{"id":13437,"date":"2022-03-08T10:22:06","date_gmt":"2022-03-08T09:22:06","guid":{"rendered":"https:\/\/crossculture-academy.com\/?p=13437"},"modified":"2024-03-07T22:27:19","modified_gmt":"2024-03-07T22:27:19","slug":"was-ist-ein-kulturschock","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/was-ist-ein-kulturschock\/","title":{"rendered":"Was ist ein Kulturschock?"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/crossculture-academy.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Kulturschock-19482954_s.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13439\" title=\"\"><figcaption><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eigentlich ist der Begriff Kulturschock irref\u00fchrend. Denn er impliziert etwas blitzartiges, das einen wie aus heiterem Himmel trifft. Eine treffendere Definition f\u00fcr einen Kulturschock ist jedoch eine prozesshafte Identit\u00e4tskrisenbew\u00e4ltigung. Was bedeutet das?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jeder l\u00e4ngerer Auslandsaufenthalt tr\u00e4gt dazu bei, dass ich mich in meiner Identit\u00e4t weiterentwickele. Nach sechs Monaten in Japan werde ich ganz bestimmt nicht als derselbe Mensch zur\u00fcckkommen als der ich mein Land verlassen habe. Ich habe die neuen Erfahrungen und Verhaltensweisen der anderen Kultur in meinen Alltag integriert. Sie sind sozusagen ein Teil von mir geworden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das alles ist durchaus anstrengend. Die Kunst ist nun, diese Weiterentwicklung bewusst zu erleben, sie auszuhalten und schlie\u00dflich zu meistern.<\/p>\n\n\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Die Kulturschockkurve<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jeder, der sich l\u00e4nger in einem anderen Land aufh\u00e4lt durchlebt die sogenannte Kulturschockkurve. Sie verl\u00e4uft typischerweise in vier Phasen, die mit dem sogenannten U-Modell beschrieben werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">1. Die Honeymoon-Phase<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn man neu in ein fremdes Land kommt, empfindet man typischerweise erst eine gewisse Euphorie. Man findet alles toll und ist begeistert von den neuen Eindr\u00fccken, fasziniert von der fremden Kultur, dem Essen und der Architektur. Zudem hat man neue, spannende Aufgaben \u00fcbernommen und im Falle einer Entsendung ist man vielleicht sogar bef\u00f6rdert worden. Man begegnet Land und Leuten \u00e4u\u00dferst positiv. Diese erste Phase steckt voller neuer Entdeckungen. Sie wird nach dem U-Modell als die Honeymoon-Phase bezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">2. Die Krise<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf diese euphorische Anfangsphase folgt eine Phase der Ern\u00fcchterung, der Krise. Man stellt fest, dass das fremde Land doch nicht so ideal ist. Man tritt h\u00e4ufig in Fettn\u00e4pfchen und stellt vielleicht fest: Zu Hause machen wir das alles besser.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Krise kann umso heftiger ausfallen, wenn Sprachkenntnisse fehlen oder wenn man generell auf die Begegnung mit der neuen Kultur schlecht vorbereitet ist.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">3. Die Erholung<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach und nach entwickelt man ein gewisses Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die neue Kultur. Man lernt neue Handlungsweisen kennen und versucht sie zu verstehen. Diese Phase wird als Erholung bezeichnet<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">4. Die Anpassung<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erst in der vierten Phase, der Anpassungsphase, erlebt man eine schrittweise Anpassung an die neue Kultur. Man hat gelernt, sich in dem fremden Land einigerma\u00dfen sicher zu bewegen und ist nun in der Lage, seine Komfortzone nach und nach zu erweitern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Zeichen f\u00fcr eine gelungene Anpassung ist z.B., wenn man sich endlich im Supermarkt gut genug auskennt, um die Lebensmittel zu finden, die einem schmecken. Oder wenn man sich an die mitt\u00e4gliche, scheinbar endlose Siesta gew\u00f6hnt hat und sie mittlerweile sogar selbst als angenehm empfindet. Man kann sich nun in der fremden Sprache aus so gut ausdr\u00fccken, dass man einfache Gespr\u00e4che f\u00fchren kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dieser Anpassung an die Gegebenheiten geht auch eine erweiterte Sozialkompetenz einher. Man hat erste Kontakte zu Einheimischen gekn\u00fcpft und f\u00fchlt sich allgemein nicht mehr so fremd. Der Kulturschock ist f\u00fcrs erste \u00fcberwunden und man ist dabei, sich in der neuen Heimat einzuleben.