{"id":14191,"date":"2022-03-15T11:13:19","date_gmt":"2022-03-15T10:13:19","guid":{"rendered":"https:\/\/crossculture-academy.com\/?p=14191"},"modified":"2024-03-07T22:27:28","modified_gmt":"2024-03-07T22:27:28","slug":"kulturelle-unterschiede-kenia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/kulturelle-unterschiede-kenia\/","title":{"rendered":"Kulturelle Unterschiede Kenia"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/crossculture-academy.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Geschaeftlich-erfolgreich-Kenia-31450072_s.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14193\" title=\"\"><figcaption><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kenia vereint rund 40 ethnische Gruppen (Bantu (65 Prozent), (darunter u.a.&nbsp;Kikuyu (20 Prozent), Luhya (14 Prozent), Kamba (11 Prozent)) und Niloten (ca. 30 Prozent), (darunter u.a. Luo (13 Prozent), Kalenjin (12 Prozent), Massai (1,6 Prozent) u.a.)) sowie eine gro\u00dfe Zahl eingewanderter Inder, Pakistani, Araber und Chinesen. Die multiethnische Gesellschaft ist stark patriarchalisch ausgerichtet und die Stammes\u00e4ltesten f\u00fchren die einzelnen Clans und Unterclans in einer autorit\u00e4ren Weise, die sich auch in die Unternehmenswelt hineinzieht. So gilt fast \u00fcberall der Spruch \u201eSag mir wo du herkommst und ich sage dir, was du denkst\u201c \u2013 die Meinung des Einzelnen wird stark von der F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeit seines Herkunftsortes gepr\u00e4gt. In kenianischen Unternehmen treffen Sie daher immer auf stark hierarchisierte Strukturen mit dominanten F\u00fchrungskr\u00e4ften. Das Vertreten einer eigenen Meinung ist kenianischen Mitarbeitern fremd.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Wer hat das Sagen, der Chef oder der Clan?<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus Sicht einer ausl\u00e4ndischen F\u00fchrungskraft in Kenia gilt es daher stets zu beachten, entlang welcher ethnischen Grenzen Teams gebildet werden sollten, wo die jeweiligen Loyalit\u00e4tsbeziehungen innerhalb, aber auch au\u00dferhalb des Unternehmens tats\u00e4chlich liegen. Das ist nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich. F\u00fcr Kenianer ist die ethnische Zugeh\u00f6rigkeit identit\u00e4tsstiftend und kann daher nicht aufgrund gew\u00e4hlter Unternehmensstrukturen einfach abgelegt werden. Die Verpflichtungen der Familie und dem gesamten Clan gegen\u00fcber sind fast immer h\u00f6her einzusch\u00e4tzen als die Loyalit\u00e4t zum Arbeitgeber. Zudem ist die Kluft zwischen Arm und Reich in Kenia immens. Dies verursacht eine hohe Machtdistanz zwischen dem Top-Management und den Mitarbeitern der verschiedenen hierarchischen Ebenen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Es gibt viele Wahrheiten<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass die Dinge oft komplexer sind als sie den Anschein nehmen, wird auch im kenianischen Kommunikationsstil deutlich. Selten werden sich Kenianer zu einem eindeutigen Ja hinrei\u00dfen lassen. Die tats\u00e4chlich Antwort auf eine Frage liegt meist irgendwo dazwischen. Denn ein Nein w\u00e4re dem Fragenden gegen\u00fcber \u00e4u\u00dferst unh\u00f6flich. Stattdessen wird gerne spekuliert, was das Gegen\u00fcber wohl h\u00f6ren m\u00f6chte. Und diese Antwort wird dann gegeben. Fragen stellen bringt Sie in Kenia daher nicht unbedingt weiter, denn auf die Antworten ist keinesfalls Verlass. Dinge werden nie explizit beim Namen genannt, sondern man n\u00e4hert sich langsam und vorsichtig mit eher vagen Aussagen einer ungef\u00e4hren Wahrheit.