{"id":12263,"date":"2021-09-27T01:33:00","date_gmt":"2021-09-26T23:33:00","guid":{"rendered":"https:\/\/crossculture-academy.com\/?p=12263"},"modified":"2024-03-07T22:27:15","modified_gmt":"2024-03-07T22:27:15","slug":"businessfrauen-in-indien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/crossculture-academy.com\/de\/businessfrauen-in-indien\/","title":{"rendered":"Businessfrauen in Indien"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/crossculture-academy.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Indische_Businessfrau-1024x683.jpg\" alt=\"Indische Businessfrau sitzt am Schreibtisch mit Smartphone in der Hand, freut sich \u00fcber eine Nachricht\" class=\"wp-image-12264\" title=\"\"><figcaption><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie &#8222;Essen ohne W\u00fcrze&#8220;, ein &#8222;Garten ohne Blumen&#8220;, der &#8222;Himmel ohne Sterne&#8220;, das &#8222;Meer ohne Fische&#8220; und ein &#8222;Vogel mit nur einem Fl\u00fcgel&#8220; sei die indische Gesch\u00e4ftswelt ohne Frauen. Diese bildreichen Vergleiche stammen von Frauen, die es unter die Top 30 der einflussreichsten Businessfrauen Indiens geschafft haben. Sie alle dr\u00fccken das Gef\u00fchl aus, dass ohne Frauen etwas fehlt. Es sind Defizitanzeigen in zweifachem Sinne: Ohne Frauen l\u00e4uft die Wirtschaft nicht rund und gleichzeitig sind zu wenig Frauen in den F\u00fchrungsetagen indischer Konzerne pr\u00e4sent.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Standard Chartered Bank stellt in ihrem Bericht &#8222;Women on Corporate Boards in India 2010&#8220; heraus, dass von den besten 100 Aktiengesellschaften, die an der B\u00f6rse in Mumbai (BSE) gelistet sind, nur in f\u00fcnf Frauen die Position der Vorstandsvorsitzenden innehaben. Von den 240 gr\u00f6\u00dften Unternehmen Indiens haben laut einer Studie von EMA Partners nur 11 Prozent eine Frau als CEO. Das World Economic Forum ratet Indien auf Platz 128 von 134, wenn es darum geht, Frauen gleiche Chancen auf F\u00fchrungspositionen in der Wirtschaft einzur\u00e4umen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-background has-primary-background-color has-primary-color is-style-default\"\/>\n\n\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Frauenf\u00f6rderung h\u00e4lt in Indien Einzug<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl diese Zahlen nicht gerade f\u00fcr eine Gendergerechtigkeit in der indischen Wirtschaft sprechen, setzen sich viele Konzerne f\u00fcr mehr &#8222;Diversity&#8220; ein und betreiben neuerdings eine sehr gezielte Frauenf\u00f6rderung &#8211; sowohl bei ihrer Einstellungspolitik als auch bei der innerbetrieblichen Qualifikation. Mahindra &amp; Mahindra hat beispielsweise den Frauenanteil auf 14,5 Prozent erh\u00f6ht und strebt nach einer Steigerung auf 50 Prozent. Maruti hat in den Jahren 2007 bis 2010 die Zahl der weiblichen Besch\u00e4ftigten verdoppelt. Was im Automobilsektor Schule macht, zieht auch in anderen Branchen: 22 Prozent aller Angestellten beim Kekshersteller Britannia sind Frauen. Angezielt ist der systematische Ausbau auf 50 Prozent. Bei den 250 Anw\u00e4lten, die f\u00fcr AZB &amp; Partners arbeiten, ist fifty-fifty schon heute die Genderquote.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn die Vergleiche plausibel erscheinen, die die einflussreichsten Businessfrauen Indiens auf die Frage danach w\u00e4hlten, wie die Arbeitswelt ohne Frauen auss\u00e4he: Es ist keinesfalls selbstverst\u00e4ndlich, dass Frauen im Business aktiv sind und in F\u00fchrungspositionen aufsteigen. Nach wie vor ist die indische Gesch\u00e4ftswelt von M\u00e4nnern gepr\u00e4gt, die es gew\u00f6hnt sind, sich in einer m\u00e4nnerdominierten Welt zu bewegen und durchzusetzen. Frauen sehen sie eher in der Rolle der Mitarbeiterin denn als Chefin.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Frauen in Spitzenpositionen haben es schwer<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass Business in Indien pr\u00e4ferentiell M\u00e4nnersache ist, hat mit der kulturellen Pr\u00e4gung zu tun. Traditionell ist die Rolle der Frau auf Ehefrau und Mutter festgelegt, die sich um das Wohl der Familie und ein gl\u00fcckliches Zuhause k\u00fcmmert, w\u00e4hrend der Mann das Geld verdient. Hinzu kommt die gesellschaftlich normierte Sohnespr\u00e4ferenz, die dazu f\u00fchrt, dass M\u00e4nner in allen Bereichen bevorzugt und M\u00e4dchen tendenziell eher benachteiligt werden, zum Beispiel in der Ausbildung. Das hat Konsequenzen. Wer keine gute Ausbildung hat, hat schlechte Aussichten auf einen guten Beruf und wenig Aufstiegsm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Frauen in Spitzenpositionen der indischen Wirtschaft sind auch im globalen Vergleich immer noch die Ausnahme. Wer es dorthin geschafft hat, hat einen langen und meist sehr steinigen Weg hinter sich. Kompetenz, Qualifikation und das Bessersein als die M\u00e4nner geh\u00f6rt f\u00fcr sie im H\u00f6chstma\u00df dazu. Auch die Frauen, die aus einer Unternehmensdynastie stammen und in der eigenen Firma f\u00fchrende Positionen bekleiden, m\u00fcssen ihr K\u00f6nnen dauerhaft unter Beweis stellen. Den richtigen Familiennamen zu tragen und Erbin zu sein, reicht allein nicht aus.