{"id":14211,"date":"2022-03-15T11:50:45","date_gmt":"2022-03-15T10:50:45","guid":{"rendered":"https:\/\/crossculture-academy.com\/?p=14211"},"modified":"2024-03-07T22:27:28","modified_gmt":"2024-03-07T22:27:28","slug":"von-gefaellen-und-fairplay-in-deutsch-finnischen-kooperationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/von-gefaellen-und-fairplay-in-deutsch-finnischen-kooperationen\/","title":{"rendered":"Von Gef\u00e4llen und Fairplay in deutsch-finnischen Kooperationen"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/crossculture-academy.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Best-Practice-Deutsch-finnische-Kooperation-49204768_s.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14212\" title=\"\"><figcaption><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der finnischen Insel Rym\u00e4ttyl\u00e4 werden Software und Systeme f\u00fcr die Roboter der deutschen Firma Kuka AG erstellt. Das von Kimmo Salonen und Jyrki Vilo gegr\u00fcndete Unternehmen Kine Roboter Solutions Oy hat sich hierdurch zu einem der gr\u00f6\u00dften finnischen Systemintegratoren f\u00fcr industrielle Produktionsprozesse entwickelt. Seit 2007 unterh\u00e4lt Kine eine Tochtergesellschaft in Karlsruhe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Augsburger Kuka AG ist mit \u00fcber f\u00fcnftausend Angestellten auf f\u00fcnf Kontinenten einer der weltweit f\u00fchrenden Anbieter in Robotics und Systems. Kine Roboter Solutions besch\u00e4ftigt auf der schmalen Halbinsel n\u00f6rdlich von Turku f\u00fcnfzehn Mitarbeiter. Dieses Gr\u00f6\u00dfengef\u00e4lle ist in deutsch-finnischen Kooperationen h\u00e4ufig anzutreffen und kann zu kulturellen Differenzen f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Finnische Flexibilit\u00e4t versus&nbsp;deutsches Hierarchieverst\u00e4ndnis<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jyrki Vilo hat schon w\u00e4hrend der Schulzeit an einem Austauschprogramm nach Deutschland teilgenommen und war seither immer \u201epro Deutsch\u201c eingestellt. Der mitteleurop\u00e4ische Kommunikationsstil war ihm aufgrund einer drei Jahre w\u00e4hrenden Berufst\u00e4tigkeit im Ausland bekannt. Trotzdem gab es Stolpersteine. Vor allem Unterschiede im Hierarchieverst\u00e4ndnis irritierten den Roboterfachmann zu Beginn: \u201eIn Deutschland wird oft darauf verwiesen, dass man bez\u00fcglich einer bestimmten Sachkl\u00e4rung nachfragen m\u00fcsse. Man nimmt keine verbindliche Position ein. Das irritierte mich sehr, da sich in Finnland die verhandelnden Mitarbeiter eines Unternehmens in der Regel zu einer Stellungnahme befugt f\u00fchlen\u201c, erinnert er sich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kulturunterschiede stellte der Ingenieur auch bei der Einstellung zu Ver\u00e4nderungen im Arbeits- oder Produktionsablauf fest. In Deutschland w\u00fcrden \u00c4nderungen als massive Probleme gewertet, w\u00e4hrend Finnen sich schnell den neuen Umst\u00e4nden f\u00fcgten, um nach praktikablen L\u00f6sungen zu suchen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Finnisches Fairplay versus deutsche Integrit\u00e4t<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einen kritischen Punkt stellte f\u00fcr die junge finnische Firma die Einhaltung von Zahlungsfristen dar. In Finnland wendet man selten Skonto an und es ist unh\u00f6flich, nach dem F\u00e4lligkeitsdatum zu zahlen. Man ist jedoch daran gew\u00f6hnt, Zahlungsfristen nach Bedarf m\u00fcndlich neu zu vereinbaren. Die offene Ansprache von Zahlungsschwierigkeiten gilt als Fairplay und wird meistens durch freundliches Entgegenkommen honoriert. \u201eAls ich deutsche Partner um einen kleinen Zahlungsaufschub