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Komme ich heute nicht, komme ich morgen<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer schon einmal in Afrika Gesch\u00e4fte gemacht hat, dem ist die African Time sicherlich ein Begriff. \u201eKomme ich heute nicht, komme ich morgen \u2013 oder auch \u00fcbermorgen.\u201c Zeit und P\u00fcnktlichkeit spielen in Kenia eine untergeordnete Rolle. Es wird wenig in die Zukunft geplant, daf\u00fcr mehr in der Gegenwart gelebt. Dazu tr\u00e4gt eine gewisse Gelassenheit bei gepaart mit einem stark ausgepr\u00e4gten Fatalismus. Kenianer kennen tiefste Armut wie auch starke Naturgewalten. Die Dinge k\u00f6nnen sich schnell \u00e4ndern. Daher gilt es, jeden Tag so zu nehmen, wie er kommt. Pl\u00e4ne machen deshalb wenig Sinn. Stattdessen hat man gelernt, auf Unw\u00e4gsamkeiten mit einem gro\u00dfen Improvisationstalent zu reagieren.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Alles ist eine Frage der Beziehung<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einem von Ver\u00e4nderungen gepr\u00e4gten Umfeld mit starker Gruppenorientierung ist die Aufrechterhaltung und Pflege von Kontakten und pers\u00f6nlichen Beziehungen unerl\u00e4sslich. Ohne Netzwerk sind Sie in Kenia ein Niemand. F\u00fcr den gesch\u00e4ftlichen Erfolg ist es daher essentiell, regelm\u00e4\u00dfig vor Ort pr\u00e4sent zu sein. Telefon und E-Mail k\u00f6nnen nur Zeiten der Abwesenheit \u00fcberbr\u00fccken. Ansonsten hei\u00dft es schnell: \u201eAus den Augen, aus dem Sinn.\u201c Laden Sie Ihre kenianischen Gesch\u00e4ftspartner daher unbedingt regelm\u00e4\u00dfig in eines der zahlreichen Luxusrestaurants ein, um Ihre pers\u00f6nliche Wertsch\u00e4tzung zu zeigen. Daneben wird der gesch\u00e4ftliche Umgang zwischen Europ\u00e4ern und Kenianern in einigen businessorientierten Clubs gef\u00f6rdert.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Statussymbole \u2013 Von Essen bis Mercedesstern<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gutes Essen spielt eine wichtige Rolle, denn Kenianer m\u00f6chten durch das Auftischen vieler Speisen ihren ausl\u00e4ndischen Gesch\u00e4ftspartnern demonstrieren, dass sie es zu etwas gebracht haben. Loben Sie das Essen, wenn Sie eingeladen werden. Scheuen Sie keine Kosten, wenn Sie sich mit einer Gegeneinladung revanchieren m\u00f6chten. Und wundern Sie sich nicht, wenn man Ihre Figur freundlich kommentiert. Wer ein paar Rundungen aufzuweisen hat, isst gut und ist dementsprechend wohlhabend und erfolgreich. D\u00fcnn zu sein, ist in Kenia kein Sch\u00f6nheitsideal oder Fitnessbeweis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genauso wichtig sind Markenkleidung und andere Statussymbole. Man tr\u00e4gt im Gesch\u00e4ftsleben teure Kleidung, auch wenn man sie sich eigentlich gar nicht leisten kann. Das h\u00f6chste Gut der Chefs ist vielerorts immer noch der Mercedesstern. Dementsprechend kann \u201eMade in Germany\u201c und das Thema \u201eAutos\u201c f\u00fcr Ihre Gesch\u00e4ftsvorhaben T\u00fcren \u00f6ffnen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Lockerer Small Talk f\u00fcr den Beziehungsaufbau<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcben Sie sich im lockeren Small Talk, denn man m\u00f6chte Sie beim gemeinsamen Gesch\u00e4ftsessen nicht nur als potenziellen