{"id":14960,"date":"2022-03-23T08:46:27","date_gmt":"2022-03-23T07:46:27","guid":{"rendered":"https:\/\/crossculture-academy.com\/?p=14960"},"modified":"2024-03-07T22:27:39","modified_gmt":"2024-03-07T22:27:39","slug":"kulturelle-unterschiede-deutschsprachige-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/kulturelle-unterschiede-deutschsprachige-schweiz\/","title":{"rendered":"Kulturelle Unterschiede deutschsprachige Schweiz"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/crossculture-academy.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/switzerland-flag-wave-large-500.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14961\" title=\"\"><figcaption><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Schweiz belegt in Sachen Wettbewerbsf\u00e4higkeit Platz eins, wie der j\u00fcngste Global Competitiveness Report des Weltwirtschaftsforums zeigt. Innovation, Effizienz und ein hoher Arbeitsethos sind weitere St\u00fctzpfeiler. Die vor allem den deutschsprachigen Schweizern nachgesagten Eigenschaften wie Ordnungsliebe, Pr\u00e4zision und ein hohes Ma\u00df an Sicherheitsdenken pr\u00e4gen eine Gesch\u00e4ftskultur, die vor allem Pragmatik und Planung zu ihren Erfolgsfaktoren z\u00e4hlt. Deutsche f\u00fchlen sich mit ihrem ebenfalls sachlichen Arbeitsstil in der schweizerischen Gesch\u00e4ftswelt durchaus zu Hause. Dennoch hilft es, bei gemeinsamen gesch\u00e4ftlichen Vorhaben einige interkulturelle Unterschiede wahrzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Informationen trumpfen<\/h4>\n\n\n\n<p>Bei ersten Gesch\u00e4ftsterminen erwarten Schweizer eine gut vorbereitete Pr\u00e4sentation, die ins Detail geht. H\u00e4ufig werden zu einem sehr fr\u00fchen Zeitpunkt bereits tiefgr\u00fcndige Fragen diskutiert und bewertet. Es ist daher wichtig, Vertreter mitzubringen, die eine hohe technische Kompetenz aufweisen und Fakten zu Produkten oder Projekten zufriedenstellend erkl\u00e4ren k\u00f6nnen. Schweizer gehen ungern Risiken ein, daher sichern sie sich vor allem durch umfassende Informationen ab, bevor ein gemeinsames Gesch\u00e4ft in Erw\u00e4gung gezogen wird.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Harmonische Meetings und Verhandlungen<\/h4>\n\n\n\n<p>In nachfolgenden Meetings und Verhandlungen streben Schweizer vor allem nach Harmonie. Ihr Verhandlungsstil ist methodisch-analytisch. Vorausgesetzt werden daher sachliche und konfrontationsfreie Diskussionen. In der Konsequenz sind Schweizer daher eher dazu geneigt, bei unterschiedlichen Ansichten einen Kompromiss zu suchen als eine Position bis zum Ende durchzufechten. Die Teilnehmer eines Meetings oder einer Verhandlung zeichnen sich meist durch ein hohes Fachwissen aus. Daher werden durchaus auch mehrere Personen allein wegen ihrer Expertenfunktion f\u00fcr einzelne Fragestellungen mit eingeladen. Ein Generalvertreter, der alle Verhandlungen alleine f\u00fchrt, ist selten.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz einer generell hohen Kompetenz zeigen sich Schweizer in Meetings und Verhandlungen bescheiden und nehmen ihre eigene Person nicht allzu wichtig. Statusdenken ist hier fast unbekannt. Understatement und Zur\u00fcckhaltung sollten sie auch von ihren deutschen Gesch\u00e4ftspartnern erwarten d\u00fcrfen, die sich dadurch angenehm von einem in der Schweiz herrschenden Stereotyp der \u00fcberheblichen Deutschen unterscheiden.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsfindung innerhalb des Unternehmens<\/h4>\n\n\n\n<p>\u00c4hnlich wie im Schweizer Staatssystem mit seinen vergleichsweise unabh\u00e4ngigen Kantonen und diversen B\u00fcrgerentscheiden wird auch in Unternehmen eine starke Dezentralisierung praktiziert. Die Hierarchien sind flach und die Basis verf\u00fcgt \u00fcber relativ hohe Entscheidungskompetenzen. In der Regel besteht eine Vielzahl operativer Einheiten. Jede tr\u00e4gt f\u00fcr bestimmte Aufgaben die Verantwortung. Bei der Entscheidungsfindung besteht ein tendenziell egalit\u00e4res Prinzip mit Konsensfindung. Entscheidungen werden daher zwar von der obersten Managementebene finalisiert, aber von mehreren Vertretern verschiedener Fachbereiche gemeinsam getroffen. Dieser Prozess der Einigung kann einige Zeit in Anspruch nehmen. Einmal verabschiedete Entscheidungen werden jedoch von allen engagiert umgesetzt und ein Gesch\u00e4ft, das lange auf sich hat warten lassen, erf\u00e4hrt eine schnelle Anlaufphase.