{"id":13514,"date":"2022-03-08T16:27:55","date_gmt":"2022-03-08T15:27:55","guid":{"rendered":"https:\/\/crossculture-academy.com\/?p=13514"},"modified":"2024-03-07T22:27:21","modified_gmt":"2024-03-07T22:27:21","slug":"kulturelle-unterschiede-australien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/kulturelle-unterschiede-australien\/","title":{"rendered":"Kulturelle Unterschiede Australien"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/crossculture-academy.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Kulturelle-Unterschiede-Australien-37454788_s.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13516\" title=\"\"><figcaption><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Mit Australien verbinden viele das Gef\u00fchl, dass es dort insgesamt sehr entspannt zugeht. Tats\u00e4chlich legen Australier viel Wert auf eine ausgeglichene Work-Life-Balance, was sich je nach Branche und Region in einer k\u00fcrzeren Arbeitswoche niederschl\u00e4gt. Das Leben zu genie\u00dfen, ist in Australien eine anerkannte Grundeinstellung genauso wie der damit verbundene allgemeine Optimismus.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Alle sind gleich<\/h4>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Wert, der in der australischen Kultur hochgehalten wird und der sicherlich auch einen Teil zur generellen Lockerheit der Australier beitr\u00e4gt, ist der Grundsatz, dass alle gleich und gleich zu behandeln sind. Die Hierarchien in Unternehmen sind daher flach, Mitarbeiter und Vorgesetzte sprechen sich fast immer mit Vornamen an. Auf akademische Titel oder hierarchische Positionen wird kein Wert gelegt. Man ist sich seiner Stellung bewusst und alle anderen wissen es ebenfalls, deshalb muss das nicht an die gro\u00dfe Glocke geh\u00e4ngt werden, so die allgemeine Denke. Respekt verschafft man sich in Australien durch harte Arbeit und exzellente Ergebnisse, nicht durch seine Position oder seinen Titel.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Betonen der eigenen Leistung kommt bei Australiern generell negativ an. Das hat nichts mit fehlender Leistungsorientierung zu tun! Erfolg im Beruf spielt auch in Australien eine durchaus wichtige Rolle und erf\u00fcllt den Einzelnen mit Stolz. Aber wie bereits erw\u00e4hnt ist es nicht gerne gesehen, mit diesen Erfolgen anzugeben und sich \u00fcber andere zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Umkehrschluss hei\u00dft dies auch, dass Sie Ihre australischen Gesch\u00e4ftspartner oder Kollegen nicht untersch\u00e4tzen sollten, wenn Sie noch wenig \u00fcber ihre jeweiligen F\u00e4higkeiten in Erfahrung bringen konnten.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Wirklich partizipativ F\u00fchren<\/h4>\n\n\n\n<p>Australier haben eine Abneigung gegen autorit\u00e4res Verhalten. Der Vorgesetzte wird als primus inter pares gesehen und soll alle Mitarbeiter gleicherma\u00dfen gut und freundlich behandeln. Ihm kommt die Aufgabe zu, das Team so zu managen, dass jeder seine Arbeit gut machen kann. Er ist f\u00fcr eine angenehme Arbeitsatmosph\u00e4re verantwortlich und sollte f\u00fcr alle jederzeit ansprechbar sein. Eine dominante und befehlende Art des F\u00fchrens oder ein Hinweis auf die pers\u00f6nliche hierarchische Stellung w\u00fcrde hingegen als arrogant und anma\u00dfend wahrgenommen werden. Befehlsverweigerung w\u00e4re die dann zu erwartende Reaktion der australischen Mitarbeiter.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kameradschaft&nbsp;als Grundsatz<\/h4>\n\n\n\n<p>Grundlage f\u00fcr die oben beschriebene australische Bescheidenheit, den partizipativen F\u00fchrungsstil und auch die vergleichbar flachen Hierarchien bildet das Konzept des Mateships (Kameradschaftlichkeit). Historisch liegt dies in der Kolonialzeit begr\u00fcndet, als die Menschen auf die Unterst\u00fctzung des jeweils anderen angewiesen waren, um ihr \u00dcberleben in einer rauen Umgebung zu sichern. Jeder half jedem. Mateship steht somit f\u00fcr Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Zusammenhalt, Loyalit\u00e4t und Gleichheit. Welche hohe Bedeutung Mateship auch heute noch f\u00fcr die Australier hat, zeigt beispielsweise