{"id":13522,"date":"2022-03-08T16:32:42","date_gmt":"2022-03-08T15:32:42","guid":{"rendered":"https:\/\/crossculture-academy.com\/?p=13522"},"modified":"2024-03-07T22:27:21","modified_gmt":"2024-03-07T22:27:21","slug":"mehrsprachige-mitarbeiter-erhoehen-erfolg-multikultureller-teams","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/mehrsprachige-mitarbeiter-erhoehen-erfolg-multikultureller-teams\/","title":{"rendered":"Mehrsprachige Mitarbeiter erh\u00f6hen Erfolg multikultureller Teams"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/crossculture-academy.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Mehrsprachige-Teams-26034809_s.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13524\" title=\"\"><figcaption><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kulturell heterogene Teams sind oftmals erfolgreicher als homogene, da sie viele verschiedene Denkweisen einbringen und auf neuen, kreativeren Wegen zu origin\u00e4ren L\u00f6sungen finden. Voraussetzung ist, dass ihnen ausreichend Zeit einger\u00e4umt wird, um H\u00fcrden in der Teamentwicklung zu nehmen und nach und nach interkulturelle Synergien zu entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Studien zeigen nun, dass nicht nur der kulturelle Hintergrund, sondern auch die Mehrsprachigkeit einzelner Mitglieder multikultureller Teams zu diesen Synergieeffekten beitr\u00e4gt. Denn die Struktur einer erlernten Sprache beeinflusst ihr Denken und wie sie ihre Umgebung wahrnehmen. Personen passen zudem ihr Verhalten flexibel an das sprachliche Umfeld an, in dem sie sich befinden.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale variieren je nach Sprache<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einem wissenschaftlich entwickelten Pers\u00f6nlichkeitstest der University of Connecticut mit zweisprachigen Teilnehmern ver\u00e4nderten sich die Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale der Probanden je nach Sprache, in der der Test durchgef\u00fchrt wurde. Nahmen Teilnehmer an der Englischen (USA) Version des Tests teil, traten Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale wie Extravertiertheit und Pflichtbewusstsein st\u00e4rker hervor. In einer Selbstdarstellungs\u00fcbung r\u00fcckten&nbsp;die Teilnehmer ihre erbrachten Leistungen in den Vordergrund. Dies passt zu Werten wie Erfolg und Durchsetzungsverm\u00f6gen, die in einer individualistischen Kultur wie der amerikanischen gesch\u00e4tzt werden. Absolvierten die Probanden in ihrer anderen Sprache, Spanisch (Mexiko), den Test, dominierten in der Selbstdarstellung vor allem sozialere Themen wie Familie und Freizeit &#8211; typisch f\u00fcr kollektivistische, beziehungsorientierte Kulturen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fazit der Studie und weiteren Untersuchungen ist, dass Sprache die Pers\u00f6nlichkeit beeinflusst&nbsp;und&nbsp;zudem nicht von den kulturell gepr\u00e4gten Werten getrennt werden kann, die auf die Umgebung zutreffen, in der die Sprache erlernt wurde. Menschen sehen sich durch diese kulturelle Linse der Sprache, die sie sprechen. Dies wird besonders stark von Personen empfunden, die sowohl bikulturell (also in zwei verschiedenen L\u00e4ndern) als auch zweisprachig aufgewachsen sind, weil jede Kultur samt dort erlernter Sprache identit\u00e4tsstiftend wirkt. Daneben \u00e4ndert sich die Wahrnehmung der eigenen Pers\u00f6nlichkeiten je nach sprachlichem Umfeld auch deshalb, weil man bemerkt, wie andere Menschen auf einen reagieren. In Teams sind mehrsprachige Personen daher hinsichtlich ihrer Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale kompatibler. Je nachdem mit wem sie in welcher Sprache sprechen, passt sich ihre Pers\u00f6nlichkeit den kulturellen Werten an.