{"id":14280,"date":"2022-03-15T16:22:26","date_gmt":"2022-03-15T15:22:26","guid":{"rendered":"https:\/\/crossculture-academy.com\/?p=14280"},"modified":"2024-03-07T22:27:29","modified_gmt":"2024-03-07T22:27:29","slug":"third-culture-kids-expat-generation-von-morgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/third-culture-kids-expat-generation-von-morgen\/","title":{"rendered":"Third Culture Kids &#8211; Expat-Generation von morgen?"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/crossculture-academy.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Third-culture-Kids-Expat-Generation-57088787_s.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14282\" title=\"\"><figcaption><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Zwei Drittel der Third Culture Kids (TCK) zwischen zw\u00f6lf&nbsp;und 18 Jahren sehen ihren Lebensstil als eine Bereicherung, wie eine Studie der TU Berlin unter Leitung der Soziologin Angela Ittel ergibt. Sie k\u00f6nnen mit guten Schulnoten gl\u00e4nzen und sind weltoffen und anpassungsf\u00e4hig. Trotzdem wollen laut Studienergebnis \u00fcber 60 Prozent der Befragten sp\u00e4ter nicht das gleiche Leben f\u00fchren wie ihre Eltern. Auch die Autoren des Buches \u201eThird Culture Kids &#8211; The Experience of Growing Up Among Worlds\u201d Ruth van Reken und David Pollock, sowie andere Studien, setzen sich mit den Herausforderungen auseinander, denen junge Menschen, die auf eine mobile Kindheit zur\u00fcckblicken, begegnen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Rastlosigkeit und fehlende Wurzeln<\/h4>\n\n\n\n<p>So entwickeln viele TCK \u00fcber die Jahre eine Art Nomadeninstinkt, der ihr weiteres Leben mitbestimmt. Immer auf der Suche nach dem idealen Ort ist ihnen das Gegenw\u00e4rtige nie gut genug. St\u00e4ndig lockt der Gedanke, dass es woanders noch besser sein k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die rastlose Suche zeigt sich bei jungen Erwachsenen h\u00e4ufig erstmals beim Antritt eines Studiums oder einer Berufsausbildung. Zwar erlangen TCK \u00fcberdurchschnittlich h\u00e4ufig Hochschulabschl\u00fcsse, tendieren aber generell dazu, ihr Studium abzubrechen oder an einem anderen Ort in einem anderen Fach fortzusetzen. Oft erscheinen ihnen ihre M\u00f6glichkeiten derma\u00dfen ausgiebig, dass sie sich nicht dauerhaft f\u00fcr eine einzige Alternative entscheiden k\u00f6nnen und \u00fcberall etwas Interessanteres vermuten. TCK sind zudem schnell von einer Umgebung gelangweilt und k\u00f6nnen sich nach ihren facettenreichen Freundschaften mit anderen TCK an verschiedenen internationalen Schulen nur schwer auf gleichaltrige Mitstudierende einlassen, die gerade aus einem \u201eeingleisigen\u201c Leben an nur einem Ort und nur einer einzigen Schule an die Uni kommen. TCK vermissen die gewohnte Weltoffenheit ihrer fr\u00fcheren Expat-Community und finden daneben Vorlesungen, Dozenten und Angebote der Hochschule ebenfalls wenig stimulierend.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Wo geh\u00f6re ich hin?<\/h4>\n\n\n\n<p>Auch die Fragen \u201eWoher komme ich?\u201c \u201eWo liegen meine Wurzeln?\u201c \u201eWo geh\u00f6re ich hin?\u201c stellen sich viele TCKs ernsthaft, wenn sie nicht mehr ihre Eltern auf diverse Auslandsposten begleiten, sondern erstmals auf eigenen F\u00fc\u00dfen stehen. Die Nationalit\u00e4t steht im Pass, aber wo ist das emotionale Zuhause?<\/p>\n\n\n\n<p>Kinder, die w\u00e4hrend der Heimaturlaube der Familie immer an den gleichen Ort zur\u00fcckgekehrt sind, haben oft eine starke gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfige Bindung an diese deutsche Brutst\u00e4tte. Gehen sie dann zum Studium oder f\u00fcr die Berufsausbildung dorthin zur\u00fcck, sp\u00fcren sie auf einmal, dass sie dort eigentlich gar nicht richtig hingeh\u00f6ren. Die Stadt, die sich wie Heimat anf\u00fchlen sollte, erweist sich nicht als solche. Im Gegenteil, sie m\u00fcssen feststellen, dass sie hier am allerwenigsten hineinzupassen scheinen. Die Menschen vor Ort ohne Auslandsbackground, daf\u00fcr aber mit starker Heimatbindung, wirken auf ihre Art provinziell, das Umfeld einengend und beschr\u00e4nkend. Wer noch zudem in der Auslandsschule in Englisch oder anderen Fremdsprachen unterrichtet worden ist, mag es vielleicht sogar schwierig empfinden, pl\u00f6tzlich in Deutsch zu lernen und zu arbeiten. Das Schreiben von Tests oder Pr\u00fcfungen ist m\u00f6glicherweise ganz anders als erwartet, was TCK schlie\u00dflich zu unwissenden \u201eGaststudenten\u201c im eigenen Land macht. Der Studienbeginn in Deutschland kann sich daher alles in allem als Neubeginn mit klassischem Kulturschock mausern.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Fehlende Bindungsunf\u00e4higkeit?