{"id":14368,"date":"2022-03-16T11:59:51","date_gmt":"2022-03-16T10:59:51","guid":{"rendered":"https:\/\/crossculture-academy.com\/?p=14368"},"modified":"2024-03-07T22:27:31","modified_gmt":"2024-03-07T22:27:31","slug":"erste-geschaeftskontakte-mit-briten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/erste-geschaeftskontakte-mit-briten\/","title":{"rendered":"Erste Gesch\u00e4ftskontakte mit Briten"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/crossculture-academy.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Erste-Geschaeftskontakte-in-Grossbritannien-29160235_s.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14369\" title=\"\"><figcaption><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn Gro\u00dfbritannien, wie bereits beschrieben, zu den individualistischen L\u00e4ndern dieser Welt z\u00e4hlt, so halten die Briten \u2013 quasi als Gegenpol \u2013 gerne an Traditionen fest. \u203aTraditionell\u2039 bedeutet, dass etwas dem Wandel der Zeit standgehalten und sich bew\u00e4hrt hat. A bright new tomorrow, bathed in the warm glow of yesterday \u2013 das ist, wonach Briten&nbsp;streben. Kein Wunder also, dass ein guter Earl Grey oder English Breakfast Tea nicht nur der Aufnahme von Fl\u00fcssigkeit&nbsp;dient, sondern vielmehr ist als das: Ein alteingesessenes, \u00fcber alle Grenzen hinweg bekanntes Allheilmittel f\u00fcr jede&nbsp;Lebens- und Gesch\u00e4ftslage. Auch wenn in der Businesswelt kein Platz f\u00fcr lange Zeremonien mit vorgew\u00e4rmter&nbsp;Teekanne ist, so sollten Sie eine Tasse Tee (bevorzugt mit Milch und Zucker getrunken) als Auftakt der Gesch\u00e4ftsbeziehung&nbsp;dankend annehmen. Und umgekehrt, wenn Sie einmal britische Besucher im eigenen Land empfangen,&nbsp;sollten Sie neben Kaffee auf jeden Fall auch einen guten schwarzen Tee anbieten.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Der erste Eindruck<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein nennenswerter Unterschied zum deutschsprachigen Raum ist im britischen Gesch\u00e4ftsleben das Understatement, f\u00fcr das es auf den ersten Blick keine wirklich gute&nbsp;\u00dcbersetzung zu geben scheint. Oft wird dieser Begriff inzwischen auch im Deutschen so \u00fcbernommen. Gemeint&nbsp;ist, dass man sich selbst nicht so wichtig nimmt, seine F\u00e4higkeiten, Titel, Qualifikationen oder Errungenschaften nicht direkt zur Schau stellt. Vielleicht ist \u203aBescheidenheit\u2039 eine passende \u00dcbersetzung, die keinesfalls mit&nbsp;mangelndem Selbstbewusstsein verwechselt werden sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist vielmehr so, dass sich Briten ihrer Identit\u00e4t im Inneren sehr wohl bewusst und stolz auf ihre Geschichte und ihre Erfolge sind \u2013 nur mit dem Unterschied, dass&nbsp;sie das nicht nach au\u00dfen kehren. Das w\u00fcrde als bad manners (schlechte Umgangsformen) gewertet werden. Dies&nbsp;bedeutet, dass man bei ersten pers\u00f6nlichen Kontakten oder Zusammenk\u00fcnften seinen Gesch\u00e4ftspartnern sehr&nbsp;dezent, over grateful (\u00fcberaus dankbar), over apologetic (\u00fcberaus entschuldigend) und over polite (\u00fcberaus h\u00f6flich)&nbsp;gegen\u00fcber tritt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei wird jede Form von K\u00f6rperkontakt vermieden. Briten sind nicht sehr taktil und so ist sogar ein H\u00e4ndesch\u00fctteln&nbsp;oft nur bei der ersten gegenseitigen Vorstellung zu sehen. Auf den ersten Blick k\u00f6nnen Briten auf Deutsche steif und unzug\u00e4nglich wirken. Dies mag zudem auch an ihrem einheitlichen Dresscode liegen: dunkle Anz\u00fcge, Krawatten und Hemden mit ruhigem&nbsp;Muster f\u00fcr die M\u00e4nner und klassische Kost\u00fcme oder Hosenanz\u00fcge f\u00fcr die Frauen. Auf dieses Erscheinungsbild&nbsp;trifft man auch an Orten, an denen kein direkter Kundenkontakt stattfindet. Es geh\u00f6rt zur guten Form und ist ein&nbsp;Ausdruck von Professionalit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Visitenkarten werden auf dieselbe Art und Weise wie im deutschsprachigen Raum ausgetauscht, jedoch erfolgt die gegenseitige Anrede beim Vor- und nicht beim Nachnamen und schon gar nicht mit einem eventuell auf der&nbsp; Visitenkarte vorhandenen Titel, wie \u203aDr.\u2039 etc. Das w\u00fcrde dem Understatement widersprechen. Briten sind eher peinlich ber\u00fchrt, wenn man zu&nbsp;viel Aufhebens um sie macht.