{"id":14870,"date":"2022-03-22T12:07:33","date_gmt":"2022-03-22T11:07:33","guid":{"rendered":"https:\/\/crossculture-academy.com\/?p=14870"},"modified":"2024-03-07T22:27:36","modified_gmt":"2024-03-07T22:27:36","slug":"interkulturell-kompetent-kommunizieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/interkulturell-kompetent-kommunizieren\/","title":{"rendered":"Interkulturell kompetent kommunizieren"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/crossculture-academy.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Interkulturelle-kompetenz-kommunizieren.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14871\" title=\"\"><figcaption><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf Grund im pers\u00f6nlichen regionalen Umfeld erworbenen Annahmen und Vorstellungen kann es bei Begegnungen von Menschen aus zwei Kulturkreisen leicht zu Verst\u00e4ndnisschwierigkeiten kommen. Mit Hilfe von wissenschaftlichen Erkenntnissen aus dem Bereich der interkulturellen Kommunikation sollen Menschen lernen, sich \u00fcber diese m\u00f6glichen Unterschiede bewusst zu werden. Von Bedeutung ist dabei, dass es zur menschlichen Natur geh\u00f6rt, Stereotypen zu bilden und dem Fremden mit Vorurteilen zu begegnen. Ein Gro\u00dfteil der Bilder \u00fcber andere Kulturen, die in den K\u00f6pfen vieler Menschen vorherrschen, wurde \u00fcber die Medien oder durch Berichte anderer erworben. Begegnet man nun einer Person aus einem bestimmten Kulturkreis, so wird diese zun\u00e4chst zum Tr\u00e4ger all der Eigenschaften, die wir dieser Kultur zuordnen. Dabei setzen wir unsere eigene Kultur als Ma\u00dfstab an. Trotz gr\u00f6\u00dfter Bem\u00fchungen werden wir alle nie v\u00f6llig vorurteilsfrei durchs Leben gehen k\u00f6nnen. Gerade \u00fcber diese Tatsache sollte sich jeder immer im Klaren sein und aktiv versuchen, die hartn\u00e4ckig bestehenden Bilder im Kopf beiseite zu schieben.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Dimensionen einer Landeskultur<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachfolgend werden in Anlehnung an Gerhard Maletzkes Standardwerk \u201eInterkulturelle Kommunikation\u201c acht Merkmale beschrieben, anhand derer sich Landeskulturen voneinander unterscheiden k\u00f6nnen. So wei\u00df man, welchen Dingen man bei einer interkulturellen Begegnung besondere Beachtung schenken sollte. Dabei geht es nicht darum, bestimmte Verhaltensregeln zu erlernen, sondern lediglich die Aufmerksamkeit f\u00fcr die m\u00f6glichen Unterschiede zu schulen.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Wahrnehmung:<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Menschen nehmen nur einen engen Ausschnitt der Wirklichkeit wahr, der ihrer eigenen Interpretation unterliegt. Die Wahrnehmung kann also von Kultur zu Kultur \u2013 aber auch von Mensch zu Mensch \u2013 stark variieren. Eskimos kennen beispielsweise hunderte verschiedener Worte f\u00fcr Schnee, denn sie unterscheiden diverse Beschaffenheiten und Farbschattierungen. Die Bewohner Mikronesiens hingegen haben die F\u00e4higkeit, minimale Ver\u00e4nderungen der Wasseroberfl\u00e4che zu erkennen, so dass sie sich ohne nautische Hilfsmittel zwischen 5.000 Inseln zurechtfinden.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Zeiterleben:<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den einzelnen Kulturen herrschen unterschiedliche Zeitkonzepte. So gibt es beispielsweise Kulturkreise, in denen das Vergangene eine besondere Rolle einnimmt, was beispielsweise durch die Ahnenverehrung zum Ausdruck kommt. Am deutlichsten f\u00e4llt die Unterscheidung zwischen monochronistischen und polychronistischen Kulturen ins Gewicht. Im Monochronismus ist Zeit linear und wird in gleich gro\u00dfe Abschnitte geteilt. Die Menschen machen eine Sache nach der anderen und ihr Tagesablauf wird meist von der Uhr bestimmt. Im Polychronismus hingegen wird die Zeit als zirkul\u00e4r angesehen. Hier steht die Person im Vordergrund, die oft mehrere Sachen gleichzeitig macht und die Zeit dem Tun unterordnet. Der Glaube an Wiedergeburt beruht beispielsweise auf dem Verst\u00e4ndnis, dass die Zeit und das Leben einen Kreislauf bilden. Alles kehrt wieder.