{"id":13465,"date":"2022-03-08T10:47:01","date_gmt":"2022-03-08T09:47:01","guid":{"rendered":"https:\/\/crossculture-academy.com\/?p=13465"},"modified":"2024-03-07T22:27:21","modified_gmt":"2024-03-07T22:27:21","slug":"andere-kulturen-entschluesseln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/andere-kulturen-entschluesseln\/","title":{"rendered":"Andere Kulturen entschl\u00fcsseln"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/crossculture-academy.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Andere-Kulturen-entschluesseln-1-22504547_s.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13467\" title=\"\"><figcaption><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Werte, Traditionen und Annahmen, was als richtig und was als falsch anzusehen ist, tragen zu unserem nach au\u00dfen hin sichtbaren Verhalten, Handeln sowie zu unserer Art der Kommunikation innerhalb einer Kultur bei. Doch wie lassen sich die Unterschiede zwischen zwei oder mehreren Kulturen beschreiben? Und wie kann man Kulturen im Hinblick auf ihre Eigenheiten miteinander vergleichen?<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kulturmodelle<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hierf\u00fcr gibt es eine Reihe von wissenschaftlichen Modellen, die versuchen, kulturelle Besonderheiten zu beschreiben und vergleichbar zu machen. Aber Vorsicht! Alle Modelle und Ans\u00e4tze sind stereotypisierend. Sie versuchen, eine generelle Tendenz zu beschreiben. In der Realit\u00e4t werden Sie es jedoch immer mit individuellen Pers\u00f6nlichkeiten zu tun haben!<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kulturdimensionen nach Geert Hofstede<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eines der bekanntesten Modelle ist das der Kulturdimensionen von Geert Hofstede. Hofstede hat bereits in den 60er\/70er Jahren in einer gro\u00dfen empirischen Studie diverse kulturelle Unterschiede herausgearbeitet. Auch wenn die Ergebnisse seiner Studie \u2013 die in den letzten Jahrzehnten immer weitergef\u00fchrt wurde, sodass die Datenbasis aktuell ist \u2013 in der wissenschaftlichen Welt nach wie vor heftig diskutiert werden, lieferte Hofstede das heute am meisten verwendete Modell, um Kulturen miteinander zu vergleichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lassen Sie uns deshalb einen Blick darauf werfen, was genau es mit diesem Modell auf sich hat und wie es funktioniert:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Hofstede wurden mittels Kulturdimensionen einzelne Aspekte einer Kultur ausgew\u00e4hlt und betrachtet. Dann wurden im Hinblick auf die einzelnen Aspekte verschiedene Kulturen miteinander verglichen, indem man sie auf einer Skala eingetragen und so in Relation zueinander gesetzt hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die von Geert Hofstede definierten Kulturdimensionen helfen aber auch unabh\u00e4ngig von den Ergebnissen der Studie dabei, menschliches Handeln zu beschreiben \u2013 sie machen sozusagen das an sich \u201eUnbeschreibbare\u201c, das einem in der Zusammenarbeit mit Menschen aus anderen Kulturen auff\u00e4llt, \u201ebeschreibbar\u201c. Dementsprechend leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Entschl\u00fcsselung von Kulturen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber nun zu den einzelnen Dimensionen:<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Machtdistanz<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da w\u00e4re zun\u00e4chst die Kulturdimension \u201eMachtdistanz\u201c, welche Auskunft dar\u00fcber gibt, inwieweit in einer Kultur Machtunterschiede anerkannt oder eher nivelliert werden. Es geht darum zu analysieren, wie Menschen gegen\u00fcber der Machtverteilung in einer Kultur eingestellt sind. Ein niedriger Wert bedeutet, dass eine Kultur akzeptiert, dass Machtverh\u00e4ltnisse demokratisch sind und alle Mitglieder als gleichwertig angesehen werden. Ein hoher Wert bedeutet, dass formale hierarchische Positionen akzeptiert werden. Unternehmen sind beispielsweise stark hierarchisiert.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Individualismus vs. Kollektivismus<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kulturdimension \u201eIndividualismus vs. Kollektivismus\u201c gibt Auskunft dar\u00fcber, inwieweit sich die Mitglieder einer Kultur als Teil eines sozialen Gef\u00fcges sehen und sich diesem gegen\u00fcber verantwortlich f\u00fchlen. Es wird herausgestellt, dass es in individualistischen Kulturen wichtig ist, pers\u00f6nliche Ziele zu erreichen, w\u00e4hrend kollektivistische Gesellschaften Gruppenziele \u00fcber individuelle Ziele stellen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Unsicherheitsvermeidung<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kulturdimension \u201eUnsicherheitsvermeidung\u201c zeigt, ob die Mitglieder einer Kultur von etwas Neuem eher abgeschreckt werden oder ob sie neugierig sind. Es wird gemessen, wie eine Gesellschaft mit unbekannten oder unerwarteten Situationen und dem Stress, der mit Ver\u00e4nderungen einhergeht, umgeht.