{"id":14835,"date":"2022-03-22T11:12:39","date_gmt":"2022-03-22T10:12:39","guid":{"rendered":"https:\/\/crossculture-academy.com\/?p=14835"},"modified":"2024-03-07T22:27:35","modified_gmt":"2024-03-07T22:27:35","slug":"kulturelle-einfluesse-bei-der-arbeitsplatzgestaltung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/kulturelle-einfluesse-bei-der-arbeitsplatzgestaltung\/","title":{"rendered":"Kulturelle Einfl\u00fcsse bei der Arbeitsplatzgestaltung"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/crossculture-academy.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Kulturelle-Einfluesse-Arbeitsplatz_-123RF_tomwang_34629519_s.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14836\" title=\"\"><figcaption><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In asiatischen L\u00e4ndern begegnen Europ\u00e4er in der Regel einem v\u00f6llig anderen Raumverst\u00e4ndnis. W\u00e4hrend in Deutschland vielen Mitarbeitern relativ gro\u00dfz\u00fcgige Arbeitspl\u00e4tze mit Raum f\u00fcr Privatsph\u00e4re zur Verf\u00fcgung stehen, arbeiten indische Angestellte dicht an dicht \u2013 und tolerieren das auch. Der Ger\u00e4uschpegel, typische Ger\u00fcche und Einrichtungsgegenst\u00e4nde unterscheiden sich ebenfalls erheblich in den Kulturen. Internationale Unternehmen haben zwar oft Arbeitsplatzstandards, dennoch scheint die Raumorganisation in den verschiedenen Standorten meist ungeschriebenen Gesetzen zu folgen, die schwer zu greifen sind. Der f\u00fcr seine Studien \u00fcber die Beziehung zwischen Menschen und ihre Umgebung bekannt gewordene Anthropologe Edward T. Hall beobachtete dazu: \u201eDie Kultur verbirgt viel mehr als sie enth\u00fcllt, und was sie verbirgt, verbirgt sie seltsamerweise am effektivsten gerade vor denen, die Teil dieser Kultur sind.\u201c Diese Beobachtung l\u00e4sst annehmen, dass bei der Untersuchung verschiedener Raumkonzepte bestimmte kulturspezifische Faktoren zu ber\u00fccksichtigen sind. Die lokale Kultur und die globale Ausrichtung eines Unternehmens m\u00fcssen in Einklang gebracht werden. So lautet ein Ergebnis einer aktuellen Forschungsarbeit von Steelcase. F\u00fcr die Studie \u201eDer Culture Code\u201c untersuchte das unternehmenseigene Forschungsteam Steelcase WorkSpace Futures mehr als 100 Arbeitspl\u00e4tze in elf L\u00e4ndern und beobachtete dabei den Einfluss der jeweiligen Kulturen auf die Arbeitsumgebung.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Der Einfluss einer Kultur auf den Arbeitsbereich \u2013 Ein L\u00e4ndervergleich:<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im \u201eCulture Code\u201c vergleicht Steelcase die Arbeitskulturen folgender L\u00e4nder: China, Indien, Marokko, Russland, Frankreich, Italien, Spanien, Deutschland, Gro\u00dfbritannien, Niederlande und USA. Welchen Einfluss die unterschiedlichen Auffassungen einer Kultur von Hierarchie, Zusammenarbeit und weiteren Faktoren auf die jeweiligen Raumkonzepte haben, zeigen die folgenden Erkenntnisse der Studie in L\u00e4ndergruppen zusammengefasst.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Deutschland, Gro\u00dfbritannien, Niederlande, USA: Die Innovationsfreudigen<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eigenst\u00e4ndigkeit und Eigenverantwortung sind in diesen Kulturen selbstverst\u00e4ndlich. Die Steelcase-Experten stellten fest, dass der Individualismus in diesen vier L\u00e4ndern am st\u00e4rksten ausgepr\u00e4gt ist. Die Mitarbeiter akzeptieren zum Beispiel keine dichte Arbeitsumgebung. Vor allem die Deutschen legen Wert auf die Einhaltung ihrer Privatsph\u00e4re und bevorzugen pers\u00f6nlich zugeordnete Arbeitspl\u00e4tze, mit akustischen und visuellen Raumabtrennungen. Trotz dieser Einschr\u00e4nkungen gelten die vier Kulturen als aufgeschlossen gegen\u00fcber neuen Raumkonzepten. Au\u00dferdem nutzen sie Arbeitspl\u00e4tze zunehmend gleichberechtigt. In den Niederlanden arbeiten zum Beispiel Manager oft neben Angestellten, da die Hierarchien in diesem Kulturkreis sehr flach sind. Auch flexible Arbeitsmodelle sind in diesen L\u00e4ndern verbreitet. Vor allem Gro\u00dfbritannien, die USA und die Niederlande setzen innovative Arbeitsweisen wie Hotelling, Desksharing, Co-Working Spaces und Homeoffice bereits erfolgreich ein.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/crossculture-academy.