Gesch\u00e4ftspartner, sondern auch als Mensch kennenlernen. Schlie\u00dflich macht man in Kenia nur mit pers\u00f6nlichen Kontakten Gesch\u00e4fte, nicht mit Fremden. Sorgen Sie also auf eine entspannte Art daf\u00fcr, dass Sie kein Fremder bleiben! Beschr\u00e4nken Sie sich aber dennoch auf unverf\u00e4ngliche Themen. Versuchen Sie keinesfalls, politische oder religi\u00f6se Ansichten zu diskutieren, wie Sie dies vielleicht mit einem befreundeten deutschen Gesch\u00e4ftspartner tun w\u00fcrden. Respekt und Interesse f\u00fcr die lokale Kultur bringen Ihnen jedoch viele Pluspunkte ein.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Verhandlungen auf Augenh\u00f6he<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ist der Beziehungsaufbau gegl\u00fcckt, k\u00f6nnen Verhandlungsgespr\u00e4che aufgenommen werden. Begegnen Sie Ihren kenianischen Verhandlungspartnern stets auf Augenh\u00f6he. Wie in Meetings und Gespr\u00e4chen generell gilt auch f\u00fcr Verhandlungen: Versuchen Sie, nicht direkt aufs Ziel zuzusteuern. In Kenia wird viel um den hei\u00dfen Brei herumgeredet. Man n\u00e4her sich nur vorsichtig an. Viele Aussagen sind vage und wenig konkret. Nur langsam, Steinchen f\u00fcr Steinchen wird das Mosaik zusammengef\u00fcgt und Ihre kenianischen Gesch\u00e4ftspartner lassen sich auf eine Vereinbarung ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gehen Sie bei Verhandlungen von einer langwierigen Angelegenheit aus, planen Sie viel Pufferzeit ein und bleiben Sie stets flexibel. Auch Nachverhandlungen sind immer m\u00f6glich. Auf sich \u00e4ndernde \u00e4u\u00dfere Umst\u00e4nde reagieren Kenianer mit Gelassenheit und Improvisationstalent \u2013 solche Dinge k\u00f6nnen weder in Pl\u00e4nen noch in Vertr\u00e4gen festgehalten werden. Im Gegenteil, man geht immer davon aus, dass sich beide Parteien loyal verhalten und gemeinsam um die L\u00f6sung eines Problems bem\u00fchen. Das Pochen auf eine Vertragsklausel ist da mehr als kontraproduktiv. Das Vertrauen ist schnell zerst\u00f6rt und die gesch\u00e4ftliche Beziehung findet ein unsch\u00f6nes Ende.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Auseinandersetzungen in der Zusammenarbeit gibt es daher drei goldene Regeln: Das Gesicht des anderen wahren. Nicht nach einem Schuldigen suchen und keine Anschuldigungen aussprechen. Bleiben Sie stets konstruktiv und offen f\u00fcr kreative L\u00f6sungen Ihrer kenianischen Partner. Nutzen Sie Ihre Netzwerkkontakte, um Probleme aus der Welt zu schaffen. Nur dann werden Sie langfristig in Kenia erfolgreich Gesch\u00e4fte machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Autorin<\/em><\/strong><em>: Katrin Koll Prakoonwit<\/em>&nbsp;\u2013&nbsp;<em>Bevor sie sich als Journalistin selbst\u00e4ndig machte, schrieb&nbsp;Katrin Koll Prakoonwit&nbsp;L\u00e4nderanalysen f\u00fcr die FAZ. Heute arbeitet sie f\u00fcr Publikationen verschiedener Beratungsunternehmen und Verlage.<\/em><em>Frau<\/em><em>Koll Prakoonwit lebt in Reading, Berkshire, bei London.<\/em><\/p>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kenia vereint rund 40 ethnische Gruppen (Bantu (65 Prozent), (darunter u.a.&nbsp;Kikuyu (20 Prozent), Luhya (14 Prozent), Kamba (11 Prozent)) und Niloten (ca. 30 Prozent), (darunter u.a. Luo (13 Prozent), Kalenjin (12 Prozent), Massai (1,6 Prozent) u.a.)) sowie eine gro\u00dfe Zahl eingewanderter Inder, Pakistani, Araber und Chinesen. 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