{"id":14816,"date":"2022-03-22T10:37:28","date_gmt":"2022-03-22T09:37:28","guid":{"rendered":"https:\/\/crossculture-academy.com\/?p=14816"},"modified":"2024-03-07T22:27:35","modified_gmt":"2024-03-07T22:27:35","slug":"als-weibliche-fuehrungskraft-im-ausland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/als-weibliche-fuehrungskraft-im-ausland\/","title":{"rendered":"Als weibliche F\u00fchrungskraft im Ausland"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/crossculture-academy.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Weibliche-Fuehrungskraefte.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14817\" title=\"\"><figcaption><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Laut der Studie \u201eManaging Mobility 2012\u201c liegt die Quote der weiblichen Expatriates weltweit bei rund 13 Prozent . In Deutschland sind verschiedenen Sch\u00e4tzungen zufolge etwa zehn Prozent der Entsandtkr\u00e4fte weiblich. Je nach Entsendungsland m\u00fcssen weibliche F\u00fchrungskr\u00e4fte oder Experten teils ganz andere H\u00fcrden nehmen als ihre m\u00e4nnlichen Counterparts. Meist h\u00e4ngen diese Herausforderungen mit dem kulturell gepr\u00e4gten Rollenverst\u00e4ndnis des Gastlandes zusammen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Eine Frau als Chef?<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An erster Stelle steht vielerorts sicherlich die Frage, inwieweit die lokalen Mitarbeiter bereit sind, eine (ausl\u00e4ndische) Frau als F\u00fchrungskraft zu akzeptieren. Dies h\u00e4ngt ma\u00dfgeblich davon ab, ob man vor Ort generell an Frauen in F\u00fchrungspositionen gewohnt ist oder nicht. Dabei w\u00e4re es jedoch ein Trugschluss zu glauben, dass in s\u00fcdlichen und \u00f6stlichen Schwellenl\u00e4ndern mit einem traditionell klassischen Rollenverst\u00e4ndnis weniger Frauen in den h\u00f6heren R\u00e4ngen der Gesch\u00e4ftswelt vorzufinden sind, und in demokratischen westlichen Industriestaaten deutlich mehr. So zeigt der International Business Report 2013 (IBR) der Grant Thornton Wirtschaftspr\u00fcfungsgesellschaft, dass der Anteil an weiblichen F\u00fchrungskr\u00e4ften global bei 24 Prozent liegt. Der Durchschnitt in der Asien-Pazifik-Region (ASEAN-Staaten) liegt jedoch bei 32 Prozent. Unangefochtener Spitzenreiter ist jedoch China. Dort werden rund 51 Prozent aller Leitungsfunktionen mit qualifizierten Frauen besetzt. Weitere Spitzenpl\u00e4tze belegen Polen (48 Prozent) und Lettland (43 Prozent). In Japan sind nur sieben Prozent der weiblichen Arbeitskr\u00e4fte in F\u00fchrungspositionen. Schlusslichter sind beispielsweise auch die Niederlande (elf Prozent) und die Schweiz (14 Prozent). Deutschland liegt mit einem Frauenanteil in F\u00fchrungsetagen von 31 Prozent im oberen Mittelfeld. In den USA wird hingegen nur jeder f\u00fcnfte Chefsessel von einer Frau besetzt.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Das lokale Rollenverst\u00e4ndnis genau betrachten<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weibliche&nbsp;Expats sollten also differenziert hinterfragen, welchen Stand qualifizierte Frauen in der Gesch\u00e4ftskultur des anvisierten Gastlandes haben. Oft geben die Geschichte sowie die aktuelle Entwicklung des Landes bereits wichtige Hinweise darauf, wie Frauen in Wirtschaft und Politik betrachtet werden. Viele L\u00e4nder befinden sich in einem Umbruch. J\u00fcngere Frauen mit Hochschulabschluss streben in das mittlere Management und es besteht ein Generationenwechsel zwischen traditionellen, m\u00e4nnlich dominierten versus modernen Unternehmen mit einer ausgewogenen Verteilung der Positionen. Religion und traditionelle Rollenmuster im privaten Bereich sind in einigen L\u00e4ndern von der wirtschaftlichen Ebene unabh\u00e4ngig zu sehen. Nat\u00fcrlich geben auch die vorherrschenden Verhaltensweisen in einer Gesch\u00e4ftskultur Hinweise darauf, wie sich ausl\u00e4ndische Frauen vor Ort am besten verhalten.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Sich beziehungsorientiert zeigen<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In vielen beziehungsorientierten Gesch\u00e4ftskulturen steht das pers\u00f6nliche Verh\u00e4ltnis zwischen F\u00fchrungskraft und Mitarbeitern an vorderster Stelle. Treffen nun Fachkr\u00e4fte in einem Land, in dem Frauen in leitender Position oder mit Expertenrolle eher die Ausnahme bilden, auf weibliche Expats mit F\u00fchrungsaufgaben, tun sie sich mit dem Aufbau einer funktionierenden Beziehungsebene h\u00e4ufig schwer. In dieser Situation ist es h\u00e4ufig an den deutschen Frauen, zun\u00e4chst Br\u00fccken zu bauen. Dabei kommt es darauf an, im Gespr\u00e4ch gen\u00fcgend von sich Preis zu geben, damit sich die pers\u00f6nliche Ebene stabilisiert. Gelingt dies nicht, wird sich die Arbeitsatmosph\u00e4re nur z\u00f6gerlich weiterentwickeln.