<\/p>\n\n\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Sprache samt kulturellen Werten erlernen<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In abgeschw\u00e4chter Form l\u00e4sst sich die Ver\u00e4nderung der Pers\u00f6nlichkeit auch dann beobachten, wenn Erwachsene erst sp\u00e4ter im Leben eine Sprache neu erlernen. Tun sie das im sprachlichen Umfeld, wenn sie beispielsweise Japanisch in Japan lernen, werden ihre Beobachtungen, die sie dort \u00fcber Japaner und die japanische Kultur machen, in ihr Bewusstsein als Japanisch-Sprecher aufgenommen. Lernen sie hingegen Japanisch in einem Klassenzimmer in Deutschland, werden sie h\u00f6chstens von ihrem Lehrer und den Erfahrungen ihrer Mitlernenden beeinflusst und nehmen vielleicht noch einige Stereotype \u00fcber Japan mit in ihr Bewusstsein auf. Ihre eigenen \u00dcberzeugungen behalten jedoch die Oberhand. Wer eine Sprache ganz ohne Kontext lernt, z. B. einfach nur mit einem Lehrbuch zu Hause auf dem Sofa sitzend, wird davon in seiner Pers\u00f6nlichkeit \u00fcberhaupt nicht beeinflusst.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Mehrsprachige Mitarbeiter nutzen verschiedene Denkmuster<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn nun Menschen mit unterschiedlichen kulturellen und sprachlichen Hintergr\u00fcnden in einer gemeinsamen Sprache, z. B. Englisch, zusammenarbeiten, ziehen sie oft unterbewusst Konzepte aus den verschiedenen Sprachen heran, wenn sie sich unterhalten. So zaubert beispielsweise das englische Wort &#8222;put&#8220; bei Deutschsprechenden verschiedene Bilder hervor, denn sie \u00fcbersetzen das Wort je nach Kontext mit \u201elegen\u201c, \u201esetzen\u201c oder auch \u201estellen\u201c: Die \u00dcbersetzung &#8222;legen&#8220; assoziiert, etwas horizontal hinzulegen, w\u00e4hrend &#8222;setzen&#8220; mehr darauf hinweist, etwas hinzusetzen. &#8222;Stellen&#8220; wiederum bedeutet, etwas vertikal zu platzieren. Jede dieser Bedeutungen gibt dem deutschen Sprecher automatisch Zugang zu neuen M\u00f6glichkeiten, sich einem praktischen Problem zu n\u00e4hern. Auf diese Weise kann die Verwendung unterschiedlicher Sprachen in der multilingualen Zusammenarbeit zu neuen gedanklichen Verbindungen f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Besondere Eigenschaften mehrsprachiger Mitarbeiter<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dar\u00fcber hinaus zeigen weitere Studien, dass Menschen&nbsp;rationellere Entscheidungen treffen, wenn sie nicht in ihrer Muttersprache arbeiten. Sie zeigen ein gr\u00f6\u00dferes kognitives Verst\u00e4ndnis und eine reduzierte Angst vor einer m\u00f6glichen Niederlage. Mehrsprachige Personen haben zudem oft eine gr\u00f6\u00dfere&nbsp;Aufmerksamkeit, eine h\u00f6here Intelligenz und ausgepr\u00e4gtere verbale F\u00e4higkeiten wie auch eine bessere r\u00e4umliche Wahrnehmung. Infolge struktureller Ver\u00e4nderungen im Gehirn, die in Tests ebenfalls nachgewiesen werden konnten, haben mehrsprachige Menschen eine erh\u00f6hte F\u00e4higkeit, gro\u00dfe Mengen an Informationen zu verarbeiten. Sie weisen ein hohes analytisches Denken auf, k\u00f6nnen leichter konzeptualisieren, haben eine hohe Ged\u00e4chtnisleistung und eine ausgepr\u00e4gte Geschicklichkeit. Diese kognitive Vielfalt macht sich in der Teamarbeit bezahlt, denn s\u00e4mtliche Aufgaben werden von den einzelnen Teammitgliedern auf unterschiedlichste Weise betrachtet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fazit ist, dass ein multikulturelles Team, in dem die einzelnen Mitglieder mehrere Sprachen sprechen, das gr\u00f6\u00dfte Potenzial hat, origin\u00e4re L\u00f6sungen zu entwickeln und damit Wettbewerbsvorteile f\u00fcr das Unternehmen zu erzielen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Autorin<\/em><\/strong><em>: Katrin Koll Prakoonwit<\/em>&nbsp;\u2013&nbsp;<em>Bevor sie sich als Journalistin selbst\u00e4ndig machte, schrieb&nbsp;Katrin Koll Prakoonwit&nbsp;L\u00e4nderanalysen f\u00fcr die FAZ. Heute arbeitet sie f\u00fcr Publikationen verschiedener Beratungsunternehmen und Verlage. Frau Koll Prakoonwit lebt in Reading, Berkshire, bei London.<\/em><\/p>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kulturell heterogene Teams sind oftmals erfolgreicher als homogene, da sie viele verschiedene Denkweisen einbringen und auf neuen, kreativeren Wegen zu origin\u00e4ren L\u00f6sungen finden. Voraussetzung ist, dass ihnen ausreichend Zeit einger\u00e4umt wird, um H\u00fcrden in der Teamentwicklung zu nehmen und nach und nach interkulturelle Synergien zu entwickeln. 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