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Das W-Modell<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das sogenannte W-Modell erweitert das eben vorgestellte U-Modell um eine wichtige Phase, n\u00e4mlich um das, was typischerweise bei der R\u00fcckkehr ins Heimatland passiert. Auch hier kann man von einem Kulturschock sprechen, der in vielen F\u00e4llen sogar heftiger ausf\u00e4llt als der erste.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn eigentlich rechnet man ja mit gewissen Schwierigkeiten, wenn man sich f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit in eine andere Kultur begibt. Aber warum sollte die R\u00fcckkehr nach Hause, wo man den Gro\u00dfteil seines Lebens verbracht hat, ein Problem darstellen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie gesagt, auf diesen Eigenkulturschock oder reverse culture shock sind die wenigsten gefasst. Das macht ihn umso heftiger. Pl\u00f6tzlich f\u00fchlt man sich in der eigenen Kultur nicht mehr zu Hause. Man sieht sein Land auf einmal mit ganz anderen Augen und hat Erfahrungen gemacht, die man mit keinem der Daheimgebliebenen so richtig teilen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In vielen Unternehmen f\u00fchrt dieser umgekehrte Kulturschock von Mitarbeitern, die nach einer Entsendung wieder im Unternehmen arbeiten sollen, zu K\u00fcndigungen. Die entsandten und zur\u00fcckgekehrten Mitarbeiter f\u00fchlen sich in der eigenen Unternehmenskultur nicht mehr zu Hause und reagieren mit einem Wechsel des Unternehmens.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Was tun?<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine M\u00f6glichkeit, damit der Kulturschock nur sehr milde ausf\u00e4llt, ist es, vor einem l\u00e4ngeren Auslandsaufenthalt ein interkulturelles Training oder noch besser ein interkulturelles Coaching zu absolvieren. In solch einem Training oder Coaching wird man von einem interkulturell geschulten Trainer oder Coach ganz gezielt auf den Auslandseinsatz vorbereitet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es geht jedoch nicht nur darum, Tipps und Tricks zu lernen, mit denen man eventuelle Fettn\u00e4pfchen vermeidet. Vielmehr bildet ein interkulturelles Training die M\u00f6glichkeit, sich intensiv mit der eigenen und mit der fremden Kultur auseinanderzusetzen. Eigene Verhaltensweisen werden \u00fcberpr\u00fcft und es wird versucht, m\u00f6gliche Konfliktsituationen vorweg zu nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein interkulturelles Coaching bietet dar\u00fcber hinaus die M\u00f6glichkeit, \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum hinweg gemeinsam mit dem Coach an den eigenen Verhaltensstrategien zu arbeiten und sie gegebenenfalls der neuen Kultur anzupassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein interkulturelles Coaching hilft auch bei der R\u00fcckkehr ins eigene Land und ins eigene Unternehmen. Denn nur wenn Sie Ihre eigene Identit\u00e4tsentwicklung, die ein l\u00e4ngerer Auslandsaufenthalt in jedem Fall bewirkt, reflektieren und einordnen k\u00f6nnen, werden Sie sich auch zu Hause wieder schnell einleben und zu Ihrer gewohnten Leistungsf\u00e4higkeit zur\u00fcckfinden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Autor<\/strong> Steffen Henkel<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich ist der Begriff Kulturschock irref\u00fchrend. Denn er impliziert etwas blitzartiges, das einen wie aus heiterem Himmel trifft. Eine treffendere Definition f\u00fcr einen Kulturschock ist jedoch eine prozesshafte Identit\u00e4tskrisenbew\u00e4ltigung. Was bedeutet das? Jeder l\u00e4ngerer Auslandsaufenthalt tr\u00e4gt dazu bei, dass ich mich in meiner Identit\u00e4t weiterentwickele. 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