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Kulturelle-Einfluesse-Arbeitsplatzgestaltung-e1435152728597.bmp\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"112\" title=\"\"><\/h4>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Frankreich, Italien, Spanien: Die Individualisten<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Bed\u00fcrfnis nach viel Platz liegt in der Natur dieser drei L\u00e4nder. Ihre jeweilige Kommunikation ist gepr\u00e4gt von einer raumgreifenden Gestik und temperamentvollem Sprechen. Dieses Bed\u00fcrfnis spiegelt sich auch in der Arbeitsumgebung wider. Arbeitspl\u00e4tze dicht an dicht werden kaum akzeptiert. Franzosen, Spanier und Italiener sind beruflich gesehen Individualisten, arbeiten am liebsten im B\u00fcro und zun\u00e4chst gern allein. Vor allem Franzosen sch\u00e4tzen ein hohes Ma\u00df an Freiheit und Autonomie, berichten die Forscher des Steelcase WorkSpace Futures Teams. Auf der anderen Seite beweisen diese Kulturen eine hohe Flexibilit\u00e4t bei der Zuordnung der R\u00e4ume, das bedeutet F\u00fchrungskr\u00e4fte sind meist zentral platziert \u2013 auch um ihre Mitarbeiter im Blick zu haben. Solange ihre pers\u00f6nlichen und r\u00e4umlichen Grenzen respektiert werden, k\u00f6nnen Mitarbeiter dieser Kulturen auch mit der Reduzierung von B\u00fcrofl\u00e4chen gut umgehen. Alle drei L\u00e4nder haben mit steigenden Immobilienpreisen zu k\u00e4mpfen, was auch dazu f\u00fchrt, das Unternehmen immer \u00f6fter alternative Arbeitsweisen einf\u00fchren, zum Beispiel das Arbeiten von Zuhause oder an sogenannten \u201eThird Places\u201c (Den Begriff \u201eThird Places\u201d pr\u00e4gte Ray Oldenburg in seinem Buch: \u201cThe Great Good Place\u201d.)<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">China, Indien, Marokko, Russland: Die Zielorientierten<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese vier L\u00e4nder vereint vor allem eine autokratische Kultur. F\u00fchrungskr\u00e4fte sollen einen sympathischen, aber seri\u00f6sen und bestimmenden Eindruck vermitteln. Besonders in China ist man sehr darauf bedacht, \u201edas Gesicht zu wahren\u201c. In Indien zeigen fest zugeordnete Arbeitspl\u00e4tze, welche Rolle der Einzelne im Unternehmen spielt. Manager arbeiten in diesen Kulturen deshalb bevorzugt in abgeschlossenen B\u00fcros, die deren Autorit\u00e4t widerspiegeln. Grunds\u00e4tzlich seien inzwischen aber die meisten Manager auch bereit, ihre B\u00fcrofl\u00e4chen f\u00fcr eine Kostenreduzierung zu verkleinern, hei\u00dft es im \u201eCulture Code\u201c. In Russland zeigt sich, dass neben einem dominanten F\u00fchrungsstil gleichzeitig enge, freundschaftliche Bande unter Kollegen existieren, die sich sogar in gemeinsam pers\u00f6nlich eingerichteten Bereichen innerhalb eines B\u00fcros zeigen. Auch in Marokko sei es \u00fcblich, den eigenen Arbeitsplatz nach den pers\u00f6nlichen Vorlieben umzugestalten, berichtet die Innenarchitektin und Steelcase-Forscherin Ilona Maier. Das Bekleben von St\u00fchlen mit Namensschildern geh\u00f6re unter anderem auch dazu. Ein weiteres gemeinsames Merkmal dieser L\u00e4nder ist die hohe Akzeptanz dichter Arbeitsumgebungen. Die Steelcase-Experten gehen davon aus, dass die Bereitschaft zur Umgestaltung von Arbeitsr\u00e4umen vorhanden ist und es nur wenige Regeln bei der Zusammenarbeit gibt. Das erm\u00f6glicht es Unternehmen, mit unterschiedlichen Ma\u00dfnahmen zur Optimierung des Arbeitsraumes zu experimentieren.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Zusammenfassung: Schl\u00fcsselfaktoren Arbeitsplatzdichte und Mobilit\u00e4t<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Experten von Steelcase fanden heraus, dass zwei Faktoren dar\u00fcber entscheiden, wie die Umgestaltung von Arbeitsr\u00e4umen in Unternehmen ein Erfolg wird: Entscheidend ist erstens die Toleranz der Angestellten gegen\u00fcber dicht belegten Arbeitsr\u00e4umen und zweitens ihre Bereitschaft an unterschiedlichen Orten zu arbeiten. Bestehende Raumkonzepte k\u00f6nnen von Unternehmen demnach nicht eins zu eins in verschiedene Kulturen \u00fcbertragen werden. Vielmehr gilt es genau zu untersuchen, welche Aspekte \u00fcbernommen und welche angepasst werden m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Die detaillierten Ergebnisse und einen ausf\u00fchrlichen L\u00e4ndervergleich finden Sie im Steelcase-Magazin 360\u00b0 \u201eDer Culture Code. Landes- und Arbeitskulturen und ihr Einfluss auf das Arbeiten in einer vernetzten Welt\u201c.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In asiatischen L\u00e4ndern begegnen Europ\u00e4er in der Regel einem v\u00f6llig anderen Raumverst\u00e4ndnis. W\u00e4hrend in Deutschland vielen Mitarbeitern relativ gro\u00dfz\u00fcgige Arbeitspl\u00e4tze mit Raum f\u00fcr Privatsph\u00e4re zur Verf\u00fcgung stehen, arbeiten indische Angestellte dicht an dicht \u2013 und tolerieren das auch. Der Ger\u00e4uschpegel, typische Ger\u00fcche und Einrichtungsgegenst\u00e4nde unterscheiden sich ebenfalls erheblich in den Kulturen. 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