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Gesten, Mimik und Kleidung Beachtung schenken<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine unterschiedliche K\u00f6rpersprache kann in interkulturellen Arbeitsbeziehungen schnell zu gravierenden Missverst\u00e4ndnissen f\u00fchren. Zu viel Gestik, zu lautes Lachen oder Reden, selbst ein zu freundliches L\u00e4cheln kann einer Frau schnell angekreidet werden. Besonders zu erw\u00e4hnen ist zudem das bei Deutschen beliebte \u00dcbereinanderschlagen der Beine, was in manchen L\u00e4ndern f\u00fcr Frauen keine angemessene Sitzhaltung ist. Mancherorts ist ein zu direkter Blickkontakt zwischen Frauen und M\u00e4nnern verp\u00f6nt. Auch mit einem kernigen Handschlag k\u00f6nnen Frauen irritieren. Keinesfalls sollten Fragen des Dresscodes untersch\u00e4tzt werden, da ein falsches optisches Auftreten bei Frauen sehr viel st\u00e4rker als bei M\u00e4nnern zu Fehleinsch\u00e4tzungen ihrer Person f\u00fchrt. Ein angepasster Kleidungsstil ist daher immer empfehlenswert.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Nettigkeiten<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pr\u00e4sentieren sich m\u00e4nnliche Mitarbeiter oder Gesch\u00e4ftspartner im Gastland st\u00e4ndig als Kavaliere und Charmeure, haben deutsche Frauen h\u00e4ufig das Gef\u00fchl, in ihrer beruflichen Funktion nicht ernst genommen zu werden. Es kann hilfreich sein, sich in diesen F\u00e4llen einmal das Verhalten der berufst\u00e4tigen Frauen vor Ort genauer anzuschauen. Denn vielerorts m\u00f6chten diese im Gesch\u00e4ftsleben durchaus auch als Frau wahrgenommen und behandelt werden. Sie legen Wert darauf, dass ihnen die T\u00fcr aufgehalten wird, hin und wieder ein Kompliment f\u00e4llt oder sie sogar Blumen erhalten. Was deutsche Frauen als Herabstufung empfinden, ist vielleicht Wertsch\u00e4tzung.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Verhandlungen mit lokalen Gesch\u00e4ftspartnern<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In vielen L\u00e4ndern mag es Gesch\u00e4ftsm\u00e4nner geben, die Verhandlungen nicht mit weiblichen Unternehmensvertreterinnen f\u00fchren m\u00f6chten. Gelingt es dann nicht, eine zwischenmenschliche Ebene zu schaffen, die \u00fcber diese innere Barriere hinweghilft, kann es der bessere Weg sein, sich als weibliche F\u00fchrungskraft trotz der eigenen Befugnisse etwas zur\u00fcckzunehmen und die Verhandlungen einem m\u00e4nnlichen Mitarbeiter zu \u00fcberlassen. Merken die Verhandlungspartner, dass dieser Mann Anweisungen erh\u00e4lt, verlagert sich oft das Gespr\u00e4ch nach und nach zur\u00fcck zur weiblichen F\u00fchrungskraft. Manche Dinge brauchen ihre Zeit.<br>Feuchtfr\u00f6hliches After Work<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einigen Gesch\u00e4ftskulturen geh\u00f6rt ein lebhaftes After Work mit viel Alkohol einfach dazu. Frauen, die Alkohol gut vertragen, werden bei ihrem Team punkten, wenn sie munter mittrinken. Es w\u00e4re jedoch rufsch\u00e4digend, durch den Alkoholgenuss an Haltung zu verlieren. Daher hei\u00dft es, immer den Absprung rechtzeitig zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alles in allem scheint es f\u00fcr weibliche F\u00fchrungskr\u00e4fte in ausl\u00e4ndischen Tochtergesellschaften &#8211; insbesondere in den zahlreichen beziehungsorientierten Kulturen mit traditionellem Rollenverst\u00e4ndnis &#8211; immer erfolgversprechender zu sein, sich nicht in einem betont m\u00e4nnlichen Auftreten zu versuchen. Vielmehr ist es empfehlenswert, sich authentisch weiblich zu zeigen, aber fachlich seinen Mann zu stehen. Dann entsteht der n\u00f6tige Respekt, der Frauen im Ausland h\u00e4ufig zun\u00e4chst verwehrt wird, meist wie von selbst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Autorin<\/em><\/strong><em>: Katrin Koll Prakoonwit<\/em>&nbsp;\u2013&nbsp;<em>Bevor sie sich als Journalistin selbst\u00e4ndig machte, schrieb&nbsp;Katrin Koll Prakoonwit&nbsp;L\u00e4nderanalysen f\u00fcr die FAZ. Heute arbeitet sie f\u00fcr Publikationen verschiedener Beratungsunternehmen und Verlage. Frau Koll Prakoonwit lebt in Reading, Berkshire, bei London.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Laut der Studie \u201eManaging Mobility 2012\u201c liegt die Quote der weiblichen Expatriates weltweit bei rund 13 Prozent . In Deutschland sind verschiedenen Sch\u00e4tzungen zufolge etwa zehn Prozent der Entsandtkr\u00e4fte weiblich. 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