&nbsp;Kulturen mit einem hohen Wert sind weniger tolerant gegen\u00fcber Ver\u00e4nderungen. Sie f\u00fchren strenge Regeln und Gesetze ein, um Unvorhergesehenem vorzubeugen. Gesellschaften mit einem geringen Wert stehen Ver\u00e4nderungen offener gegen\u00fcber und neigen dazu, weniger Regeln zu haben.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Maskulinit\u00e4t vs. Feminit\u00e4t<\/h4>\n\n\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kulturdimension \u201eMaskulinit\u00e4t vs. Feminit\u00e4t\u201c stellt heraus, inwieweit sich die Mitglieder einer Kultur den Geschlechterrollen verpflichtet f\u00fchlen. Sie beschreibt die Wichtigkeit, die eine Kultur stereotypen maskulinen und femininen Werten beimisst. Kulturen mit einem hohen Wert auf der maskulinen Seite weisen mehr Unterschiede zwischen den Geschlechtern auf und sind in der Regel wetteifernder. In Kulturen mit einem niedrigen Wert gibt es weniger Unterschiede zwischen den Geschlechtern und es ist wichtiger, Beziehungen aufzubauen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Langzeitorientierung vs. Kurzzeitorientierung<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kulturdimension \u201eLangzeitorientierung vs. Kurzzeitorientierung&#8220; gibt Auskunft \u00fcber den Zeithorizont einer Kultur und dar\u00fcber, inwieweit langfristiges Denken wertgesch\u00e4tzt wird.&nbsp;Langzeitorientierte Kulturen betrachten Zeit als linear und blicken eher in die Zukunft. Dar\u00fcber hinaus sind sie zielorientiert und legen Wert auf Belohnungen.&nbsp; Kurzzeitorientierte Kulturen sch\u00e4tzen den Aufbau von Beziehungen und die Verwendung traditioneller Methoden. F\u00fcr sie sind Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbunden, d. h. was heute nicht erledigt wird, kann auch morgen noch gemacht werden.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kulturdimensionen nach Alfons Trompenaars<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiteres Kulturdimensionen-Modell stammt von Alfons Trompenaars. Es umfasst sieben Dimensionen von denen wir nur die folgenden n\u00e4her betrachten wollen:<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Universalismus vs. Partikularismus<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Dimension \u201eUniversalismus vs. Partikularismus\u201c zeigt auf, ob korrektes Verhalten von allgemeing\u00fcltigen Regeln bestimmt wird, oder ob, je nach Person oder Situation, Ausnahmen bzw. Abweichungen von diesen Regeln zul\u00e4ssig sind.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Neutral vs. Emotional<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Dimension \u201eNeutral vs. Emotional\u201c besagt, bis zu welchem Grad es toleriert wird, in der \u00d6ffentlichkeit Gef\u00fchle zu zeigen. Das bezieht sich nicht nur auf emotionale Ausbr\u00fcche,&nbsp; sondern auch auf Gesten, Mimik und L\u00e4cheln.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Spezifisch vs. Diffus<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Dimension \u201eSpezifisch vs. Diffus\u201c zeigt, ob pers\u00f6nliche und berufliche Beziehungen klar getrennt werden oder eher vage ineinander \u00fcbergehen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Leistung vs. Abstammung<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Dimension \u201eLeistung vs. Abstammung\u201c besch\u00e4ftigt sich mit der Frage, ob Status durch Anstrengung und Leistung erworben wird oder durch Abstammung und Zugeh\u00f6rigkeit. die entscheidenden Faktoren sind dann Geburt, Verwandtschaftsbeziehungen, Gruppenzugeh\u00f6rigkeit, das Alter, das Geschlecht, die Ausbildung etc.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Umgang mit der Zeit<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Dimension \u201eUmgang mit der Zeit\u201c definiert, wie in einer Kultur Zeit strukturiert wird. In Kulturen mit einem sequenziellen Zeitverst\u00e4ndnis wird Zeit als ein geradliniger Verlauf von Ereignissen empfunden. Die Menschen schauen tendenziell nach vorne.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei einem synchronen Zeitverst\u00e4ndnis k\u00f6nnen mehrere Dinge gleichzeitig stattfinden. