{"id":14757,"date":"2022-03-21T15:24:38","date_gmt":"2022-03-21T14:24:38","guid":{"rendered":"https:\/\/crossculture-academy.com\/?p=14757"},"modified":"2024-03-07T22:27:34","modified_gmt":"2024-03-07T22:27:34","slug":"kinder-im-ausland-zweisprachig-erziehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/kinder-im-ausland-zweisprachig-erziehen\/","title":{"rendered":"Kinder im Ausland zweisprachig erziehen"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/crossculture-academy.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Kinder-im-Ausland-zweisprachig-erziehen-300x225-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14758\" title=\"\"><figcaption><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Als zwei- oder mehrsprachig gilt, wer zus\u00e4tzlich zu seiner Muttersprache eine oder mehrere andere Sprachen in einer Einfachheit und mit einem Sprachumfang versteht und spricht, dass er mit einem Einheimischen zu vergleichen ist. F\u00fcr das Erlernen einer weiteren Sprache gibt es generell zwei Wege: Bei der sogenannten EPES-Methode (Eine-Person-Eine-Sprache) sind die Eltern in der Regel binational und jedes Elternteil spricht mit dem Kind in seiner Muttersprache. Bei der zweiten Methode gibt es eine Familien- und eine Umgebungssprache, was bedeutet, dass das Kind innerhalb der Familie eine andere Sprache spricht als in seinem sozialen Umfeld.<\/p>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzlich sollte ein Kind rund 30 Prozent der Tageszeit mit einer weiteren Sprache in Ber\u00fchrung kommen, um zweisprachig aufzuwachsen. Dabei muss eine intensive emotionale Beziehung zu den Personen bestehen, die in der jeweiligen Sprache zu ihm sprechen. Das \u201ek\u00fcnstliche\u201c Wiederholen oder Nachsprechen von Vokabeln durch einen Nicht-Muttersprachler, etwa wie in einem Sprachkurs, f\u00fchrt in der Regel nicht zu einer nat\u00fcrlichen Mehrsprachigkeit. Eltern tun ihren Kindern daher keinen Gefallen, wenn sie selbst versuchen, zu Hause in der Landessprache zu sprechen. F\u00fcr die \u00fcberwiegende Zahl der Expat-Familien trifft daher die zweite Methode zu: Deutsch wird im Ausland zur reinen Familiensprache, w\u00e4hrend im sozialen Umfeld die Sprache des Gastlandes dominiert. Das Erlernen von zwei und sogar drei oder vier Sprachen ist ohne weiteres m\u00f6glich und es sind keinerlei Einschr\u00e4nkungen im weiteren Lernen zu erwarten<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Je j\u00fcnger, umso schneller<\/h4>\n\n\n\n<p>Kleinkinder kommen mit einer neuen Umgebungssprache meist durch den Besuch einer einheimischen Spielgruppe oder des Kindergartens das erste Mal in Ber\u00fchrung. Dort lernen sie die zweite Sprache meist spielerisch. Sie ahmen die geh\u00f6rten Laute und Worte einfach nach, genauso wie sie zuvor ihre Muttersprache erlernt haben. Im Alter von circa vier Jahren haben sie die Grammatikregeln und die Struktur der Sprache von selbst entschl\u00fcsselt. Und auch wenn sie die neue Sprache nicht gleich sprechen k\u00f6nnen oder wollen, erwerben sie doch ein passives Sprachverm\u00f6gen, das sp\u00e4testens in der Schule zur vollen Entfaltung kommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Schulkinder tun sich nach einem Umzug ins Ausland meist schwerer, die neue Sprache zu lernen. Zwar verf\u00fcgen auch sie \u00fcber das Potenzial, eine Fremdsprache in k\u00fcrzester Zeit flie\u00dfend zu sprechen, jedoch haben sie die