{"id":14955,"date":"2022-03-23T08:39:56","date_gmt":"2022-03-23T07:39:56","guid":{"rendered":"https:\/\/crossculture-academy.com\/?p=14955"},"modified":"2024-03-07T22:27:39","modified_gmt":"2024-03-07T22:27:39","slug":"kommunikation-in-der-mehrsprachigen-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/kommunikation-in-der-mehrsprachigen-schweiz\/","title":{"rendered":"Kommunikation in der mehrsprachigen Schweiz"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/crossculture-academy.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Kommunikation-in-der-mehrsprachigen-Schweiz-300x199-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14956\" title=\"\"><figcaption><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kommunikationsstil eines schweizerischen Gesch\u00e4ftspartners kann jedoch je nach seiner Muttersprache durchaus unterschiedlich sein. Deutsche werden vor allem in der italienischen und franz\u00f6sischen Schweiz einen expressiveren Kommunikationsstil mit schnellem Sprechfluss, mehr Gestik und Temperament erleben. Auch gelten Schweizer aus dem Tessin oder der Romandie im Gesch\u00e4ftsleben tendenziell als aktiver und spontaner.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Langsame Sprechweise, andere Ausdr\u00fccke<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der deutschsprachigen Schweiz treffen&nbsp;Sie in der Regel auf Hochdeutsch sprechende (manchmal nur ungern) Gesch\u00e4ftspartner. Allerdings wird dort ein langsamer, teilweise fast monotoner Sprachfluss den ein oder anderen auf eine harte Geduldsprobe stellen. Dies sollten sich Deutsche keinesfalls anmerken lassen und auch den Schweizern niemals ins Wort fallen, um einen Satz schnell zu Ende zu bringen. Solch ein Verhalten k\u00f6nnte leicht mit einer den Deutschen gerne nachgesagten Besserwisserei gleichgesetzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn Hochdeutsch die gemeinsame Gesch\u00e4ftssprache ist, sollten Deutsche darauf achten, dass es im Sprachgebrauch dennoch Unterschiede gibt. So verabschieden sich in der Schweiz nur enge Freunde mit \u201eTsch\u00fcss\u201c. Daneben existieren viele schweizerdeutsche Ausdr\u00fccke, die f\u00fcr Deutsche zwar interpretierbar, aber unbekannt sind, wie z. B. &#8222;uf Widerluege&#8220; (&#8222;Auf Wiedersehen&#8220;), &#8222;exg\u00fcsi&#8220; (&#8222;Entschuldigung&#8220;), &#8222;merci f\u00fcrs Telefon&#8220; (&#8222;Danke f\u00fcr den Anruf&#8220;), &#8222;iidr\u00fccklich&#8220; (&#8222;beeindruckend&#8220;), &#8222;parkieren&#8220; (&#8222;einparken&#8220;), &#8222;M\u00fcnz&#8220; (&#8222;Kleingeld&#8220;) oder gar &#8222;Gurtentrageobligatorium&#8220; (&#8222;Anschnallpflicht&#8220;). Andere gleich lautende Begriffe m\u00f6gen sich wiederum durch Nuancen in ihrer Verwendung unterscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daneben sind die Schweizer Meister darin, etwas vage anzudeuten oder durch nur halb ausgesprochene S\u00e4tze zu kommunizieren. Deutsche verstehen diese nonverbalen Mitteilungen nicht immer auf Anhieb. Gleichzeitig sollten sie darauf achten, dass in ihre eigenen Aussagen vielleicht mehr hineininterpretiert wird als tats\u00e4chlich gemeint war.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">H\u00f6flichkeit ist ein Muss<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Generell ist in der Schweiz auf eine sehr h\u00f6fliche Ausdrucksweise mit vielen Entschuldigungen und Danksagungen zu achten. Sachverhalte m\u00fcssen pro forma ausf\u00fchrlich erkl\u00e4rt werden, auch wenn etwas selbsterkl\u00e4rend erscheint. Es wird au\u00dferdem h\u00e4ufig sehr formell gegr\u00fc\u00dft \u2013 z. B. der Nachbartisch im Restaurant oder wenn man jemanden nach dem Weg fragt. Daneben werden T\u00fcren aufgehalten, auch wenn der Nachfolgende noch Meter entfernt ist. Simple Dialoge werden gerne aus reiner H\u00f6flichkeit zu einem intensiven Frage-R\u00fcckfrage-Antwort-Spiel ausgedehnt. Telefonate beinhalten mehrfach Floskeln wie \u201eSind Sie noch da?\u201c oder \u201eK\u00f6nnen Sie mich verstehen?\u201c. Deutsche m\u00fcssen sich daher einfach darin \u00fcben, sich f\u00fcr Gespr\u00e4che \u2013 auch f\u00fcr ein eigentlich kurzes Telefonat \u2013immer ausreichend Zeit f\u00fcr H\u00f6flichkeiten zu nehmen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Sachlicher Small-Talk<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die als verschlossen geltenden Schweizer achten sehr darauf, Distanz zu wahren. Im ersten Kontakt mit neuen Gesch\u00e4ftspartnern bedeutet dies vor allem, z. B. beim gemeinsamen Business-Lunch keine zu direkten Fragen zu stellen oder zu pers\u00f6nliche Themen anzuschneiden \u2013 obwohl auch in der Schweiz Small-Talk durchaus wichtig ist. Im Vergleich zu beziehungsorientierteren Gesch\u00e4ftskulturen in S\u00fcdeuropa geht es hier jedoch weniger darum, sein Gegen\u00fcber n\u00e4her kennen zu lernen, sondern mehr um einen h\u00f6flichen gegenseitigen Austausch. Sachlichkeit ist daher immer empfehlenswert, w\u00e4hrend Ironie und Sarkasmus au\u00dferhalb eines privaten Umfeldes nur ungern geh\u00f6rt werden. Im italienischsprachigen Landesteil ist allerdings ein s\u00fcdl\u00e4ndischeres Verhalten sp\u00fcrbar, das sich vor allem durch ein intensiveres Interesse an der Person des Gesch\u00e4ftspartners aus Deutschland zeigt. Eine gute pers\u00f6nliche Beziehung mag hier durchaus eine gr\u00f6\u00dfere Rolle spielen als in der deutschsprachigen Schweiz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Autorin<\/em><\/strong><em>: Katrin Koll Prakoonwit<\/em>&nbsp;\u2013&nbsp;<em>Bevor sie sich als Journalistin selbst\u00e4ndig machte, schrieb&nbsp;Katrin Koll Prakoonwit&nbsp;L\u00e4nderanalysen f\u00fcr die FAZ. Heute arbeitet sie f\u00fcr Publikationen verschiedener Beratungsunternehmen und Verlage. Frau Koll Prakoonwit lebt in Reading, Berkshire, bei London.<\/em><\/p>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Kommunikationsstil eines schweizerischen Gesch\u00e4ftspartners kann jedoch je nach seiner Muttersprache durchaus unterschiedlich sein. Deutsche werden vor allem in der italienischen und franz\u00f6sischen Schweiz einen expressiveren Kommunikationsstil mit schnellem Sprechfluss, mehr Gestik und Temperament erleben. 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