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Raumerleben:<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie Menschen einen Raum wahrnehmen, ist ebenfalls ein kulturspezifisches Merkmal. Bestes Beispiel ist die Empfindung der sozialen Distanz. Stehen sich zwei Gespr\u00e4chspartner gegen\u00fcber, empfinden sie den Abstand zueinander je nach Gewohnheit anders. W\u00e4hrend in Deutschland in der Regel eine Arml\u00e4nge als angenehm empfunden wird, ist dieser Abstand in S\u00fcdamerika oder im arabischen Raum deutlich geringer. R\u00fcckt nun beispielsweise der brasilianische Gespr\u00e4chspartner dem Deutschen immer n\u00e4her \u201eauf die Pelle\u201c, kann sich dieser sehr schnell unwohl f\u00fchlen. Interessant ist auch die Orientierungsf\u00e4higkeit in einer Gro\u00dfstadt. Im Westen dominiert das digitale Prinzip, d.h. man l\u00f6st die Umgebung in Eindimensionalit\u00e4t auf. Der Raum wird in Stra\u00dfennamen und Hausnummern geteilt, die auf einem Stadtplan durch Linien dargestellt werden. In Japan beispielsweise wird eine Stadt in diverse Subr\u00e4ume unterteilt. Es gibt Bezirke, Unterbezirke und viele weitere kleine r\u00e4umliche Einheiten. Die H\u00e4user innerhalb der kleinsten Raumeinheit werden in der Reihenfolge ihrer Entstehung nummeriert. Als Adresse erh\u00e4lt man nur eine Kombination von Bezirksnummern. Ein gut funktionierendes System, in dem sich allerdings westliche Ausl\u00e4nder nur schwer zurechtfinden.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Sprachliche Verst\u00e4ndigung:<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht nur zwischen Menschen mit unterschiedlicher Muttersprache entstehen kommunikative Missverst\u00e4ndnisse, wie uns Schulz von Thun in seinem kommunikationswissenschaftlichen Klassiker \u201eMiteinander reden\u201c dargelegt hat. Leider zu oft stimmen das Gemeinte und das Verstandene trotz gleicher Sprache nicht miteinander \u00fcberein. Denn der Empf\u00e4nger entschl\u00fcsselt eine Botschaft nach seinen eigenen Ma\u00dfst\u00e4ben. Bei einer interkulturellen Begegnung kommt nun erschwerend hinzu, dass viele der im Gespr\u00e4ch verwendeten Begriffe oder Symbole nicht von beiden Seiten identisch definiert werden. Ein Beispiel w\u00e4re das bei uns negativ besetzte Wort \u201eSchatten\u201c. In Deutschland sprechen wir von \u201e\u00fcberschatteten Ereignissen\u201c , \u201eden Schattenseiten des Lebens\u201c oder einfach nur einem \u201edunklen Schatten\u201c. In hei\u00dfen tropischen L\u00e4ndern wie Indonesien ist Schatten jedoch etwas Wunderbares und Wohltuendes. Daher wird das Wort im Sprachgebrauch auch mit einem positiven Symbolgehalt verwendet.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Nonverbale Kommunikation:<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gesten, Mimik und Blickkontakte k\u00f6nnen je nach kulturellem Umfeld eine gegens\u00e4tzliche Bedeutung haben. W\u00e4hrend wir beispielsweise einen direkten Blickkontakt mit Offenheit und Sympathie gleichsetzen, w\u00fcrde dieser in vielen anderen L\u00e4ndern als Affront angesehen. Auch Gesten haben keine universale G\u00fcltigkeit. Bildet man beispielsweise mit Daumen und Zeigefinger einen Kreis, hei\u00dft das in Deutschland \u201esuper, alles o.k.\u201c, in Japan \u201eGeld\u201c und in Australien kommt dieses Zeichen einer sehr groben Beleidigung gleich. Also Vorsicht!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die paralinguistischen Aspekte geh\u00f6ren in den Bereich der nonverbalen Kommunikation. Intonation, Expressivit\u00e4t und Lautst\u00e4rke sind in jeder Sprache anders. Folglich kann das, was in einem Gespr\u00e4ch mitschwingt, immer anders interpretiert werden. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr den Sprachstil. In der westlichen Welt wird ein klarer, eher rationaler Sprachstil verwendet, w\u00e4hrend in vielen asiatischen oder arabischen L\u00e4ndern ein indirekter, oft auch blumiger Sprachstil, vorherrscht. Auch das gegenseitige Abl\u00f6sen der Sprecher in einem Dialog kann sehr unterschiedlich ausfallen. W\u00e4hrend es in S\u00fcdeuropa normal ist, seinem Gespr\u00e4chspartner ins Wort zu fallen und noch ein St\u00fcck weit parallel zu reden, werden in Kulturen mit einer zur\u00fcckhaltenderen Mentalit\u00e4t sogar kleine H\u00f6flichkeitspausen eingelegt, ehe der n\u00e4chste zu reden beginnt.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Wertorientierungen:<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch die Sozialisierung in ihrem kulturellen Umfeld nehmen Menschen eine bestimmte Wertorientierung an. Jede Kultur h\u00e4lt andere Dinge f\u00fcr besonders erstrebenswert und bestimmt so, welches Wertesystem eingehalten wird oder auch welche Rolle Statusunterschiede spielen. Vorschriften und Regeln lassen sich beispielsweise frei oder auch sehr pragmatisch auslegen. Ein sehr korrekter und strenger Vorgesetzter kann je nach kulturellem Blickwinkel als arbeitsam und f\u00fchrungsstark oder als \u00fcbereifrig und herzlos erscheinen.