<\/h4>\n\n\n\n<p>H\u00e4ufige Abschiede von liebgewonnenen Menschen und Orten f\u00fchren dazu, dass viele TCK gar nicht mehr in&nbsp;tiefere Gef\u00fchle investieren m\u00f6chten. In einer Untersuchung gaben immerhin 40 Prozent von 300 befragten TCK an, dass sie aus Angst vor dem unweigerlich kommenden Verlust Probleme mit engen Beziehungen haben. Obwohl sie leicht Kontakte herstellen k\u00f6nnen, fehlen ihnen enge Freunde, insbesondere wenn alle bisher gemachten Bekanntschaften aus dem Kreis der Expats stammten und nicht nur durch die eigenen Umz\u00fcge unterbrochen worden sind. Andere wiederum gehen sehr schnell tiefere Beziehungen ein, vielleicht weil sie wissen, dass f\u00fcr eine neue Freundschaft m\u00f6glicherweise nur wenig Zeit bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bindungsunf\u00e4higkeit mancher TCK steht auf der Haben-Seite die Offenheit anderer mobiler Jugendlicher gegen\u00fcber, die rasch Beziehungen zu anderen Menschen eingehen und diese bewusst pflegen &#8211; oft auch \u00fcber gro\u00dfe Distanzen hinweg. Soziale Netzwerke im Internet und spezielle Websites f\u00fcr TCK bilden einen Bezugspunkt und stellen f\u00fcr viele eine Art ortsunabh\u00e4ngige Heimat dar.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Sp\u00e4tes Erwachsenwerden und Trauergef\u00fchle<\/h4>\n\n\n\n<p>In ihrer Kindheit bekommen manche TCK den Eindruck, dass es sich nicht auszahlt, selbst Initiative zu entwickeln. Was immer man auch plant, die Versetzung eines Elternteils kann&nbsp;wie aus heiterem Himmel im Raum stehen und alle eigenen Pl\u00e4ne zunichte machen. Diese Erfahrung erschwert es TCK, selbst Verantwortung f\u00fcr ihr Leben zu \u00fcbernehmen. Ihre Haltung ist eher, &#8222;die Dinge geschehen zu lassen&#8220;. Unter der Oberfl\u00e4che des interessanten und faszinierenden mobilen Lebens tragen viele TCK zudem ein P\u00e4ckchen an nicht aufgearbeiteter Trauer mit sich herum, das zeitweise l\u00e4hmen kann. Aufgebaut hat sich diese unterschwellige Trauer durch immer wiederkehrende Abschiede und das Gef\u00fchl, dass einem letztlich doch immer wieder der Boden unter den F\u00fc\u00dfen weggezogen wird.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Chancen f\u00fcr die Zukunft<\/h4>\n\n\n\n<p>Doch die Herausforderungen sind nur eine Seite der Medaille. Wer in anderen Kulturen aufw\u00e4chst, lernt schnell, dass es nicht nur eine richtige Weise gibt, die Dinge zu betrachten. TCK haben meist die F\u00e4higkeit, sich rasch und problemlos an unterschiedliche Lebensstile anzupassen. Fast cham\u00e4leonartig k\u00f6nnen sie zu lokal angebrachten Verhaltensweisen umschwenken. Sie konzentrieren sich auf Gemeinsamkeiten, nicht auf Unterschiede.<\/p>\n\n\n\n<p>Im sp\u00e4teren Berufsleben sind diese Flexibilit\u00e4t und Kommunikationsf\u00e4higkeiten Gold wert. Im Land erworbene Sprachkenntnisse ebnen ebenfalls viele Wege. Und nicht zuletzt verf\u00fcgen die meisten TCK \u00fcber ein stabiles Selbstvertrauen. Sie wissen, dass sie sich \u00fcberall zurechtfinden und schwierige Lebenslagen meistern k\u00f6nnen. Auch wenn sie permanente Ver\u00e4nderungen nicht immer m\u00f6gen, haben sie doch im Laufe der Jahre die Gewissheit erlangt, dass sie mit jeder neuen Situation umgehen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Studien- und Berufswahl sowie die pers\u00f6nliche Lebensgestaltung sollten TCK noch st\u00e4rker als Nicht-TCK ihre F\u00e4higkeiten und Interessen, aber auch ihre Bed\u00fcrfnisse hinsichtlich der Fragen wie und mit wem sie lernen und arbeiten m\u00f6chten, genau hinterfragen. Ihr mobiler und internationaler Lebensstil l\u00e4sst sich meist nicht einfach abstreifen, sondern muss als Pers\u00f6nlichkeitsfaktor in ihre Entscheidungsfindung mit einflie\u00dfen. Genauso wichtig ist der Ort, den ein TCK vielleicht das erste Mal in seinem Leben alleine ausw\u00e4hlen kann. Auch hier sollten M\u00f6glichkeiten, in einem internationalen und\/oder vielf\u00e4ltigen, abwechslungsreichen Umfeld leben zu k\u00f6nnen, n\u00e4her in Betracht gezogen werden als Orte, die f\u00fcr ein TCK m\u00f6glicherweise von Anfang an viel zu viele Beschr\u00e4nkungen aufweisen. Letztlich zeigt die Statistik, dass entgegen der Befragungsergebnisse der TU Berlin rund 80 Prozent der TCK sp\u00e4ter doch auch selbst einen mobilen Lebensstil f\u00fchren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei Drittel der Third Culture Kids (TCK) zwischen zw\u00f6lf&nbsp;und 18 Jahren sehen ihren Lebensstil als eine Bereicherung, wie eine Studie der TU Berlin unter Leitung der Soziologin Angela Ittel ergibt. Sie k\u00f6nnen mit guten Schulnoten gl\u00e4nzen und sind weltoffen und anpassungsf\u00e4hig. 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