das immer wieder auflebende Streben, den Begriff in die Pr\u00e4ambel der australischen Verfassung aufzunehmen. Bisher hat sich dies aber noch nicht durchgesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz aller Kameradschaftlichkeit und Freundlichkeit ist Australien auch eine individualistische Kultur, d.h. jeder stellt nicht die Gemeinschaft aller, sondern zun\u00e4chst sich selbst und seine Familie in den Mittelpunkt. Somit strebt im Arbeitsleben jeder in erster Linie nach pers\u00f6nlichem Erfolg, aber eben ohne daf\u00fcr die Ellbogen einzusetzen. Wie im Sport gibt es Teamf\u00e4higkeit und Fairness auf der einen Seite, aber gewinnen und der Beste sein wollen auf der anderen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Direkte und offene Kommunikation \u2026<\/h4>\n\n\n\n<p>Die australische Kameradschaftlichkeit kommt nat\u00fcrlich auch in der Sprache zum Ausdruck. Viele Australier sprechen sich bei der Arbeit mit \u201eMate\u201c (Kumpel) an. Daneben redet jeder mit jedem, frei \u00fcber jegliche Hierarchieunterschiede hinweg. Man bespricht alles offen und direkt \u2013 von Angesicht zu Angesicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Small Talk und Humor spielen ebenfalls eine wichtige Rolle, um die gegenseitige freundschaftliche Beziehung zu etablieren, die als essentielle Basis im Arbeits- und Gesch\u00e4ftsleben gesehen wird. Beides wird auch in angespannten oder unangenehmen Situationen aktiv angewendet, um wieder auf eine harmonischere Ebene zur\u00fcckzufinden. Dabei scheuen sich Australier nicht vor sensiblen oder derben Themen. Sehen Sie es als ein Zeichen von Akzeptanz an, wenn Ihre australischen Gesch\u00e4ftspartner oder Kollegen derartige \u201eSp\u00e4\u00dfe\u201c mit Ihnen teilen.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz der Anrede mit \u201eMate\u201c und der Witzeleien braucht es auch in Australien seine Zeit, bis man wirklich die Ebene der Freundschaft erreicht hat. Das sollten Sie genau zu unterscheiden wissen. So sind Fragen zur Familie beispielsweise f\u00fcr den Small Talk nicht geeignet, da sie als zu pers\u00f6nlich empfunden werden. Erst wenn eine Beziehung etabliert ist, lassen sich Australier auf solche eher privaten Themen ein.<\/p>\n\n\n\n<p>So treten Deutsche auch gerne ins Fettn\u00e4pfchen, indem sie auf die Frage \u201eHow are you?\u201c mit einer genauen Beschreibung antworten, wie sie sich gerade f\u00fchlen. Tats\u00e4chlich handelt es sich bei dieser Frage aber nur um eine Begr\u00fc\u00dfungsformel. Niemand sollte daraufhin dem anderen sein Herz aussch\u00fctten. Es geht darum, einen freundlichen Start in die gemeinsame Unterhaltung zu finden und nicht wie mit einem guten Freund pers\u00f6nliche Informationen auszutauschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Besser ist es also, sich mit Kollegen und Gesch\u00e4ftspartnern \u00fcber Sport, Freizeit und Hobbies zu unterhalten. Das wirkt sich generell positiv auf das Arbeitsleben aus.<\/p>\n\n\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">\u2026 aber indirekte \u00c4u\u00dferung von Kritik<\/h4>\n\n\n\n<p>Nicht offen und direkt ausgesprochen wird Kritik. Es widerspricht dem Konzept der Kameradschaftlichkeit, andere direkt zu kritisieren und dadurch pers\u00f6nlich zu verletzen. Kritische Worte sollten daher immer freundlich verpackt und eher indirekt vorgetragen werden. Kritik wird sehr h\u00e4ufig auch in Form eines indirekt, fast nebenbei gemachten ironischen Kommentars ge\u00e4u\u00dfert. Deutsche verpassen diese versteckte Information h\u00e4ufig und erkennen die Kritik der australischen Partner oder Kollegen an ihren Ideen, Vorschl\u00e4gen oder Konzepten nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz dazu neigen einige Australier dazu, demonstrativ Selbstkritik zu \u00fcben. In diesem Fall sollten Sie keinesfalls einstimmen, sondern beachten, dass es sich dabei eher um eine Form des h\u00f6flichen Herunterspielens der eigenen Leistungen handelt bzw. um einen Versuch, Ebenb\u00fcrtigkeit herzustellen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kurze Meetings<\/h4>\n\n\n\n<p>Meetings in australischen Unternehmen dauern meist nicht l\u00e4nger als eine Stunde. Ein wenig Small Talk am Anfang ist die Regel, aber dann fassen sich alle kurz. Man sagt, was man denkt, ohne Umschweife oder einleitende Worte.