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Deutsch-Schweizer Projektkooperationen<\/h4>\n\n\n\n<p>Die Uhren m\u00f6gen in der Schweiz langsamer gehen als in Deutschland. Nichtsdestotrotz sollten Deutsche immer p\u00fcnktlich wie ein Schweizer Uhrwerk zu Meetings erscheinen und Fristen sehr genau einhalten. Termine werden generell lange im Voraus festgesetzt und ungern verschoben. Auch von einmal erstellten Projektpl\u00e4nen weichen Schweizer nur unfreiwillig ab. Gew\u00fcnschte \u00c4nderungen m\u00fcssen daher genau begr\u00fcndet werden. Dabei gilt es, genug Zeit zu gew\u00e4hren, damit alle beteiligten operativen Einheiten umfassend informiert werden und angemessen reagieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Teamwork ist in der Projektarbeit Schweizer Unternehmen eine gern gew\u00e4hlte Arbeitsform. Allerdings agieren die Teammitglieder in ihren jeweiligen Fachgebieten meist trotz der Teambildung relativ eigenst\u00e4ndig und unabh\u00e4ngig. Auch hier ist der Schweizer Dezentralismus erkennbar. F\u00fcr die deutschen Projektpartner hei\u00dft das, sich f\u00fcr offene Fragen immer auch an den fachlichen Ansprechpartnern direkt zu wenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Deutsch-Schweizerische Kooperationen sind vor allem dann von Erfolg gekr\u00f6nt, wenn sich beide Seiten auf bestehende interkulturelle Unterschiede besinnen \u2013 und nicht wegen der gemeinsamen Sprache vorschnell davon ausgehen, dass sich alle problemlos verstehen. Die gemeinsame Vorliebe f\u00fcr Planung, Absicherung und Verl\u00e4sslichkeit stellt jedoch die beste Voraussetzung dar, auf einer sachlichen Ebene harmonisch alle Ziele zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Autorin<\/em><\/strong><em>: Katrin Koll Prakoonwit<\/em>\u00a0\u2013\u00a0<em>Bevor sie sich als Journalistin selbst\u00e4ndig machte, schrieb\u00a0Katrin Koll Prakoonwit\u00a0L\u00e4nderanalysen f\u00fcr die FAZ. Heute arbeitet sie f\u00fcr Publikationen verschiedener Beratungsunternehmen und Verlage. Frau Koll Prakoonwit lebt in Reading, Berkshire, bei London.<\/em><\/p>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweiz belegt in Sachen Wettbewerbsf\u00e4higkeit Platz eins, wie der j\u00fcngste Global Competitiveness Report des Weltwirtschaftsforums zeigt. Innovation, Effizienz und ein hoher Arbeitsethos sind weitere St\u00fctzpfeiler. Die vor allem den deutschsprachigen Schweizern nachgesagten Eigenschaften wie Ordnungsliebe, Pr\u00e4zision und ein hohes Ma\u00df an Sicherheitsdenken pr\u00e4gen eine Gesch\u00e4ftskultur, die vor allem Pragmatik und Planung zu ihren Erfolgsfaktoren [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":14961,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_improvement_type_select":"improve_an_existing","_thumb_yes_seoaic":false,"_frame_yes_seoaic":false,"seoaic_generate_description":"","seoaic_improve_instructions_prompt":"","seoaic_rollback_content_improvement":"","seoaic_idea_thumbnail_generator":"","thumbnail_generated":false,"thumbnail_generate_prompt":"","seoaic_article_description":"","seoaic_article_subtitles":[],"footnotes":""},"categories":[34,31,107,29],"tags":[],"class_list":["post-14960","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-business-management","category-europa","category-schweiz","category-sprachen"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14960","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14960"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14960\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14960"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14960"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14960"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}