<\/p>\n\n\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Das erste Gespr\u00e4ch<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Briten kommen im ersten Gespr\u00e4ch mit neuen Gesch\u00e4ftspartnern nicht unmittelbar zum gesch\u00e4ftlichen Teil. Vielmehr&nbsp;m\u00f6chten sie zun\u00e4chst eine positive Atmosph\u00e4re schaffen und eine gemeinsame Ebene herstellen. Womit&nbsp;w\u00fcrde das besser gehen als mit Small Talk? Nicht kompromittierende Themen, wie z. B. Anreise und Wetter, sind immer beliebt. Von ehrlichen Meinungs\u00e4u\u00dferungen&nbsp;mit leicht negativem Inhalt \u2013 und sei es nur etwas wie \u203aLondon ist ja bekannt f\u00fcr seinen Nebel\u2039 oder \u203aDie Anreise war ziemlich anstrengend, es gibt ja leider keinen Direktflug nach Liverpool\u2039 \u2013 wird grunds\u00e4tzlich abgesehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das gleiche gilt f\u00fcr den Austausch gegens\u00e4tzlicher Standpunkte, und seien sie auch von noch so unwichtiger Natur. Oberstes Ziel beim Small Talk ist Gleichklang und der beginnt mit den kleinen Dingen. Stimmen diese&nbsp;nicht, kann sich ein Brite wunderbar ausmalen, wie es mit Ihnen sein wird, wenn es um bedeutende Gesch\u00e4ftsangelegenheiten&nbsp;geht \u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders wichtig zu beachten ist, dass Sie Ihre britischen Gesch\u00e4ftspartner nicht mit zu vielen Einzelheiten \u00fcberfrachten. Versuchen Sie bitte nicht, mit fachlichen Details zu \u00fcberzeugen! Denn dann passiert nur eines: Der Brite schaltet ab, ohne dass Sie es merken. Schlie\u00dflich wird Ihnen seine h\u00f6fliche Art immer noch Interesse vermitteln, wof\u00fcr&nbsp;die Chance eigentlich schon l\u00e4ngst vertan ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcberzeugen Sie beim ersten Gespr\u00e4ch durch eine umg\u00e4ngliche, unaufgeregte Art. Seien Sie just nice! Dr\u00e4ngen Sie nicht auf Entscheidungen, lassen Sie Ihrem Gegen\u00fcber&nbsp;Zeit, sich zu positionieren, und lassen Sie Raum f\u00fcr Ver\u00e4nderungen, in der Agenda, bei den Produktanforderungen, in Bezug auf Deadlines, eigentlich bei allem. Mit Flexibilit\u00e4t und Gelassenheit werden Sie punkten!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und kommt dieses erste Gesch\u00e4ft vielleicht doch nicht zustande, so wird man sich bei der n\u00e4chsten Gelegenheit an Sie erinnern. Und das besonders dann, wenn Sie einen lockeren Kontakt halten.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kontaktpflege<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Grunds\u00e4tzlich sind Briten an einer langfristigen Gesch\u00e4ftsbeziehung interessiert und so sind Networking und Beziehungsaufbau&nbsp;der Schl\u00fcssel zum Erfolg. Greifen Sie also lieber \u00f6fter zum Telefon, statt E-Mails zu schreiben \u2012 der&nbsp;pers\u00f6nliche Kontakt z\u00e4hlt doppelt und dreifach. Hinfliegen und jemanden treffen, hat nat\u00fcrlich immer die st\u00e4rkste&nbsp;Wirkung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Manchmal kann der Eindruck entstehen, dass Briten ihre Arbeit nicht so ernst nehmen. Das kommt wahrscheinlich daher, dass ihnen gesch\u00e4ftliche Belange nicht so nahe gehen, sie die Arbeit nicht so pers\u00f6nlich nehmen und emotional&nbsp;weniger involviert sind. Im deutschsprachigen Raum hingegen identifiziert man sich in einem deutlich h\u00f6heren&nbsp;Ma\u00dfe mit seiner Arbeit. Wie hei\u00dft es doch so sch\u00f6n:&nbsp;\u203aLeben, um zu arbeiten oder arbeiten, um zu leben?\u2039<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stellen Sie bei der Kontaktpflege unter Beweis, dass Sie&nbsp;ein positiv denkender, umg\u00e4nglicher Mensch sind, mit dem man auch Spa\u00df haben kann. Dann ist die Basis f\u00fcr&nbsp;zuk\u00fcnftige Projekte bzw. Auftr\u00e4ge geschaffen. Pers\u00f6nlich habe ich Briten so gut wie nie schlecht \u00fcber andere reden&nbsp;oder gar l\u00e4stern h\u00f6ren, wohl aber heben Sie jene hervor, die sie m\u00f6gen. Und mit denen machen sie die meisten Gesch\u00e4fte,&nbsp;die werden gerne weiterempfohlen, die bringen es am weitesten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Autorin<\/em><\/strong><em> Iris Engler ist auf dem Entsendungsgebiet eine sehr erfahrende und gefragte Expertin. Die Vermittlung interkultureller Kompetenz ist dabei eines ihrer Fachgebiete. Auf Grund ihrer zahlreichen internationalen Reisen und langj\u00e4hrigen Aufenthalte in anderen L\u00e4ndern, kennt sie die Kundenbed\u00fcrfnisse ausgesprochen gut.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch wenn Gro\u00dfbritannien, wie bereits beschrieben, zu den individualistischen L\u00e4ndern dieser Welt z\u00e4hlt, so halten die Briten \u2013 quasi als Gegenpol \u2013 gerne an Traditionen fest. \u203aTraditionell\u2039 bedeutet, dass etwas dem Wandel der Zeit standgehalten und sich bew\u00e4hrt hat. A bright new tomorrow, bathed in the warm glow of yesterday \u2013 das ist, wonach Briten&nbsp;streben. 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