<\/p>\n\n\n\n<p>Besprechungen werden meist relative kurzfristig angesetzt und folgen nicht unbedingt einer lange im Voraus erarbeiteten Agenda. Betrachten Sie Meetings mit Australiern eher als eine Art offenes Diskussionsforum, in dem gemeinsam gebrainstormt und neue Ideen entwickelt werden. Ein bis ins letzte Detail ausgearbeiteter Plan oder eine perfekt erstellte Pr\u00e4sentation werden gegebenenfalls eher als \u201efeindliche \u00dcbernahme\u201c interpretiert. Australier denken gerne in Optionen und wollen keinem vorgefertigten Plan folgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Abgesehen davon genie\u00dfen Australier eine anregende Diskussion, die gerne mit ein, zwei provokativen Aussagen in Gang gesetzt wird. Eine heftige Auseinandersetzung wird immer auf der Sachebene gef\u00fchrt. Nehmen Sie harsche Worte also nicht pers\u00f6nlich. Nach dem Meeting wird man gerne mit Ihnen zum After Work gehen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Lockerer Arbeitsstil<\/h4>\n\n\n\n<p>Australier wirken bei der Arbeit locker. Passiert einmal ein Fehler, wird dar\u00fcber nicht viel Aufhebens gemacht. F\u00fcr jedes Problem gibt es schlie\u00dflich eine L\u00f6sung. Flexibilit\u00e4t und Pragmatismus sind die Schlagworte. Nach einem Schuldigen zu suchen, wird eher als unn\u00f6tig empfunden. Man schaut weniger auf das, was nicht funktioniert, sondern auf das, was alle weiterbringt.<\/p>\n\n\n\n<p>Generell wird in Australien eher schnell und unkompliziert gearbeitet, statt lange und detailliert zu \u00fcberlegen und zu planen. Wer t\u00e4glich zw\u00f6lf statt acht Stunden arbeitet, ist vermutlich zu langsam und zu gewissenhaft. Australier wollen sich auf das Wesentliche konzentrieren und vorw\u00e4rts kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Lediglich Entscheidungen lassen oft lange auf sich warten. Denn nicht selten wird sich das Management mit Fachkr\u00e4ften beraten und die Meinungen vieler einholen, bis eine f\u00fcr alle tragbare Konsensentscheidung gef\u00e4llt werden kann. Seien Sie geduldig, jegliche Form von Druck w\u00fcrde Ihnen negativ angerechnet.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Ein paar Etikette-Tipps<\/h4>\n\n\n\n<p>Die legere und entspannte Haltung der Australier bedeutet nicht, dass die Uhren in Australien anders ticken! Im Gegenteil, auf P\u00fcnktlichkeit, vor allem im Gesch\u00e4ftsleben, legen Australier gro\u00dfen Wert.<\/p>\n\n\n\n<p>Man begr\u00fc\u00dft und verabschiedet sich mit einem lockeren Handschlag. Wichtiger sind jedoch ein freundlicher Gesichtsausdruck und ein paar nette Begr\u00fc\u00dfungsworte, die in ein wenig Small Talk m\u00fcnden sollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Augenkontakt ist in der Kommunikation ein wichtiger Garant f\u00fcr Aufmerksamkeit und Ehrlichkeit. Aber Vorsicht mit der Daumen-hoch-Geste, die in Australien eine ganz andere Bedeutung als \u201eAlles klar\u201c oder \u201eSuper\u201c hat!<\/p>\n\n\n\n<p>Der Dresscode kann unterschiedlich ausfallen. Je nach Branche und Stadt sind dunkler Anzug oder Kost\u00fcm durchaus angebracht. In andere Regionen oder Branchen kann der Dresscode deutlich legerer ausfallen. In Brisbane werden Sie hin und wieder Gesch\u00e4ftsm\u00e4nner sehen, die Hemd, Krawatte und Bermuda-Shorts tragen. Das ist aber eher die Ausnahme und f\u00fcr Ausl\u00e4nder sicherlich nicht zu empfehlen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Autorin<\/em><\/strong><em>: Katrin Koll Prakoonwit<\/em>&nbsp;\u2013&nbsp;<em>Bevor sie sich als Journalistin selbst\u00e4ndig machte, schrieb&nbsp;Katrin Koll Prakoonwit&nbsp;L\u00e4nderanalysen f\u00fcr die FAZ. Heute arbeitet sie f\u00fcr Publikationen verschiedener Beratungsunternehmen und Verlage. Frau Koll Prakoonwit lebt in Reading, Berkshire, bei London<\/em>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Australien verbinden viele das Gef\u00fchl, dass es dort insgesamt sehr entspannt zugeht. 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