bat, musste ich sp\u00e4ter feststellen, dass es trotz geleisteter Zahlung viel Arbeit verlangte, meine Integrit\u00e4t wieder herzustellen\u201c, f\u00fchrt Jyrki Vilo aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese deutsche Reaktion wird wiederum von finnischer Seite aus als Misstrauensvotum gewertet. Die eingehende Kl\u00e4rung von Zahlungskonditionen im Vorfeld k\u00f6nnte somit erheblich zur Vermeidung von Missdeutungen beitragen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Finnische Innovation versus deutsches Umsatzvolumen<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Deutschland wei\u00df man allgemein weniger \u00fcber Finnland, als es umgekehrt der Fall ist. Auf der Technologie-Ebene herrscht trotzdem gegenseitiger Respekt. Deutsche Gesch\u00e4ftspartner sind oft beeindruckt von der innovativen Haltung finnischer Unternehmen. Dieser Respekt ist in kritischen Verhandlungssituationen zwecks Vermeidung gr\u00f6\u00dferer Konflikte hilfreich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allerdings erweist sich das Gef\u00e4lle bez\u00fcglich der Gr\u00f6\u00dfenordnung bei der Gesch\u00e4ftspartnersuche oft als Hindernis. Dies kann nur mit einer guten Portion Selbstbewusstsein \u00fcberwunden werden. \u201eEin relativ gro\u00dfer Absatz von Robotersystemen in Finnland wirkt in Deutschland viel kleiner und beeindruckt umsatzm\u00e4\u00dfig wenig. Als deutscher Unternehmer mit Interesse am finnischen Markt lohnt es sich jedoch, die deutsche Messlatte beiseite zu legen. Auch gro\u00dfe deutsche Unternehmen k\u00f6nnen durchaus von dem Know-how kleinerer innovativer Firmen profitieren\u201c, sagt Vilo.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">We make it together<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Redewendung \u201eDeutsche verkaufen auf Englisch, kaufen aber nur auf Deutsch\u201c ist allgemein bekannt. Die F\u00e4higkeit, Verhandlungen mit dem Gesch\u00e4ftspartner in deutscher Sprache f\u00fchren zu k\u00f6nnen, trug auch bei Kinde und Kuka zu einer positiven Verhandlungsatmosph\u00e4re bei. \u201eDoch auch umgekehrt freuen wir uns \u00fcber jeden noch so kleinen Versuch der Deutschen, sich an einigen finnischen W\u00f6rtern zu versuchen\u201c, bemerkt Jyrki Vilo. Schlie\u00dflich se es beiden Seiten wichtig, die offene Haltung gegen\u00fcber dem ausl\u00e4ndischen Gesch\u00e4ftspartner zu demonstrieren.&nbsp;Der von Kuka und Kine gew\u00e4hlte Slogan \u201eWe make it together\u201c spricht in diesem Fall f\u00fcr sich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Autorin: <\/em><\/strong><em>Birgit Griese-Saarinen<\/em><strong><em> &#8211; &nbsp;<\/em><\/strong><em>Birgit Griese-Saarinen hat sich auf Training und Consulting in finnischen und deutschen Unternehmen spezialisiert. Sie spricht neben Deutsch, flie\u00dfend Englisch und Finnisch. Die Autorin verf\u00fcgt \u00fcber jahrlanger Erfahrung in diversen Arbeitsbranchen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dieser Beitrag&nbsp;ist erstmals im Magazin der Deutsch-Finnischen Handelskammer erschienen. Mit freundlicher Genehmigung der Autorin.<\/em><\/p>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf der finnischen Insel Rym\u00e4ttyl\u00e4 werden Software und Systeme f\u00fcr die Roboter der deutschen Firma Kuka AG erstellt. Das von Kimmo Salonen und Jyrki Vilo gegr\u00fcndete Unternehmen Kine Roboter Solutions Oy hat sich hierdurch zu einem der gr\u00f6\u00dften finnischen Systemintegratoren f\u00fcr industrielle Produktionsprozesse entwickelt. Seit 2007 unterh\u00e4lt Kine eine Tochtergesellschaft in Karlsruhe. 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