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Verhaltensmuster:<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kulturspezifische Verhaltenmuster umfassen Sitten, Normen, Br\u00e4uche und Rollen, die im jeweiligen Kontext zu betrachten sind. Missverst\u00e4ndnisse kommen dann auf, wenn man seine eigenen Verhaltensmuster in einer fremden Umgebung durchzusetzen versucht. Auch wenn man sich \u00fcber eine typische Verhaltensart der lokalen Bev\u00f6lkerung wundern mag, man selbst d\u00fcrfte in den Augen der anderen mindestens genauso merkw\u00fcrdig erscheinen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Soziale Beziehungen:<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In vielen L\u00e4ndern sind soziale Hierarchien von unumg\u00e4nglicher Wichtigkeit. Dies wirkt sich auch auf die Gestaltung gesch\u00e4ftlicher Beziehungen aus. W\u00e4hrend Deutsche oder Amerikaner bei Gesch\u00e4ftsverhandlungen eher abschlussorientiert vorgehen, d.h. nach einem kurzen Small Talk \u201ezur Sache kommen\u201c wollen, muss man in einigen asiatischen L\u00e4ndern sehr viel Zeit mitbringen. Denn hier wird zuerst eine pers\u00f6nliche freundschaftliche Beziehung zum neuen Gesch\u00e4ftspartner aufgebaut, ehe man sich der eigentlichen Sache zuwendet.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">High- und Low-Context-Kulturen<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Hinblick auf das Kommunikationsverhalten und die Bedeutung der sozialen Beziehungen unterscheidet der interkulturelle Forscher E.T. Hall zwischen High- und Low-Context-Cultures. In High-Context-Kulturen stehen alle Kommunikationskan\u00e4le offen, da auch die indirekte Kommunikation wesentlich zum Informationsfluss beitr\u00e4gt. Auf das Gesch\u00e4ftsleben bezogen, spielen zudem gemeinsame Kontakte und ein \u00e4hnlicher sozialer Status eine bedeutende Rolle. In Low-Context-Kulturen dominiert die direkte Kommunikation durch klare Worte. Alle Informationen m\u00fcssen ausgesprochen werden. Die Sache steht immer im Vordergrund, folglich kann man auch mit Unbekannten, also ohne soziale Beziehung, problemlos Gesch\u00e4fte abwickeln. Eine hohe Dichte weisen beispielsweise Frankreich, Japan und China auf. Deutschland ist hingegen eine typische Low-Context-Kultur. Dabei kann es aber nicht nur zu Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den beiden Extremwerten auf der Skala Low- oder High-Context-Culture kommen. Auch L\u00e4nder, die vergleichsweise nah beieinander liegen, weisen bereits erhebliche Unterschiede im gesch\u00e4ftlichen Umgang auf. Die Professorin Marlene Djursaa von der Kopenhagener School of Business hat beispielsweise herausgefunden, dass D\u00e4nen schneller zum Gesch\u00e4ftlichen \u00fcbergehen als Briten, aber langsamer als die Deutschen. Das bedeutet, dass nicht nur die Meister der indirekten Kommunikation, die Chinesen, sondern auch D\u00e4nen und Briten Schwierigkeiten mit dem direkten Stil der Deutschen haben k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Interkulturelle Kompetenzen<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn die Welt immer n\u00e4her zusammenr\u00fcckt, beh\u00e4lt doch jede Kultur gl\u00fccklicherweise ihre charakteristischen Eigenschaften bei. Die F\u00e4higkeit, Abweichendes nicht abzulehnen und jedem Menschen mit Respekt und Toleranz zu begegnen, ist wohl das, was man in erster Linie unter interkultureller Kompetenz verstehen sollte. So lange wir uns vor Augen halten, dass wir durch unsere kulturelle Pr\u00e4gung in unserem Denken und Wahrnehmen beeinflusst werden, k\u00f6nnen wir auch akzeptieren, dass andere die Welt oder eine bestimmte Situation auf ihre Weise sehen und interpretieren. Dies mag zwar im ersten Moment fremd erscheinen, aber letztlich ist es nicht besser oder schlechter, sondern eben einfach nur anders.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Autorin<\/em><\/strong><em>: Katrin Koll Prakoonwit<\/em>&nbsp;\u2013&nbsp;<em>Bevor sie sich als Journalistin selbst\u00e4ndig machte, schrieb&nbsp;Katrin Koll Prakoonwit&nbsp;L\u00e4nderanalysen f\u00fcr die FAZ. Heute arbeitet sie f\u00fcr Publikationen verschiedener Beratungsunternehmen und Verlage. Frau Koll Prakoonwit lebt in Reading, Berkshire, bei London.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf Grund im pers\u00f6nlichen regionalen Umfeld erworbenen Annahmen und Vorstellungen kann es bei Begegnungen von Menschen aus zwei Kulturkreisen leicht zu Verst\u00e4ndnisschwierigkeiten kommen. Mit Hilfe von wissenschaftlichen Erkenntnissen aus dem Bereich der interkulturellen Kommunikation sollen Menschen lernen, sich \u00fcber diese m\u00f6glichen Unterschiede bewusst zu werden. 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