Unbek\u00fcmmertheit eines Kleinkindes bereits verloren. Sie versp\u00fcren oft genauso wie Erwachsene Scheu, in der neuen Sprache Fehler zu machen und sich vor Muttersprachlern zu blamieren. Das h\u00e4lt sie davon ab, neu Gelerntes einfach auszuprobieren und durch gemachte Fehler st\u00e4ndig dazu zu lernen. Aber nach einer gewissen Eingew\u00f6hnungszeit unter Gleichaltrigen k\u00f6nnen ihre Eltern meist staunen, wie souver\u00e4n sie sich pl\u00f6tzlich in der Landessprache bewegen. Selbst Gestik und Mimik der Einheimischen werden bald \u00fcbernommen, sodass die Kinder zwischen ihren non-verbalen Ausdrucksweisen genauso hin- und herwechseln wie zwischen den Sprachen selbst.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Sprachen vermischen<\/h4>\n\n\n\n<p>Trotz aller Bem\u00fchungen kommt es insbesondere bei Vorschulkindern h\u00e4ufig vor, dass sie ihre beiden Sprachen vermischen. Eltern vermuten dann oft, dass das Kind \u00fcberfordert ist und deshalb alles durcheinander wirft. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass auch einsprachige Kinder h\u00e4ufig nicht immer das richtige Wort finden oder grammatikalische Fehler machen. In zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass das menschliche Gehirn durchaus in der Lage ist, mehrere Sprachen gleichzeitig zu erwerben, ohne dass dadurch andere F\u00e4higkeiten eingeschr\u00e4nkt werden. Beste Beispiele bieten multilinguale L\u00e4nder wie die Schweiz, Kanada oder auch Belgien, in denen Kinder von Anfang an zwei oder mehrere Sprachen erlernen m\u00fcssen, ohne dass sich jemand dar\u00fcber Sorgen macht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sprachmischung ist vor allen Dingen eine Frage des Wortschatzes. F\u00e4llt dem Kind der gesuchte Begriff in der einen Sprache nicht sofort ein, sagt es ihn eben schnell in der anderen. Ursache ist die in dem Moment st\u00e4rkere Pr\u00e4senz des Wortes in der einen Sprache, etwa weil dieses zuerst erlernt wurde oder weil es im t\u00e4glichen Sprachgebrauch h\u00e4ufiger verwendet wird. Dar\u00fcber hinaus tr\u00e4gt dazu bei, dass die Eltern entweder selbst zwischen den Sprachen hin- und herspringen oder zumindest die Mischungen verstehen und darauf reagieren. Man sollte die Kinder nicht st\u00e4ndig auf das Mischen aufmerksam machen, sondern einfach schnell das passende Wort &#8211; ohne weiteren Kommentar &#8211; in der anderen Sprache wiederholen. In der Regel lernen die Kinder mit der Zeit, welche W\u00f6rter zu welcher Sprache geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Im \u00dcbrigen wird auch das Lesen und Schreiben lernen durch eine zweite Sprache nicht erschwert. Im Gegenteil: Das Sprechen mehrerer Sprachen f\u00f6rdert bei Kindern ein gewisses linguistisches Grundverst\u00e4ndnis, sodass sich die Lese- und Schreibkompetenzen sp\u00e4ter h\u00e4ufig besser entwickeln als bei einsprachigen Kindern. Dar\u00fcber hinaus gelten mehrsprachige Kinder als besonders kreativ, geistig flexibel und sie haben ein besseres r\u00e4umliches Vorstellungsverm\u00f6gen, so die neuesten Forschungsergebnisse.