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Bankwesen, Pharma, Medizin, Medien und Lebensmittel<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schaut man auf das Ranking der Top- Businessfrauen, das das Wirtschaftsmagazin Business Today durchf\u00fchrt, f\u00e4llt auf, dass \u00fcberproportional viele der Frauen in Spitzenpositionen im Bankgesch\u00e4ft &#8211; vor allem im Investment Banking &#8211; t\u00e4tig sind. Aber auch die Sparten Pharma und Medizin, Medien und Lebensmittel sind vertreten. Die weibliche Elite ist \u00fcberwiegend 40plus mit ganz wenigen Ausnahmen in der Reihe der Drei\u00dfigj\u00e4hrigen. Fast alle Businessfrauen sind verheiratet und haben Kinder. Sie geben an, dass es ihnen sehr wichtig ist, nicht nur Karriere zu machen, sondern eine ausgewogene Work-Life-Balance zu haben, wobei die eigene Familie Mittelpunkt und St\u00fctze ist. Viele Biografien erz\u00e4hlen davon, dass es ein einsamer Karriereweg war. Umso wichtiger ist es den Frauen heute, aus ihrer Position heraus j\u00fcngere Frauen zu f\u00f6rdern und ihnen insbesondere \u00fcber Mentoring-Programme Karrierechancen zu er\u00f6ffnen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Indische Verhandlungsf\u00fchrerinnen<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt sie also die Businessfrauen in Indien. Und wer im Finanzsektor unterwegs ist, hat gute Chancen, den Top-Performerinnen der indischen Wirtschaft als Verhandlungspartnerinnen zu begegnen. Dass hier h\u00f6chste Kompetenz, Seriosit\u00e4t und zur\u00fcckhaltende Stilsicherheit z\u00e4hlen, ist selbstverst\u00e4ndlich. Angemessene Themen f\u00fcr eine gepflegte informelle Konversation, die nicht unwesentlich f\u00fcr den Gesch\u00e4ftserfolg in Indien ist, k\u00f6nnten zum Beispiel Kunst und Kultur, Architektur, die gute indische K\u00fcche, die Rezeption von Yoga und Ayurveda in Deutschland, aber auch die Ausbildung der Kinder sowie der Austausch \u00fcber die besten Schulen und Universit\u00e4ten sein. Oft engagieren sich indische Gesch\u00e4ftsfrauen ehrenamtlich und f\u00f6rdern Initiativen des sozialen Unternehmertums. Auch das ist ein Ankn\u00fcpfungspunkt f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch \u00fcber unternehmerische Verantwortung. Wer sich als deutscher Gesch\u00e4ftsmann auf diesem Top-level bewegt, kann davon ausgehen, dass indische Businessfrauen international versierte, leistungs- und zielorientierte Managerinnen mit viel Leadership-Erfahrung sind. Sie strahlen gelassene Souver\u00e4nit\u00e4t aus und warten nicht darauf, wegen ihres Seidensaris Komplimente zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das mittlere Management orientiert sich an der Businesselite, so dass hier die gleichen Regeln gelten. Gesch\u00e4ftsessen geh\u00f6ren zu Verhandlungen dazu. Es herrscht aber auch in diesem Rahmen ein konservativ-gehobener Kommunikationsstil, zu dem eine ausgelassene, feucht-fr\u00f6hliche Partystimmung nicht passt. Auch dann nicht, wenn ein Gesch\u00e4ftserfolg zu feiern ist. Anz\u00fcglichkeiten und Aufdringlichkeiten aller Art verbieten sich von selbst. Deutsche Manager sollten sich im Klaren dar\u00fcber sein, dass die indische Kultur auch heute noch die Trennung von Frau und Mann in der \u00d6ffentlichkeit kennt und der Austausch von Zuneigung und N\u00e4he tabu sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Autorin:<\/em><\/strong><em> Prof. Dr. Simone Rappel \u2013 Seit 1995 ist die Theologin und Religionswissenschaftlerin in der internationalen Zusammenarbeit t\u00e4tig und hat \u00fcber 20 Jahre Erfahrung als F\u00fchrungskraft und im Bereich Projektmanagement. Heute arbeitet sie u. a. als interkulturelle Trainerin mit Schwerpunkt auf indisch-deutsche Zusammenarbeit.<\/em> <\/p>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie &#8222;Essen ohne W\u00fcrze&#8220;, ein &#8222;Garten ohne Blumen&#8220;, der &#8222;Himmel ohne Sterne&#8220;, das &#8222;Meer ohne Fische&#8220; und ein &#8222;Vogel mit nur einem Fl\u00fcgel&#8220; sei die indische Gesch\u00e4ftswelt ohne Frauen. 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