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind eher eins.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Umgang mit Natur und Umwelt<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Dimension \u201eUmgang mit Natur und Umwelt\u201c besch\u00e4ftigt sich mit der Frage, wie hoch eine Kultur ihre M\u00f6glichkeiten einsch\u00e4tzt, das eigene Schicksal selbst zu bestimmen oder wie stark sie sich in der Hand ihres Umfelds oder der Natur f\u00fchlt.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kulturdimensionen nach Edward T. Hall<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Edward Twitchell Hall, Jr. stammt unter anderem die Unterscheidung von Kulturen nach High- und Low-context-Kulturen. In Kulturen mit starkem Kontextbezug orientiert sich die Kommunikation an \u00e4u\u00dferen Gegebenheiten, der aktuellen Situation und der non-verbalen Kommunikation. Die verbale Kommunikation ist dagegen eher vage. In Kulturen mit schwachem Kontextbezug ist die verbale Kommunikation sehr klar und direkt. Es werden f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis keine Kontextfaktoren hinzugezogen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Monochrones vs. polychrones Zeitverst\u00e4ndnis<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Des Weiteren unterscheidet Hall zwischen einem monochronen und einem polychronen Zeitverst\u00e4ndnis.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Monochrones Zeitverst\u00e4ndnis<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Kulturen mit einem monochronen Zeitverst\u00e4ndnis gilt: Eins nach dem anderen. Mitarbeiter werden beispielsweise eine Sache nach der anderen erledigen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Polychrones Zeitverst\u00e4ndnis<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Kulturen mit einem polychronen Zeitverst\u00e4ndnis werden viele verschiedene Dinge gleichzeitig gemacht. Hier finden sich die wahren Meister des Multitaskings.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kulturstandards nach Alexander Thomas<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer Ansatz \u2013 ebenfalls umstritten und doch hilfreich \u2013 ist der der Kulturstandards von Alexander Thomas. Thomas unterscheidet nicht nach einzelnen Kulturdimensionen, sondern seine Kulturstandards basieren auf dem Vergleich konkreter Kulturen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Per Definition von Thomas werden unter Kulturstandards \u201ealle Arten des Wahrnehmens, Denkens, Wertens und Handelns verstanden, die von der Mehrzahl der Mitglieder einer bestimmten Kultur f\u00fcr sich pers\u00f6nlich und andere als normal, selbstverst\u00e4ndlich, typisch und verbindlich angesehen werden. Eigenes und fremdes Verhalten wird auf der Grundlage dieser Standards beurteilt und reguliert.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Demnach sind Kulturstandards die zentralen Kennzeichen einer Kultur, die als Orientierungssystem des Wahrnehmens, Denkens und Handelns dienen. Sie sind also<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>bindend f\u00fcr die Mitglieder der Kultur<\/li><li>unbewusst<\/li><li>vorgebend, was \u201enormal\u201c ist<\/li><li>wandelbar<\/li><li>an Werte gebunden<\/li><li>Orientierung gebend<\/li><li>Verhaltensregulatoren und Ordnung schaffend<\/li><li>Einflussfaktoren f\u00fcr das Denken, F\u00fchlen und Handeln<\/li><li>Kulturstandards sind zudem nicht aussagekr\u00e4ftig \u00fcber die Qualit\u00e4t des Tuns, sondern geben nur Auskunft dar\u00fcber, dass es (fast) alle so machen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei einer Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit mit Deutschen w\u00e4ren die relevanten typisch deutschen Kulturstandards beispielsweise eine hohe Sachorientierung, eine direkte Kommunikation, die Wertsch\u00e4tzung von Strukturen, Regeln und Zeitplanung oder auch die Trennung zwischen Berufs- und Privatleben.<br>Diese Kulturstandards sind also Aspekte der deutschen Kultur, die von uns als normal, typisch und verbindlich angesehen werden. Sie bilden sozusagen die \u201eEssenz\u201c der deutschen Gesch\u00e4ftskultur.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Autor<\/strong> Steffen Henkel<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Werte, Traditionen und Annahmen, was als richtig und was als falsch anzusehen ist, tragen zu unserem nach au\u00dfen hin sichtbaren Verhalten, Handeln sowie zu unserer Art der Kommunikation innerhalb einer Kultur bei. Doch wie lassen sich die Unterschiede zwischen zwei oder mehreren Kulturen beschreiben? 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