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Wenn das Deutsche schwindet<\/h4>\n\n\n\n<p>Nach einiger Zeit im Ausland muss bei vielen Kindern die deutsche Muttersprache zus\u00e4tzlich gef\u00f6rdert werden, da durch die Schule und den t\u00e4glichen Umgang mit Freunden die Umgebungssprache immer st\u00e4rker in den Vordergrund ger\u00fcckt ist. Das konsequente Sprechen der &#8222;schwachen&#8220; Sprache ist dann die erste Bedingung f\u00fcr das Gelingen einer ausgewogenen zweisprachigen Erziehung. Auch das Schreiben in der Familiensprache geh\u00f6rt zur aktiven F\u00f6rderung mit dazu und kann am besten in einem entsprechenden Deutschunterricht gelehrt werden. B\u00fccher, Musik, Videos oder DVDs k\u00f6nnen ebenfalls zum notwendigen Ausgleich beitragen \u2013 sofern sie Inhalte haben, an denen die Kinder wirklich interessiert sind!<\/p>\n\n\n\n<p>Oftmals ist es auch eine Frage der Motivation, inwieweit \u00e4ltere Kinder im Ausland bereit sind, Deutsch zu sprechen. Viele haben einfach das Gef\u00fchl, dass sie ihre Muttersprache nicht mehr wirklich \u201ebrauchen\u201c, wenn diese nur zu Hause gesprochen wird und die Eltern inzwischen vielleicht sogar selbst der Landessprache m\u00e4chtig sind. Warum also zwischen den Sprachen hin- und herwechseln, wenn man auch so verstanden wird? Oft wird die deutsche Sprache sogar g\u00e4nzlich verweigert, weil sie als Abgrenzung vom f\u00fcr Kinder so bedeutenden sozialen Umfeld empfunden wird.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Fall kann der Kontakt zu anderen Deutschen die entscheidende Wende bringen. So finden viele Kinder wieder mehr Freude an ihrer Familiensprache, wenn sie feststellen, dass diese ja auch von anderen Menschen au\u00dferhalb des Hauses gesprochen wird. Die verweigerte Muttersprache gewinnt pl\u00f6tzlich wieder an Wertigkeit. Besonders motivierend ist f\u00fcr die meisten Kinder eine Reise in das Land, in dem die &#8222;schwache&#8220; Sprache die Umgebungssprache ist und die &#8222;starke&#8220; Sprache ausblendet. Sie tauchen schnell in die vertraute Muttersprache ein und k\u00f6nnen nach wenigen Wochen (wieder) so gut sprechen wie ihre Altersgenossen. Ein Heimaturlaub in Deutschland kann also wahre Wunder bewirken.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Ein Leben lang?<\/h4>\n\n\n\n<p>Zieht die Expat-Familie nach einigen Jahren zur\u00fcck nach Deutschland oder in ein anderes Land, gehen einmal erworbene Sprachkenntnisse sehr schnell wieder verloren. Zwar k\u00f6nnten die Kenntnisse sp\u00e4ter wieder aktiviert werden. Einfacher ist es jedoch, die zweite Sprache auch zur\u00fcck in Deutschland weiter zu f\u00f6rdern, beispielsweise durch Sprachunterricht, ein Au-Pair aus dem fr\u00fcheren Gastland oder die Nutzung entsprechender Medien. Bleiben die Sprachkenntnisse auch \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum nach der R\u00fcckkehr erhalten, war die Auslandszeit allein aus diesem Grund ein gro\u00dfer Gewinn f\u00fcr die weitere Zukunft der Kinder.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Autorin<\/em><\/strong><em>: Katrin Koll Prakoonwit<\/em>&nbsp;\u2013&nbsp;<em>Bevor sie sich als Journalistin selbst\u00e4ndig machte, schrieb&nbsp;Katrin Koll Prakoonwit&nbsp;L\u00e4nderanalysen f\u00fcr die FAZ. Heute arbeitet sie f\u00fcr Publikationen verschiedener Beratungsunternehmen und Verlage. Frau Koll Prakoonwit lebt in Reading, Berkshire, bei London.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als zwei- oder mehrsprachig gilt, wer zus\u00e4tzlich zu seiner Muttersprache eine oder mehrere andere Sprachen in einer Einfachheit und mit einem Sprachumfang versteht und spricht, dass er mit einem Einheimischen zu vergleichen ist. 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