftrag verbundenen Ziele \u2013 oft in mehreren Meetings. Zwischen diesen Meetings stimmen sich die Teammitglieder sowohl mit den Stellen ab, von denen sie ins Projektteam entsandt worden sind, als auch mit allen Stellen, die gegebenenfalls von dem Projekt ber\u00fchrt werden und daher eine weiterf\u00fchrende Idee oder einen Beitrag liefern k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Deutsche empfinden die schwedische Initialisierungsphase eines Projekts als langwierig, ineffektiv und nahezu als Fehlleistung, weil es \u201enicht voran zu gehen scheint\u201c. Sie erkennen aufgrund ihrer eigenen kulturellen Pr\u00e4gung nicht, was die Schweden als St\u00e4rke in ihrer Vorgehensweise empfinden: Die Initialisierungsphase legt die Grundlage f\u00fcr eine z\u00fcgige, flexible und reibungslose Umsetzungsphase. Und in der Tat haben Studien gezeigt, dass es in der Projektumsetzung so zu weniger St\u00f6rungen, Nachbesserungen und nachtr\u00e4glichen Abstimmungen kommt.<\/p>\n\n\n\n<p>In Deutschland pr\u00e4sentiert meist die Projektleitung Struktur, Aktivit\u00e4ten, Zeitplan und Rollenverteilung. Nat\u00fcrlich kann im Projektteam dann noch diskutiert und feinjustiert werden. Aber der grobe Rahmen des Projekts steht bereits fest. Die schnelle, exakte und detaillierte Planung eines Projekts wird von den Deutschen als unabdingbar empfunden. Schweden f\u00fchlen sich in diesem Fall jedoch von der (deutschen) Projektleitung \u00fcbergangen, weil sie die Einbeziehung in der Initialisierungsphase des Projekts erwarten. Sie identifizieren sich so nicht mit dem Ziel und tragen die von der Leitung getroffenen Entscheidungen daher oft nicht mit. Reibungen sind also vorprogrammiert.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kulturelle St\u00e4rken in der Zusammenarbeit nutzen<\/h4>\n\n\n\n<p>Eine eindeutig und detailliert festgelegte Struktur, Zwischenziele, Zeitplan und Rollenverteilung: Was Deutsche priorisieren, ist f\u00fcr die erfolgreiche Umsetzung eines Projekts nat\u00fcrlich auch vorteilhaft und wird von schwedischen Teammitgliedern in der Regel akzeptiert &#8211; sofern sie denn in die Initialisierungsphase einbezogen wurden. Dann k\u00f6nnen schwedische St\u00e4rken wie der hohe Identifikationsgrad mit dem Projekt und die flexible Umsetzungsphase mit den deutschen St\u00e4rken einer detaillierten und exakten Planung erfolgreich miteinander kombiniert werden.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Autorin:<\/strong> Uta Schulz<\/em><\/p>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die geografische N\u00e4he zu Schweden verf\u00fchrt viele dazu, kulturelle Unterschiede zu untersch\u00e4tzen. 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